Seit 01:05 Uhr Tonart
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 01:05 Uhr Tonart
 
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 09.05.2012

Ein fast verklemmter Vampir und eine sinnliche Hexe

Neu im Kino: "Dark Shadows" von Tim Burton

Von Jörg Taszman

Podcast abonnieren
Der US-Schauspieler Johnny Depp bei der Premiere von "Dark Shadows" von Tim Burton in Hollywood (picture alliance / dpa / Paul Buck)
Der US-Schauspieler Johnny Depp bei der Premiere von "Dark Shadows" von Tim Burton in Hollywood (picture alliance / dpa / Paul Buck)

Tim Burton erzählt die Geschichte von Barnabas Collins, einem Vampir, der mitten in der Flower-Power-Hippie-Zeit nach langer Pause aktiv wird. Mit viel Ironie punktet der Regisseur und schafft es, gekonnt zu unterhalten. Und natürlich ist dieser Vampir Burtons Lieblingsschauspieler Johnny Depp.

Es ist die achte Zusammenarbeit zwischen dem amerikanischen Kultregisseur Tim Burton und seinem Lieblingsschauspieler Johnny Depp. Beide vereint ein Faible für etwas schräge, massenkompatible, überdimensionierte B-Pictures. Johnny Depp spielt dabei oft die ebenso schrillen, wie etwas naiven, liebevollen Außenseiter. Diesmal ist er Barnabas Collins, ein Vampir, der 200 Jahre lang in einem Sarg geschlummert hat und 1972, mitten in der Flower-Power-Hippie-Zeit, wieder aufwacht.

Der ehemalige Schlossherr verfügte einst über Reichtum und Macht. Dann verliebte er sich in die Falsche und verprellte so die schöne, blonde Hexe Angélique, die ihn für immer verfluchte. Nun, zwei Jahrhunderte später, geht der Kampf zwischen den einstigen Lovern weiter. Barnabas, der so ungern tötet, das Blut aber zum Überleben braucht und Angélique, die sadistisch lustvoll mordet, liefern sich eine letzte große Schlacht zu Alice Cooper und anderen Hits der 70er Jahre…

Mit viel Ironie also, einem fast verklemmten Vampir und einer sinnlichen Hexe, punktet Tim Burton diesmal und schafft es vor allem, gekonnt zu unterhalten. Dabei gelingt es ihm, die "Seventies" anhand einer mehr als dysfunktionalen Familie liebevoll zu persiflieren. So leben die Erben von Barnabas in dem heruntergekommenen Schloss und reiben sich in Familiendisputen auf. Das neue Familienoberhaupt ist die leidgeprüfte Elisabeth. Sie versucht, ihre aufmüpfige Teenietochter und deren lasterhaften Bruder zu bändigen. Vor allem muss sie sich aber um den schwer gestörten Neffen David kümmern, der seine verschollene Mutter laufend im Geiste vor sich sieht. Für ihn hat sie die liebevolle Nanny Josette engagiert, die ein Ebenbild der großen Liebe von Barnabas ist…

Neben dem überschminkten Depp, der nicht sensationell aber souverän agiert, punkten vor allem drei Generationen von Frauen: Michelle Pfeiffer als Matriarchin, Eva Green als femme fatale, die Neuentdeckung Bella Heathcote als Josette und die junge Chloe Grace Moretz als Teenierebellin, die schon in "Hugo Cabret" und "Let me in" auf sich aufmerksam machte.

Das Resultat - wohltuend im altmodischen 2D gedreht - kann sich sehen lassen und ist gespickt mit kleinen Gemeinheiten und witzigen optischen wie musikalischen Gags.

USA 2012 Regie: Tim Burton, Darsteller: Johnny Depp, Eva Green, Michelle Pfeiffer, Bella Heathcote, Chloe Grace Moretz, Ab 12 Jahren, 113 Minuten

Homepage "Dark Shadows"

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsDer ewige Dandy
Als gewohnt erfolgreicher Verführer agiert Roger Moore als Agent 007 in einer Szene mit Maud Adams in dem James Bond-Film "Octopussy" (1983).  (picture alliance / dpa / Goldschmidt)

Mit Roger Moore sei "vielleicht der wahre Bond" gestorben, mutmaßt die "TAZ". Die "SZ" trauert um "den ewigen Dandy" und die "Welt" erfindet gar ein neues, wenn auch arg verunglücktes Wort für den britischen Schauspieler: "Gentlemensch".Mehr

weitere Beiträge

Fazit

Festival "Theater der Welt"Weltpremiere in Hamburg
Probe des Stückes "Children of Gods"  (picture alliance/dpa/Foto: Christophe Gateau)

Das Festival "Theater der Welt" hat 45 nationale und internationale Produktionen nach Hamburg eingeladen. Darunter auch das Stück "Children of Gods" von Lemi Ponifasio. Unser Kulturmagazin "Fazit" wird am Donnerstagabend live von der Eröffnung berichten.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur