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Konzert / Archiv | Beitrag vom 20.07.2017

Der Dirigent und Komponist Michael Gielen wird 90Ein Herausforderer

Ein Porträt des Künstlers mit zweien seiner Montage-Konzerte, einer eigenen Komposition und im Gespräch

Der Komponist Bernd Alois Zimmermann (1918-1970, l.) unterhält sich mit dem Dirigenten Michael Gielen (picture alliance / dpa / Otto Noecker)
Der Dirigent Michael Gielen wird 90 Jahre alt. (picture alliance / dpa / Otto Noecker)

Bei Michael Gielen war man nie vor Überraschungen sicher; zu den größten für die Hörer zählte sicher, wenn er Meister verschiedener Jahrhunderte miteinander "verschnitt" wie eine gute Wein-Cuvée. Wir können das heute, an seinem 90. Geburtstag, noch einmal nacherleben.

Da wurden in einem Berliner Konzert des Jahres 1988 erst Bach und Strawinsky, dann  Schubert und Webern miteinander "gekreuzt" – mit jeweils sehr erhellenden, das Hören neu schärfenden Ergebnissen. Gielen, der Strukturen zu lesen verstand wie wenige andere – in der Vergangenheitsform muss man leider sprechen, seitdem er sich vor drei Jahren gesundheitlicher Gründe wegen aus dem aktiven Musikbetrieb zurückgezogen hat – hat diesen analytischen Scharfblick selbst nur als Grundlage betrachtet, um dann auch Fragen nach der Sinnerfülltheit der Klänge, ihrer kommunikativen Potenz zu stellen. Da machte es keinen Unterschied, ob es innerhalb seines immensen, bis zur italienischen Oper reichenden Repertoires um Bach, Bruckner, Lachenmann oder Bernd Alois Zimmermann ging, mit dessen "Soldaten"-Uraufführung 1965 in Köln der damals 38-jährige – gegen ein lange widerstrebendes Orchester, skeptische Fachkollegen und ein hyperventilierendes Publikum – seine musikgeschichtlich wohl nachhaltigste Einzelaktion vollbrachte.

In unserer heutigen Würdigung erscheint er außerdem als gewitzt-scharfzüngiger und dabei durchaus auch zur kritischen Selbstreflexion fähiger Gesprächspartner sowie als Komponist eines Werkes mit dem ebenfalls leise schmunzelnden Titel "Pflicht und Neigung". Seine Partner sind dabei die Musiker des SWR-Sinfonieorchesters – jenes Klangkörpers, mit dem er vielleicht die beste Umsetzung seiner Vorstellungen von musikalischer Kommunikation fand und ein enorme Zahl von Aufnahmen hinterließ, die in diesen Monaten nach und nach neu erschlossen werden.


Zum 90. Geburtstag des Dirigenten und Komponisten Michael Gielen

Haus des Rundfunks Berlin

Aufzeichnung vom 03.09.1988


Montage aus:

Johann Sebastian Bach

"Jesu meine Freude", Mottette BWV 227

Igor Strawinsky

"Canticum Sacrum" für Soli, Chor und Orchester


ca. 20.40 Konzertpause

Michael Gielen im Gespräch mit Werner Grünzweig und Christine Anderson

(Wdh. aus dem Jahr 2013)


Montage aus:

Franz Schubert

Deutsche Messe F-Dur für gemischten Chor, Bläser, Pauken und Orgel D 872

Anton Webern

"Entflieht auf leichten Kähnen" für gemischten Chor a cappella op. 2

Fünf Stücke für Orchester op. 10

Kantate Nr. 1 für Sopran, Chor und Orchester op. 29


Susan Roberts, Sopran

Christoph Prégardien, Tenor

Barry Mora, Bariton

RIAS-Kammerchor

Radio-Symphonie-Orchester Berlin

Leitung: Michael Gielen


Konzerthaus Berlin

Aufzeichnung vom 18.03.2001


Michael Gielen

"Pflicht und Neigung" für ein Ensemble aus 22 Musikern


SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg

Leitung: Michael Gielen

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