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Politisches Feuilleton | Beitrag vom 12.05.2017

Historische ParallelenTrump ist Richard Nixon 2.0

Von Max Paul Friedman

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US-Präsident Donald Trump (picture alliance/ dpa/ Alexander Shcherbak)
US-Präsident Trump macht fast alles so wie Richard Nixon - wird er auch so scheitern? (picture alliance/ dpa/ Alexander Shcherbak)

Diebstahl von Informationen im Wahlkampf, Entlassung von Ermittlern, Einschüchterung des politischen Gegners: Den US-Historiker Max Paul Friedman erinnert das an was. Ein Politisches Feuilleton über "Sie wissen schon wen!".

In Deutschland wie in Amerika werde ich in letzter Zeit häufig gefragt, ob sich mit Donald Trumps Herausforderung der Demokratie die Geschichte der Weimarer Republik wiederholt. Darüber ist viel gesagt worden. Derzeit knüpft er eher an eine amerikanische Tradition an. Spätestens seit der Entlassung des FBI-Direktors James Comey lässt sich sagen: Trump ist Richard Nixon 2.0. 

Einbruch ins Hauptquartier der Demokraten

Die Parallelen zum Watergate-Skandal sind offensichtlich. Die Abhöraffäre fing 1972 mit einem Einbruch in das Hauptquartier der Demokratischen Partei an, um Informationen über die Wahlstrategie zu stehlen. Der russische Hackerangriff 2016 war ein digitaler Einbruch ins Hauptquartier der Demokratischen Partei, um Informationen über die Wahlstrategie zu stehlen. Nixon versuchte damals, die Untersuchung zu stoppen, indem er deren Leiter, den Sonderermittler Archibald Cox, entließ. Mit der Entlassung von James Comey setzte Trump den Leiter der Ermittlungen zur Russland-Affäre außer Gefecht.

Law and Order fordern und selbst auf das Gesetz pfeifen

Nixons Wahlkampfslogan war "Law and Order". Als Präsident pfiff er allerdings auf beides. Er verstieß hemmungslos gegen das Gesetz und brachte Chaos in die Regierung.

US-Präsident Richard Nixon empfängt am 21.12.1970  im Oval Office des Weißen Hauses in Washington DC die amerikanische Rocklegende Elvis Presley. (picture alliance / dpa)Das waren noch bessere Zeiten: Nixon empfing 1970 Elvis Presley im Weißen Haus. Vier Jahre später musste der US-Präsident seinen Hut nehmen (picture alliance / dpa)

Trump machte Nixons  Motto zu seinem. Er betreibt – gesetzwidrig - Geschäfte und stürzt die Regierung ebenfalls ins Chaos. Nixon glaubte, über dem Gesetz zu stehen und behauptete: "Wenn der Präsident etwas tut, ist es nicht illegal." Donald Trump teilt seine Meinung, wenn er sagt: "Der Präsident kann keinen Interessenkonflikt haben."

Nixons Berater arbeitet nun für Trump

Die Ähnlichkeiten sind nicht mal zufällig oder unbeabsichtigt. Roger Stone, einer von Nixons treuen Schergen in Watergate  — er hat heute noch eine Tätowierung von Nixons Gesicht auf dem Rücken — ist seit Jahren Trumps Berater. Im August letzten Jahres, also drei Monate vor den Wahlen, prahlte er: "Jetzt ist Podesta dran." Gemeint war Hillary Clintons Wahlkampfchef John Podesta. Kurz danach fing Wikileaks an, Podestas Mails zu veröffentlichen. Sechszehn amerikanische Geheimdienste sind sich einig, dass Podesta Opfer eines russischen Cyberangriffs war.

Listen von Feinden

Die Parallelen gehen weiter. Nixon hatte seine "Enemies List", eine schwarze Liste mit seinen politischen Gegnern und kritischen Journalisten, und drohte ihnen, sie mit der Maschinerie der Staatsgewalt "fertig zu machen". Trump nannte Journalisten "die Feinde des Volkes". "Wir haben eine Liste", warnte eine Beraterin von ihm und kündigte an: "Es ist die ultimative Rache, der mächtigste Mann des Universums zu werden."

Verrückte Außenpolitik

Auch in der Aussenpolitik lässt sich Trump von Nixon inspirieren; etwa mit der Annäherung an Russland. Seine Drohungen an Nordkorea folgen Nixons "madman theory" - der Strategie, so verrückt zu erscheinen, dass man bereit wäre, die Atombombe zu zünden und damit Nordvietnam zu  beeindrucken. Nixon mochte Diktatoren wie Yahya Khan in Pakistan und  Augusto Pinochet in Chile. Trump bewundert die Stärke von Putin, Duterte, al-Sisi, Erdogan, und sogar von Nordkoreas Kim Jong Un, den er ein "tough cookie" nennt, eine "harte Nuss".

Am Ende kam der Rücktritt

Trumps Vorbild und Vorgänger fand bekanntermaßen kein Happy-End. Nixons Amtszeit kam zu einem frühen Ende, nachdem er den Sonderermittler Cox feuerte, die Watergate-Affäre aber trotzdem ans Licht kam. Der Kongress klagte ihn wegen eines Amtsvergehens an. Erster Punkt der Anklage war die Behinderung der Justiz und des FBIs. Daraufhin musste Nixon zurücktreten.

Laut Karl Marx ereignen sich alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen zweimal: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.

Der Fall Trump hat allerdings Potenzial für beides.

Der Historiker Max Paul Friedman (American University / Jeff Watts)Max Paul Friedman (American University / Jeff Watts)Max Paul Friedman ist Professor für Geschichte an der American University in Washington. Zuletzt erschien von ihm das Buch "Rethinking Anti-Americanism" (Cambridge University Press).



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