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Kompressor | Beitrag vom 04.02.2016

Elektropionierin Pauline OliverosZarte akustische Experimente

Von Esther Schelander

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Tonbandgerät  (picture alliance / dpa / Foto: Jan Woitas)
Ein Tonbandgerät steht in einem Tonstudio des deutschen Musikarchivs der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig, aufgenommen am 09.05.2011. (picture alliance / dpa / Foto: Jan Woitas)

Sie ist eine Pionierin der elektronischen Musik, doch Pauline Oliveros ist eher weniger bekannt. Auch als Improvisatorin mit dem Akkordeon und sound-philosophische Schriften hat sie reüssiert. Jetzt ist die 84-Jährige zu Gast auf dem CTM-Festival in Berlin.

Die frühen 60er-Jahre. Die elektroakustische Musik steckte noch in ihren Kinderschuhen, doch in Europa tobte bereits ein erbitterter Kampf: Aufgenommene Klänge versus elektronisch erzeugte Klänge. Was ist der wahre Sound der Avantgarde?

In der Szene von San Francisco war man weit weniger dogmatisch. Die Akkordeonspielerin und Komponistin Pauline Oliveros gehörte zum Kernteam einer selbstverwalteten Institution, die die verschiedenen Strömungen der elektroakustischen Musik verbinden wollte. Von den Musikern selbst das "San Francisco Tape Musik Center" genannt.

Denn egal woher die Klänge stammten, am Ende landeten sie alle auf einem Tonband, dem Tape. Das Aufnahmegerät von Pauline Oliveros ließ sich in unterschiedlichen Geschwindigkeiten abspielen und auch während der Aufnahme vor- und rückwärts bewegen. So entstanden Tonhöhenverschiebungen und Klangeffekte.

Wichtig war für Oliveros die Interaktion mit den Klängen in Echtzeit. Während die meisten Tapekomponisten in mühevoller Kleinarbeit Tonbandschnipsel zusammenstückelten, veranstaltete Oliveros Studioperformances und Improvisationssesssions. Eine Arbeitsweise, die für sie bis heute essentiell ist.

Verstärkung einer akustischen Täuschung

1965 kam Oliveros (dann) von der Tapemusic zu den elektronischen erzeugten Klängen. Als Klangerzeuger dienten zweckentfremdete Teile der Nachkriegstechnik. Die Verstärkung einer akustischen Täuschung. Das Hörbarmachen von einem Ton, der nie gespielt wurde.

In einer akustischen Versuchsanordnung verformte Pauline Oliveros die Differenztöne durch einen Delayeffekt: Es entstanden lange instabile Klänge, zarte akustische Artefakte. Zum ersten Mal zu Hören in dem Stück "Bye Bye Butterfly", das bis heute als Klassiker und Meilenstein der frühen elektronischen Musik gilt.

Pauline Oliveros Musik ist vielseitig. Ihre Auseinandersetzungen zeugen von einem genuin innovativen Klangverständnis. Echtzeit- Erkundungen verbinden sich mit akustisch- physikalischen Grenzerfahrungen. Besonders ihr frühes Werk hat Musikerinnen und Musiker verschiedener Generationen und Stile beeinflusst und nachhaltige Impulse in der elektronischen Musik gesetzt.

Heute hat die 84-jährige Pionierin die Tapemusik und die elektronische Musik hinter sich gelassen, um sich wieder ganz dem Akkordeon zu widmen. Doch auch nach sechs Dekaden des Musikschaffens ist erstmal kein Ende in Sicht. 2015 erschien auf Morphine Records das Album "Water Above Sky Below Now" in Zusammenarbeit mit der Vokalperformerin Ione. Das CTM Festival, das diese Woche in Berlin stattfindet, versucht dieser Vielfalt mit zwei Konzerten, einem Talk und einer Hörmeditation gerecht zu werden. 

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