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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 17.07.2009

Die Essenz des Swing

Vor 50 Jahren starb die Jazzsängerin Billy Holliday

Von Simonetta Dibbern

Die Jazzsängerin Billie Holiday (AP)
Die Jazzsängerin Billie Holiday (AP)

Die Jazzsängerin Billie Holiday war eine der schillerndsten Persönlichkeiten des frühen Jazz und schon zu Lebzeiten eine Legende. Mit ihrer bittersüßen Stimme und ihrem gefühlvoll, zerbrechlichen Gesang hat sie Jazz, Blues und Swing maßgeblich beeinflusst. 30 Jahre lang wurde sie als Lady Day gefeiert, bis sie am 17. Juli 1959 starb.

Billie Holiday:
"I always wanted to sing like Louis Armstrong played trumpet. I always wanted to sing like an instrument, like, eh, any instrument, you know."

Sie wollte immer so singen wie Louis Armstrong Trompete spielte, ihre Stimme war ihr Instrument.

"Als Kind habe ich eine Platte gehört, 'Wednesday in Blues' hieß sie - und diese Stimme, die da sang, ganz ohne Worte, aber mit sehr viel Gefühl, die wollte ich auch haben: laut und stark."

Sie lebte in ihren Songs. Und ihre Stimmbänder waren so stark und zugleich so verletzlich wie der dünne Draht, auf dem sie ihr ganzes Leben lang balancierte. Billie Holiday. 44 Jahre alt war sie, als sie starb, im Metropolitan Hospital in New York. Leberzirrhose und multiples Organversagen stand auf dem Totenschein - offiziell die Folge ihres langjährigen Drogen- und Alkoholkonsums. Das Ende eines leidensvollen und leidenschaftlichen Lebens.

1915 wird sie geboren als Eleanor Fagan, die Mutter Hausangestellte, der Vater Musiker, beide noch keine 20. Mit elf wird sie das erste Mal vergewaltigt, mit zwölf arbeitet sie als Putzhilfe in einem Bordell. Mit 14 geht sie nach New York, kellnert in Nachtclubs in Harlem, ab und zu singt sie an den Tischen der Gäste. Und kann mit ihrer Stimme bald mehr Geld verdienen als mit Dienstleistungen anderer Art. Sie nennt sich Billie Holiday - wird entdeckt und gefördert.

Mitte der 30er-Jahre ist sie eine gefeierte Jazzsängerin, sie singt in den Bands von Benny Goodman, Count Basie und Artie Shaw und wird vom Publikum geliebt, als Lady Day - wenn sie, mit einer weißen Gardenie im Haar, im Rampenlicht steht und singend ihre Seele bloßlegt. Doch der Ruhm hat Schattenseiten im Amerika der 30er-Jahre: Für eine schwarze Jazzsängerin ist Billie Holiday zu hellhäutig, für eine Weiße aber zu dunkel - und so muss sie bei manchen Auftritten schwarze Farbe auflegen, bei anderen darf sie nur den Hintereingang benutzen. Auf der Bühne lässt sie sich diese rassistischen Demütigungen zwar nicht anmerken, scheint sie gar mit Humor zu nehmen. Doch die Verletzungen hinterlassen Spuren - in ihrer Stimme. Und in ihren Songs. 1939 singt sie das erste Mal "Strange Fruit", eine bitterer Klagegesang über die Lynchmorde an farbigen Amerikanern in den Südstaaten der USA.

"Wir Jazzmusiker versuchen, 100 Tage an einem Tag zu leben. Wir wollen es allen Recht machen und geben alles, zeigen alle Gefühle. Eigentlich viel zu viel für einen einzigen Tag."

Auch sie selbst hat diese Intensität gelebt. Und die Leidenschaft und Sensibilität, die ihren Gesang so einzigartig machten, im wirklichen Leben immer weniger ertragen: mit Alkohol und später auch mit Drogen hat sie sich betäubt und abgeschirmt. Nach dem Tod ihres Vertrauten und Freundes Lester Young, der Saxofonist, der ihr den Namen "Lady Day" gegeben hatte, erlitt sie einen Schwächeanfall, von dem sie sich nicht mehr erholte. Doch ihre Stimme lebt weiter - auf unzähligen Alben, die seit ihrem Tod erschienen sind. Und seit einiger Zeit auch in den Remixversionen junger Clubmusiker, für die Billie Holiday nicht nur Legende ist, sondern die Essenz des Swing.

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