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Sein und Streit | Beitrag vom 05.03.2017

Eva von Redecker"Frauen sind die Proletarier von heute"

Moderation: Simone Rosa Miller

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Eine junge Frau am 21. Januar 2017 in Brüssel beim Protestmarsch Women's March gegen Trump - und gegen Sexismus und Gewalt (picture alliance/dpa/Bruno Fahy)
Eine junge Frau in Brüssel beim Protestmarsch Women's March gegen Trump - und gegen Sexismus und Gewalt; Aufnahme vom 21. Januar 2017 (picture alliance/dpa/Bruno Fahy)

In diesem Jahr fallen am 8. März der Frauentag und der 100. Jahrestag der russischen Februarrevolution zusammen. Aus diesem Anlass haben wir mit Eva von Redecker über die Rolle der Frauen in der Geschichte der Revolutionen gesprochen.

Marx sah den Zug der Geschichte in Richtung Revolution fahren. "Für Marx war die Französische Revolution keine volle Revolution", meint die Philosophin Eva von Redecker im Deutschlandradio Kultur.

"Sie war nur die politische Revolution, die das Bürgertum an die Herrschaft brachte, aber die eigentliche Befreiung der Menschheit steht noch aus."

Denn der Philisoph Karl Marx ging davon aus, dass der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit einen Umbau der Wirtschaft notwendig mache. 

Die Geschichte hat das marxistische Revolutionsversprechen aber nicht eingelöst und die Möglichkeit der Revolution damit grundsätzlich infrage gestellt. Eva von Redecker sagt dazu:

"Wenn der Zug nur abgekoppelt wäre von der revolutionären Lokomotive, dann müsste man ihn ja nur wieder ankoppeln. Aber der Schock ist: Vielleicht ist die Geschichte gar keine Lokomotive. Vielleicht müssen wir selber mühsam den Stein rollen, vielleicht geht es immer nur bergab, vielleicht gibt es einfach nur Stillstand."

Abweichende, alternative Praktiken als Zündstoff für Revolutionen

Damit Neues sich tatsächlich durchsetzen könne, müsse es im Alten schon gewachsen sein, glaubt die Philosophin:

"Wenn man das Neue sucht, muss man in den gesellschaftlichen Zwischenformen suchen – nach abweichenden, alternativen Lebensweisen und Praktiken. Die sind oft Zündstoff für Revolutionen."

Deren Erfolg sei aber sehr voraussetzungsvoll:

"Für radikalen Wandel braucht es ein Passungsverhältnis von Krisen im Herzen der Gesellschaft mit abweichenden Praktiken, die genau für diese Krisen die Lösung darstellen."

Einen revolutionären Teilerfolg stelle die Frauenbewegung dar, meint Eva von Redecker. Es sei kein Zufall, dass die Proteste gegen die Trump-Regierung vor allem von der Frauen- und Queer-Bewegung ausgingen.

"Der Protest auf den Straßen der USA stellt radikal infrage, von wem Politik ausgeht. Die Protestierenden stellen sich dabei in eine uralte amerikanische Tradition: der Idee der Townhall-Meetings."

"Manche radikal feministische Ansätze würden die Wirtschaft komplett umstrukturieren"

Vielversprechend seien feministische Ansätze auch deshalb, weil sie teilweise Fürsorge statt Profitstreben in den Mittelpunkt stellten:

"Manche radikal feministische Ansätze würden die Art von Wirtschaft, wie wir sie heute haben, komplett umstrukturieren. Denn die Idee, dass man die ganze Welt als ausbeutbare Ressource versteht und die Idee, dass Bedürfnisse nur durch Waren befriedigt werden können, widerspricht dem Vorstellungen des fürsorglichen Miteinander."

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