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Fazit | Beitrag vom 10.08.2017

Debatte um neues Konzerthaus in München"München will hartnäckig keine Metropole werden"

Von Tobias Krone

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Stephan Braunfels (imago/Olaf Selchow)
Architekt Stephan Braunfels im Jahr 2016 (imago/Olaf Selchow)

In die Debatte um das geplante Münchner Konzerthaus kommt wieder Bewegung: Die Beschwerde des Architekten Stephan Braunfels gegen das Vergabeverfahren wurde abgelehnt. Von Euphorie dennoch keine Spur: Das Projekt ist ohnehin zum Scheitern verurteilt, sagt Tobias Krone.

Das Gericht hat entschieden, die Jury hat bisher keine Fehler gemacht – und darf nun endlich den Siegerentwurf küren. Der Jubel darüber hält sich in Grenzen. Das mag daran liegen, dass es jetzt noch gar kein Bild gibt von diesem neuen Konzertsaal, das im ästhetischen Bewusstsein der Münchner Begeisterung oder Empörung auslösen könnte.

Das mag aber vor allem mit einer Ahnung zusammenhängen, die da im Raum steht: Wie der Konzertsaal aussieht wird den Münchnern egal sein. Alleine schon wegen seiner städtebaulichen Funktion. Der Freistaat entschied sich für ein ehemaliges Fabrikgelände am Münchner Ostbahnhof, am Rand der Innenstadt. Vor allem aus Gründen zeitlicher Verfügbarkeit, erklärt die Staatsregierung.

Ein Maximalkompromiss

Das sollte dann wohl heißen, die grassierende Raumnot in der bayerischen Landeshauptstadt ließe keine andere Wahl, als eine der letzten innenstadtnahen Brachen zu bebauen. Ein Maximalkompromiss also. Denn abgesehen davon, dass ein Bau, der ausschließlich der Hochkultur gewidmet ist, keine sonderlichen Impulse für urbanes Leben geben dürfte, bedarf die Umgebung aus überschaubarem Bahnhofsmilieu, Kleinbetrieben und Mietskasernen keiner Aufwertung – allenfalls eines rigiden Bestandsschutzes.

Kurz gesagt: Die Gentrifizierung wird auch ohne den Musikpalast Einzug halten. Und sie ist ja auch schon längst da.

Wer kann diesen Verhau noch retten?

Und damit zur zweiten Frage: Wie kann denn ein architektonisch ambitioniertes Gebäude bestehen? Längst haben auf jener Brache private Investoren begonnen, den Ostbahnhof mit futuristisch anmutendem baulichem Ramsch zu umstellen. In Nachbarschaft eines künftigen Solitärbaus von Weltrang wuchern Start-Up-Büroklötze in Playmobiloptik und knalligem Trend-Orange.

Schon länger haben Münchens Architekten vor der Renditeerwartung der Spekulanten kapituliert, was sich den München-Besuchern beschämenderweise gleich bei der Einfahrt mit dem Zug aufdrängt. Anders als die Hamburger Elbphilharmonie, die dem immerhin architektonisch anspruchsvollen Ensemble der Hafen City gewissermaßen die Krone aufsetzt, fragt sich am Münchner Ost-Bahnhof: Welcher Architekt kann diesen Verhau noch retten?

Betongewordene Mutlosigkeit

Schön effizient, schön schnell, schön billig – die künftige Isar-Philharmonie atmet den Kleingeist der Provinz – und sie wird das neue Wahrzeichen einer betongewordenen Mutlosigkeit. Es gäbe ja Raum in München, es gäbe Resonanz, es gäbe sogar Herausforderungen für ein Kulturzentrum mit Strahlkraft. Nur eben nicht am Saum der Innenstadt, sondern – ja – weiter draußen, da, wo die Stadt schnöde in die Fläche wächst.

München will hartnäckig keine Metropole werden. Obwohl sie das längst ist. Unternehmen siedeln sich seit Jahrzehnten vor allem im Umland an, die Neumünchner sowieso. Wie gut hätte etwa dem Münchner Norden ein Konzertsaal getan, so wie es ein früherer Vorschlag vorsah, dort wo bis heute Olympiapark und BMW-Turm das Ende der Zivilisation markieren?

Stattdessen trägt der neue Musiktempel am Ostbahnhof dazu bei, dass ein Stadtzentrum weiter explodiert. Im kleinen, großen München.

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