Seit 00:05 Uhr Klangkunst
 

Freitag, 19.01.2018

Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.12.2016

Carmen Maja-Antoni über Gisela May"Ich habe immer ihre Haltung bewundert"

Moderation: Britta Bürger

Podcast abonnieren
Gisela May, Schauspielerin und berühmte Brechtinterpretin zu Gast im Studentenkeller "Zur Rosen" in Jena (dpa / picture alliance / Universität Jena )
Gisela May, Schauspielerin und berühmte Brechtinterpretin zu Gast im Studentenkeller "Zur Rosen" in Jena (dpa / picture alliance / Universität Jena )

Beim Singen auch die Geschichte eines Liedes zu erzählen - diese Lektion habe sie von Gisela May gelernt, so die Schauspielerin Carmen Maja-Antoni. May sei eine große Frauenfigur des Berliner Ensembles gewesen: "Und eine Haltung hatte sie immer".

Die Schauspielerin Carmen-Maja Antoni hat die verstorbene Gisela May als einzigartige Künstlerpersönlichkeit und Brecht-Interpretin gewürdigt:

"Nach wie vor sage ich: Das war die größte aller Zeiten. Wie vielseitig und welche Palette und wie viele Lieder sie gesungen hat. Und wie großartig sie mit den verschiedensten Leuten gearbeitet hat, die für Brecht Musik gemacht haben."

Sie habe das Gefühl, dass mit dem Tod Mays auch ein Stück der Brecht-Geschichte und dem "großen Haus Berliner Ensemble" davonfliege, sagt Antoni. Sie hat dort nach May ebenfalls die Rolle der "Mutter Courage" gespielt:

"Nach der Weigel kam dann die May. Und ich fühle mich deswegen auch geehrt, dass ich die 'Courage' von ihr fortsetzen durfte. Natürlich in einer ganz anderen Zeit, einer anderen Regie und in einem anderen Zeitalter. Ich würde sie sehen als eine große, große epigone Figur der Frauen am Berliner Ensemble."

Die Schauspielerin Carmen-Maja Antoni, aufgenommen am Rande der MDR Talkshow "Riverboat" am 22.02.2013 in Leipzig. Foto: Tom Schulze (dpa / picture alliance / Tom Schulze)Die Schauspielerin und Sängerin Carmen-Maja Antoni (dpa / picture alliance / Tom Schulze)

"Man muss auch die Geschichte eines Liedes erzählen"

Von Gisela May habe sie die Interpretation von Brecht-Liedern gelernt, erzählt Antoni rückblickend. Sie habe ihr auch viele gute Tipps gegeben. Oft ganz praktischer Art, etwa in Bezug auf Pausen, Betonungen und Atemtechnik. Es gab eine weitere wichtige Lektion: Beim Singen auch die Geschichte eines Liedes zu erzählen.

"Weil wir nicht Sängerinnen sind. Sondern wir sind Schauspieler. Das Interpretieren eines Liedes, den Ausdruck, wie viel Persönlichkeit zu einem Lied gehört, eine Haltung zu einem Lied – das hat sie hervorragend erklären können. Und wenn man Brecht-Schauspielerin ist, dann ist man sowieso – ob in der DDR oder später – um ein politisches Denken nicht herum gekommen. Und eine Haltung hatte sie immer. Und ich habe an ihr nicht irgendwelches politisches Gehabe bewundert, sondern ihre Haltung."

Mehr zum Thema

Nachruf auf Gisela May - Von Mutter Courage zu "Muddi"
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 02.12.2016)

Berlin - Sängerin Gisela May ist gestorben
(Deutschlandradio Kultur, Aktuell, 02.12.2016)

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Fazit

Mode und Design für blinde MenschenKleidung, die man hören kann
Reiner Delgado (picture alliance/dpa/Foto: Bernd von Jutrczenka)

Das Projekt "Beyond Seeing" befasst sich mit der Frage, wie Kleidung jenseits des Sehsinns wahrgenommen werden kann. Die Ergebnisse werden in einer Ausstellung im WIP Villette in Paris anlässlich der Fashion Week präsentiert. Valentin Mogg, Absolvent der Mode-Hochschule Esmod, war daran beteiligt.Mehr

Aus den FeuilletonsWas Marx als Faselei brandmarkte
Der deutsche Philosoph, Schriftsteller und Politiker Karl Marx in einer Aquatinta-Radierung von Werner Ruhner "Karl Marx in seinem Arbeitszimmer in London". Marx verfasste 1848 zusammen mit Friedrich Engels das "Kommunistische Manifest". Er ist der Begründer des modernen dialektisch-materialistischen Sozialismus, des Marxismus, aus dem heraus sich die Sozialdemokratie und der Kommunismus entwickelt haben. Marx wurde am 5. Main 1818 in Trier geboren und starb am 14. März 1883 in London. (picture alliance / dpa)

Der Niedergang des Wortes "alternativ" beschäftigt die Feuilletons: Warum nur ist das harmlose kleine Wort schon wieder Bestandteil eine "Unwortes des Jahres" geworden? Ebenso werfen die Zeitungen einen Blick auf Karl Marx' Formulierkunst und sein Verhältnis zu den Sozialdemokraten. Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur