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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 14.01.2008

Der berühmteste deutsche Orgelbauer

Vor 325 Jahren wurde der Sachse Gottfried Silbermann geboren

Von Stefan Zednik

Innenansicht der Dresdener Frauenkirche während des Weihegottesdienstes (AP)
Innenansicht der Dresdener Frauenkirche während des Weihegottesdienstes (AP)

Selten hat der Streit um ein Musikinstrument die Gemüter derart überhitzt wie jener, der vor einigen Jahren im sächsischen Dresden tobte. Worum es ging? Um den Bau einer Orgel - genauer um die Frage - Rekonstruktion oder Neuentwurf des Instruments für die Dresdner Frauenkirche. Gottfried Silbermann hatte sie ehemals für Dresden gebaut. Im Krieg wurde sie dann vollständig zerstört.

"Das Instrument ist repariert worden. Man kann an bestimmten Maßen der Tasten erkennen, dass es ein Clavichord von ihm ist, denn die Orgelmacher haben immer in ganz typischen Stichmaßen gebaut."

Heidrun Eichler, die Direktorin des Musikinstrumentenmuseum in Markneukirchen ist sich sicher, dass das heute leider nicht mehr spielbare Clavichord aus der Werkstatt Gottfried Silbermanns stammt, dem heute berühmtesten unter den deutschen Orgelbauern.

Die Fertigung von Clavichorden und Hammerklavieren war für Silbermann allerdings nur ein Nebenerwerb. Seine eigentliche Tätigkeit bestand im Bau von Orgeln, deren "silberheller Klang" ihm schon zu Lebzeiten eine bis heute geltende Berühmtheit verschaffte. Silbermann wird am 14. Januar 1683 im Erzgebirge geboren. Wie sein fünf Jahre älterer Bruder Andreas absolviert er zunächst eine Lehre als Tischler. Der Bruder geht nach Straßburg, studiert dort die Orgelbaukunst. Im Alter von 18 Jahren folgt Gottfried ins Elsaß und lernt bei ihm. Doch im Gegensatz zum Bruder kehrt er nach acht Jahren in die Heimat zurück.

"1710 taucht er im Frühjahr in Frauenstein, seiner Vaterstadt auf, nimmt man an, dass in diesen Jahren die Heimreise erfolgt ist, vermutlich über Leipzig, denn Johan Kuhnau, der Vorgänger Johann Sebastian Bachs im Thomaskantorat Leipzig erinnert sich an einen Besuch von Gottfried Silbermann. "

Dietrich Wagler, Organist in Freiberg und Präsident der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft:

"Dann hat er eben durch die Empfehlung von Johann Kuhnau den großen Auftrag im Freiberger Dom erhalten und hat von 1711 bis 1714 zusammen mit drei Mitarbeitern ungefähr dieses große Werk erbaut und das war gleich der Wurf. "

Das Instrument macht ihn schnell berühmt, Anfragen kommen aus Prag, Kopenhagen und sogar Sankt Petersburg. Doch Silbermann lehnt diese Aufträge ab, denn er ist nicht nur ein kluger und kühner Konstrukteur, sondern auch ein Rechner und guter Geschäftsmann. Er schätzt die Vorzüge eines auf das Arbeitsfeld Sachsen beschränkten Raumes. Die territoriale Begrenzung garantiert ihm kalkulierbare Kosten durch überschaubare Rohstoffpreise, berechenbare und persönlich bekannte Vertragspartner und vor allem kurze Reisewege. Bei Streitigkeiten tritt er mit einem ungewöhnlichen, "bürgerlichen" Selbstbewusstsein auf. So lehnt er die Renovierung nicht mehr funktionstüchtiger Orgeln und das damals übliche "Recyceln" noch verwendbarer Bauteile meist ab. Der erst 27-Jährige argumentiert, er könne sich ohne "Schädigung von Ruf und Ansehen" kaum damit befassen. Als es im Jahr 1741 mit dem Rat der Stadt Zittau zu finanziellen Streitigkeiten kommt - man möchte eine freiwillig geleistete Mehrarbeit Silbermanns als Spende verstanden wissen - da argumentiert Silbermann

... weil er aber sähe, dass ihm Schwierigkeiten gemacht werden wollten, solle man ihm nur die Zierrath-Pfeifen und was er im Gehäuse bauen lassen, bezahlen, das übrige wolle er wieder mitnehmen, da es jedem Kaufmann frei stünde, seine Waren zu zeigen ...

Er betrachtet die freiwillig eingebauten Register als seine eigenen und droht, sie aus der bereits fertigen Orgel einfach wieder auszubauen.

Silbermann ist weitsichtig bei der Sicherung seiner orgelbaulichen wie ökonomischen Position. Seine bis zu sieben Gesellen müssen sich vertraglich verpflichten, nach Beendigung ihrer Zeit im sächsischen Raum nicht ohne seine Zustimmung tätig zu werden - was zu einer heftigen juristischen Auseinandersetzung mit dem begabtesten unter ihnen, Zacharias Hildebrandt, führt. Erst spät kommt es zur Versöhnung zwischen Schüler und Meister als er zusammen mit Johann Sebastian Bach Hildebrandts größtes Werk, die Orgel in Naumburg, als bestellter Gutachter abnimmt. Bei Silbermanns letztem Auftrag, der Orgel für die Dresdner Hofkirche, arbeiten Hildebrandt und Silbermann sogar gemeinsam. Den "silberhellen Klang" dieses Werks erlebt er nicht mehr, 70-jährig stirbt Gottfried Silbermann im Jahr 1753 in Dresden.

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