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Echtzeit | Beitrag vom 11.03.2017

Feminismus in der ModeMütze und T-Shirt als politisches Statement

Von Gesine Kühne

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New York City: Tausende Menschen marschieren durch die Straßen, um den internationalen Frauentag zu feiern. (Imago/Pacific Press Agency)
Frauen mit Pussyhats protestieren am internationalen Frauentag in New York. (Imago/Pacific Press Agency)

T-Shirts mit Slogans wie "Girlpower" oder "We Should All be Feminists" sowie pinke Mützen mit Katzenohren - Pussyhats - sind Trend. Doch stärken solche Accessoires tatsächlich die feministische Position? Oder wird damit einfach nur Geld verdient?

Nicht mal zwei Wochen ist es her, dass sich Berlins Modeszene in und vor dem Geschäft "Kauf Dich Glücklich" in Berlin Mitte tummelt. An diesem Mittwochabend Anfang März feiern die beiden Bloggerinnen von "This Is Jane Wayne" - einer der beliebtesten Modeblogs Deutschlands – ihre erste Modekollektion mit dem Namen "Bonjour Simone". Inspiriert von der feministischen Autorin Simone de Beauvoir.

Sarah Gottschalk: "Es gibt einmal ein gelbes Shirt, das trägt das Buchcover 'The 2nd Sex'. Das ist eines ihrer bekanntesten Werke, wir haben ein weißes Shirt mit dem Print 'Bonjour Simone'. Wir haben ein weiteres weißes Shirt, da sind kleine Brüste drauf skizziert. In unterschiedlichster Form und Farbe, Größe, um eben auch Diversität zu zeigen und alles abzubilden."

Mode als "Sprachrohr nach außen"

Neben den eher plakativen Entwürfen gibt es in der Kollektion aber auch Wallekleider mit Stickerei, Ringelpulli und Jeans in Übergröße. Lieblingsklamotten, in denen sie sich wohl fühlen, die gern auch unvorteilhaft sind, sagen Sarah Gottschalk und Nike van Dinther. Das sei genauso feministische Mode, wie Sprüche auf den Shirts.

Nike van Dinther: "Ich finde ja immer, dass Mode politisch sein darf und heute vor allem auch politisch sein muss. Ich glaube wir wissen alle, in welcher Gesellschaft wir gerade leben, was gerade alles passiert und ich glaube, es ist nur unsere Pflicht, als Menschen, die eben auch ein Sprachrohr haben, das nach außen zu tragen. Und wenn es geht auch durch Mode."

Im vermeintlich emanzipierten Deutschland bekommen Frauen immer noch bis zu 21 Prozent weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen - für die gleiche Arbeit. Ein anderes Beispiel sind die USA: Donald Trump wird trotz frauenverachtender Äußerungen zum Präsidenten gewählt. Die Reaktion? Zumindest ein Teil der Bevölkerung protestiert. Auf Demos mit Plakaten, feministischen Slogan-T-Shirts und knallpinken Mützen mit Katzenohren. Die sogenannten "Pussy Hats".

"Äußerlichkeiten haben mit Feminismus nichts zu tun"

Die Journalistin und Kulturwissenschaftlerin Sonja Eismann sieht den Trend zwiespältig. Sie hat unter anderem das Missy Magazine mitbegründet, ein Magazin für Pop, Politik und Feminismus und ist der Meinung: "Äußerlichkeiten haben mit Feminismus nichts zu tun." Trotzdem trägt sie am Tag des Interviews selbst ein neues Slogan-Shirt. 

"Ich freu mich natürlich, dass es auch bedeutet, dass mehr Leute feministische Botschaften in die Welt tragen, weil es bis vor einer Weile eher so war, dass man das verheimlicht hat oder ganz verschämt damit umgegangen ist. Anderseits gibt es mir natürlich zu denken, dass so eine politische, meiner Meinung nach immer kämpferische Haltung dann doch einfach so vermarktet werden kann."

Denn im Feminismus geht es laut Eismann um ein umfassendes Weltbild, in dem jegliche Form von Unterdrückung abgeschafft werden sollte. Und deshalb kritisiert sie letztlich die großen Player, wie das Luxuslabel Dior und auch die Fast-Fashionketten.

"Ist es feministisch, wenn man sehr junge, sehr ausgezehrte Models mit feministisch bedruckten T-Shirts auf den Laufsteg schickt? Ist es feministisch, wenn man die Sachen in Sweatshops in armen Ländern produzieren lässt von Frauen, die hoffnungslos ausgebeutet werden?"

"Marktplatzfeminismus" oder "Fame-inismus"

Natürlich nicht. Die Kommerzialisierung des Feminismus durch Slogan-Shirts wird durch unsere konsumistische Gesellschaft vorangetrieben. Deshalb nennt Andi Zeisler, Journalistin und Gründerin des amerikanischen Feminismus-Magazins "Bitch", das Phänomen auch "Marktplatzfeminismus".

Die Jane Waynes, die ihre Kollektion übrigens zu fairen Preisen in Europa haben produzieren lassen, sagen dazu "Fame-inismus", eine Wortschöpfung aus dem englischen "Fame" - also Ruhm - und Feminismus. Sie hoffen, dass diese Art des Feminismus dennoch Aufmerksamkeit bei denjenigen schafft, die sich sonst nicht mit dem Thema Gleichberechtigung auseinandersetzen.

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