Seit 13:05 Uhr Sein und Streit

Sonntag, 27.05.2018
 
Seit 13:05 Uhr Sein und Streit

Interview | Beitrag vom 12.01.2018

Dirk von Gehlen über "Das Pragmatismus-Prinzip"Mehr Ratlosigkeit wagen!

Dirk von Gehlen im Gespräch mit Ute Welty

Beitrag hören Podcast abonnieren
Shruggie-Emoticon (Collage Deutschlandradio)
Verkörpert das Pragmatismus-Prinzip: Emoji "Shruggie" (Collage Deutschlandradio)

Offen, neugierig und mit heiterer Ratlosigkeit betrachtet Emoji "Shruggie" die Welt. Wir sollten uns Shruggie zum Vorbild nehmen, meint der Journalist Dirk von Gehlen. Sein Buch "Das Pragmatismus-Prinzip" ist ein Plädoyer gegen die Angstpolitik der Populisten.

Trump, Brexit, Migration, Arbeit 4.0, digitaler Wandel – wir leben in Zeiten, die uns alle irgendwie überfordern und ratlos machen. Diese Ratlosigkeit treibt die einen in die Arme von Populisten, die anderen in einen blinden Zukunftsoptimismus.

Beides ist für den Journalisten und Autor Dirk von Gehlen keine Lösung. Er plädiert stattdessen für Kulturpragmatismus: eine Haltung, "die gestaltend und teilnehmend ist und die davon ausgeht, dass Zukunft kein Schicksal ist, sondern etwas, das durch unsere Teilnahme sich verändern lässt", so von Gehlen im Deutschlandfunk Kultur.

Früher war auch nicht alles besser

Diese Haltung wird für von Gehlen von einem kleinen japanischen Emoji verkörpert, das aus Zeichen des Katakana-Alphabets zusammengesetzt ist:

¯\_(ツ)_/¯

Mit einem freundlichem Schulterzucken betrachtet "Shruggie" eine immer komplexer werdende Welt, die vielen Angst macht:  

"Dieses Grundgefühl, wir erleben eine Ausnahmesituation, es ist alles irre gefährlich – diesem Gefühl muss man mit einem, wie ich finde, fröhlichen Schulterzucken begegnen und sagen: Vielleicht ist es gar nicht so schlimm, dass ich noch keine Antwort habe. Lasst es uns versuchen, gemeinsam zu gestalten."

Sucht einen pragmatischen Weg in die Zukunft: Dirk von Gehlen (Copyright: Dirk von Gehlen)Sucht einen pragmatischen Weg in die Zukunft: Dirk von Gehlen (Copyright: Dirk von Gehlen)

Und bei näherer Betrachtung seien die Zeiten früher auch nicht besser gewesen.

"Im Rückblick verklärt man sich das aber und sagt: Die siebziger Jahre waren ja viel einfacher. Die waren damals auch nicht einfacher, und die Menschen, die damals gelebt haben, hatten auch nicht das Gefühl, in einfachen Zeiten zu leben."

(uko)

Dirk von Gehlen: "Das Pragmatismus-Prinzip. 10 Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen"
Piper-Verlag, München 2017,
224 Seiten, 20 Euro

Mehr zum Thema

Realitäten und Zustände - Durchschnitt
(Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 31.12.2017)

Dirk von Gehlen: "Meta!" - Wie geht "digitale Mündigkeit"?
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 07.02.2017)

Sendungsüberblick - Das bisschen Wut auf Twitter reicht nicht
(Deutschlandfunk Kultur, Breitband, 04.02.2017)

Interview

Poesiefestival in Berlin Dichten gegen den Klimawandel
Antarktischer Gletscher des schmelzenden Larsen B Eisschelfs (Antarktische Halbinsel) mit Rissen (imago / blickwinkel)

Das Erleben des Klimawandels treibt auch Dichter und Dichterinnen um. In einem Poesiegespräch in Berlin wird nun darüber gesprochen, wie Lyrik zur Bewältigung beitragen und neue Strategien entwickeln kann, sagt die Dichterin und Verlegerin Daniela Seel. Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur