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Donnerstag, 14.12.2017

Konzert / Archiv | Beitrag vom 19.07.2017

Gedenkkonzert für den Komponisten Michael Hirsch"Kopfecke, Wunderhöhle"

Aufzeichnung aus der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin

Michael Hirsch beim FOCO Festival Mexico 2015 (Foto: Guillermo Galind)

Wenn originelle, querständige Köpfe gehen, ist es immer zu früh; doch bei dem Berliner Komponisten Michael Hirsch, der noch viele Pläne hatte und gerade 58 Jahre alt wurde, darf man von einer besonderen Tragik sprechen. Musikalische Weggefährten erinnern an ihn.

Allein Werktitel wie "Kopfecke, Wunderhöhle" oder "Hirngespinste" weisen auf eine spezielle Denkrichtung des gebürtigen Münchners hin: das "Absteigen" in die Tiefen des menschlichen Unterbewusstseins und das Nachformen der dort nistenden wildwüchsigen Assoziationsketten und Phantasmen mit nicht nur musikalischen, sondern auch sprachlichen und schauspielerischen Mitteln. Knapp, unvorhersehbar in ihren Wendungen und mit dadaistischer Lust scharf um Ecken biegend, die noch Sekunden vorher gar keiner gesehen beziehungsweise gehört hat: langweilig waren und sind die Aufführungen von Hirschs Stücken nie.

Dass er mit seiner multimedialen Begebung eine besondere Neigung zur Musikbühne hatte, verwundert nicht. Ohnehin haben fast alle seine Kompositionen auch ein theatralisches Moment, und ein Stück wie "Die verlassene Dido" rekurriert direkt auf einen der bekanntesten Texte des barocken Star-Librettisten Metastasio. Im Klavierstück "Bastard 2" wiederum formen allein die Spielanweisungen, alphabetisch angeordnet von "auftrumpfend", "angespannt" und "aufsässig" bis zum Z mit "zerrissen", "zögernd" und schließlich "zwingend", eine Art kleines Melodram. Wobei Michael Hirsch, so vertrackt seine Ideen auch anmuten, immer sehr praxisnah operierte; als jahrelanger Mitakteuer der "Maulwerker" und anderer Avantgarde-Ensembles beherrschte er auch selbst blendend, was er anderen abforderte. Einige der alten Weggefährten haben sich nun, fünf Monate nach seinem Tod im Februar dieses Jahres, zusammengetan, um Segmente seiner phantastischen Klangwelt zu einem großen Erinnerungsstück zusammenzusetzen.



Tischlerei der Deutschen Oper Berlin
Aufzeichnung vom 05.07.2017

"Ein schöner Hase ist meistens der Einzellne"

Konzert in memoriam Michael Hirsch


"Bastard 2" ("La Didone") für Klavier (2004) – Uraufführung

Renata Kemp, Klavier


"Die verlassene Dido" – Eine Kantate für Mezzosopran, Ensemble und Zuspielungen (2003)

Abigail Levis, Mezzosopran; Ensemble der Deutschen Oper Berlin, Ltg.: Jens Holzkamp


"Hirngespinste"  - eine nächtliche Szene für zwei Akkordeons (1996)

Christine Paté & Anna Clementi


"Zu 14 Händen" für sieben Pianisten an einem Klavier (1995)

Ensemble Maulwerker und Gäste


"Das Konvolut, Vol. 1" (2001) - Simultanaufführung von

"Opera" für eine Sängerin und Zuspielung (Anna Clementi); 21 Stücke für Piccoloflöte und Es-Klarinette (Klaus Schöpp & Matthias Badczong); Fixed-Media-Zuspielung


2. Streichquartett (2012)

Sonar Quartett


"Kopfecke, Wunderhöhle" für drei Sprecher, Geräuschemacher, Klavier, Schlagzeuger, drei Kassettenrecorder und Zuspielungen (1996)

Ensemble Maulwerker und Chico Mello

Konzert

Belcanto aus New YorkBellinis "Norma" live
A view of the grand staircase in the Metropolitan Opera at Lincoln Center in New York, New York, USA, on 12 May 2009. Lincoln Center, which was the first major cultural complex in the United States and has become the world?s largest performance center, is celebrating its 50th anniversary this year.  (picture-alliance/ dpa / epa Justin Lane)

Wenn es nur ein einziges Stück gäbe, um zu demonstrieren, was der Begriff "Belcanto" meint, dann müsste es Vincenzo Bellinis "Norma" sein. Diesmal kommt der große Wurf des Sizilianers frisch von der Theke aus der New Yorker Met.Mehr

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