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Kompressor | Beitrag vom 08.06.2018

"Dr. Böhmermanns Struwwelpeter" im ZDFEin Panoptikum der Kita-Eltern

Fabian Dietrich im Gespräch mit Max Oppel

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Jan Böhmermann hat das Kinderbuch "Struwwelpeter" verfilmt (Ausstrahlung: 8.6.2018 im ZDF). (ZDF/Josef Strauch)
Jan Böhmermann hat das Kinderbuch "Struwwelpeter" verfilmt (Ausstrahlung: 8.6.2018 im ZDF). (ZDF/Josef Strauch)

Die schwarze Pädagogik des "Struwelpeter" ist eine Steilvorlage für Jan Böhmermann. Rahmenhandlung seines Films, der heute im ZDF läuft, ist das Elterntreffen der Kita "Rattennest". Der Satiriker spielt den Leiter. Kluge Gegenwartsanalyse, sagt unser Kritiker.

Das Comedy-Team um Jan Böhmermann hat sich Heinrich Hoffmanns "Struwwelpeter" und seine schwarze Pädagogik vorgeknöpft  - und wie nicht anders zu erwarten, haben sie kräftig Satire drüber gegossen. 

Am heutigen Freitag um 23 Uhr strahlt ZDF das Ergebnis aus. Ist das witzig? Journalist Fabian Dietrich hat sich die Sendung vorab angesehen und meint: Böhmermann gehe es nicht darum, das Kinderbuch aus dem Jahr 1844 zu zertrümmern - dies sei bereits 1970 mit dem anti-autoritären "Anti-Struwwelpeter" von F.K. Wächter passiert. Böhmermann nehme vielmehr das Heute auf die Schippe.

Die Rahmenhandlung ist das Kennenlerntreffen der Eltern in der neuen Kita ihrer Kinder. Jan Böhmermann spielt hier den Leiter der Kita "Rattennest" und wird mit den unterschiedlichsten überdrehten Elternpersönlichkeiten konfrontiert, die aber durchaus authentisch sind.

Elterngestalten wie du und ich

Da sind zum Beispiel die handysüchtigen Geschäftsleute, die eigentlich keine Zeit für so was Banales wie Kindergarten haben. Da sind die überbesorgten Hippies, die ihrem Kind eine Brunnenkresseallergie unterstellen und der Kita-Leitung in alles reinreden wollen. Und da ist ein verhärmtes, deutschnationales Paar, das sich von links-grüner Pädagogik verfolgt fühlt. 

Ein Panoptikum, das sich trefflich für den Satiriker Böhmermann nutzen lässt. Diesen unterschiedlichen Eltern präsentiert Böhmermann den neuen "Struwwelpeter" als Lösung ihrer Probleme.

Das Streichholzmädchen wird zur Instagramerin

Fabian Dietrich: "Natürlich ist das Comedy, und das ist auch sehr albern."  Zum Beispiel die Geschichte von dem kleinen Mädchen, das mit Streichhölzern spielt und verbrennt. Böhmermann mache daraus eine Slapsticknummer - und aus dem kleinen Mädchen eine Instagramerin.  

"Aber es sind durchaus auch interessante Gegenwartsdiagnosen enthalten", sagt Dietrich. "Angefangen mit den völlig überengagierten Eltern, die ihre Kinder als 'Projekte' betrachten und nichts mehr dem Zufall überlassen wollen. Bis hin zu den Episoden des 'Struwwelpeters' selbst: Die Neuerzählung von Hans-Guck-in-die-Luft mit Devid Striesow ist zum Beispiel genial. Warum guckt der heutige Hans in die Luft? Natürlich weil er da oben Chem-Trails wittert!"

Beste Unterhaltung

Es sei eine der gelungeneren Arbeiten von Böhmermann und seinen Autoren, findet Dietrich. "Jeder, der zu Hause kleine Kinder hat wird sich da etwas für sich rausziehen können. Ich finde es auch allgemein toll, dass dieser Stoff nicht verloren geht. So seltsam das Originalbuch aus heutiger Sicht auch ist, finde ich es wichtig, dass jede Generation ihre eigenen Werte daran abgleichen und was dazu dichten kann." Und: "Gute Unterhaltung ist es natürlich obendrein."

(mkn)

"Struwwelpeter", Freitag, 8. Juni, ZDF, 23 Uhr

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