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Samstag, 18.11.2017

Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 28.05.2016

Forschung am Körper unter ExtrembedingungenWas sind die Limits des Menschen?

Hanns-Christian Gunga im Gespräch mit Gisela Steinhauer

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Der Weltraummediziner Hanns-Christian Gunga (Foto: privat)
Der Weltraummediziner Hanns-Christian Gunga (Foto: privat)

Der Weltraummediziner Hanns-Christian Gunga erforscht, wie sich unser Körper unter Extrembedingungen verhält. Wie wirken sich Hitze, Kälte, der Klimawandel auf den Menschen aus? Sein Hauptinteresse gehört der Raumfahrt. Hier findet er ideale Untersuchungsbedingungen.

Wie können Menschen bei extremer Hitze und Kälte leben und arbeiten? Welchen Einfluss hat die Klimaerwärmung auf den menschlichen Körper? Unter welchen Bedingungen können Menschen im All existieren?

Diese Fragen gehören zum Alltag von Prof. Dr. Hanns-Christian Gunga. Der Mediziner ist Direktor des Instituts für Physiologie am Zentrum für Weltraummedizin und Extreme Umwelten an der Berliner Charité. Er erforscht, wie sich unser Körper unter Extrembedingungen verhält: In der Tiefe – zum Beispiel im Bergbau –, in eisiger Kälte – wie der Arktis – oder in heißen Gebieten, wie den Wüstenregionen.

Das Hauptinteresse des Mediziners gilt aber seit langem der Raumfahrt. Aktuell betreut er Experimente auf der Internationalen Raumstation ISS, er ist aber auch an dem Marsflug-Projekt "Mars500" beteiligt, bei dem Probanden monatelang in Isolation leben müssen.

Eines der jüngsten Experimente auf die ISS wird bereits im irdischen Alltag getestet: Ein Sensor, der helfen soll, die Körpertemperatur zu regulieren. Er kann zum Beispiel bei Operationen eingesetzt werden, um Patienten zu überwachen, aber auch bei Noteinsätzen, zum Beispiel der Feuerwehr.

"Es war immer unser Ziel, den Wärmesensor, den wir für Astronauten entwickelt haben, etwa auch in ein Helmsystem von Feuerwehrleuten zu integrieren, um sie zu überwachen und warnen zu können: Pass auf, Herzfrequenz ist zu hoch, Temperatur ist zu hoch, du kommst an deine Grenze und hast vielleicht noch fünf Minuten, bevor du kollabierst."

Ideale Untersuchungsvorraussetzungen im All

Das All sei ein guter Platz, um die Grenzen des menschlichen Körpers zu erforschen.

"Hier, unter irdischen Bedingungen, haben wir unsere Erdanziehung. Und die hat unseren Bauplan bestimmt: wie unsere Knochen, wie unsere Muskeln aufgebaut sind, wer von diesen Organen und Organsystemen besonders belastbar sein muss. Wir brauchen zum Beispiel 60 Prozent unserer gesamten Muskulatur nur, um aufrecht zu gehen!"

In der ISS herrsche Schwerelosigkeit, die Knochen und Muskeln bauten sich extrem schnell ab – und es gelte, dem entgegen zu wirken. Zum Beispiel mit Laufbändern oder den modernen "Power Plates", jenen Vibrationsgeräten zum Muskelaufbau, die mittlerweile in fast allen Sportstudios zu finden sind. Auch sie seien der Weltraumforschung zu verdanken. 

Immer mehr rücken aber auch der Klimawandel und dessen Folgen in den Fokus seiner Forschung. Im äquatorialen Bereich seien manche Länder schon jetzt am Limit.

"Wenn die Temperatur nur um zwei Grad steigt, wird die Leistungsfähigkeit um 30 bis 40 Prozent sinken."

Die Folge: "Die Leute können nicht mehr arbeiten – und wenn, nur mit Klimaanlagen. Wir bekommen eine massive Wanderungsbewegung." Seine Forschung, so seine Überzeugung, sei "die ultimative Präventivmedizin".

Forschung am Limit des Menschen
Darüber diskutiert Gisela Steinhauer am Samstag, den 27. Mai 2016 von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Hanns-Christian Gunga. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de – und auf Facebook und Twitter.

Hier finden Sie weitere Informationen über Prof. Dr. Hanns-Christian Gunga.

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