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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 10.01.2017

Bühnenbildnerin Anna Viebrock"Die Spuren der Zeit finden"

Anna Viebrock im Gespräch mit Britta Bürger

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Anna Viebrock (Foto: Lisa Rastl)
Anna Viebrock (Foto: Lisa Rastl)

Niemand hat so häufig den Preis für das Bühnenbild des Jahres bekommen wie Anna Viebrock. Die Bühnen- und Kostümbildnerin zeichnet sich durch einen hyperrealistischen Stil mit surrealen Elementen aus.

Ihre Räume wirken echt und unperfekt wie die Wirklichkeit. Berühmt geworden ist die Bühnenbildnerin Anna Viebrock durch ihre Arbeit mit Christoph Marthaler, gemeinsame Inszenierungen sind derzeit in Hamburg und Berlin zu sehen.

Auf ihre Arbeitsweise könne man das Thema des Flaneurs anwenden, sagte Viebrock im Deutschlandradio Kultur. Sie finde und entdecke Dinge, auch ohne dass sie sie suche.

"Mir kommt es gar nicht so darauf an, dass es immer schäbig ist, sondern dass es alt ist. Ich suche die Geschichte. Mir geht es darum, die Spuren der Zeit zu finden, oft gibt es ja viele Schichten. Was es alles immer noch zu finden gibt zwischen den Wänden, wenn man die Tapeten ablöst und wieviele Zeitspuren man dann entdecken kann."

Das Bühnenbild von Anna Viebrock in Ödoen von Horvaths "Zur schönen Aussicht" aufgenommen am Samstag, 24. Juli 1999, während einer Hauptprobe der Salzburger Festspiele im Salzburger Landestheater. (AP)Das Bühnenbild von Anna Viebrock in Ödoen von Horvaths "Zur schönen Aussicht" aufgenommen am Samstag, 24. Juli 1999, während einer Hauptprobe der Salzburger Festspiele im Salzburger Landestheater. (AP)

Sie sei in einem kunstaffinen Elternhaus aufgewachsen, erzählte Anna Viebrock. Da ihre Mutter aus Österreich und Ungarn und ihr Vater aus Norddeutschland kommen, habe sie das "Dazwischen-sein" sehr beschäftigt. Während der Schulzeit habe sie am liebsten gelesen. Ihren Großvater, der in Budapest lebte, habe sie in ihrer Kindheit nie gesehen:

"Viel später ist mir aufgegangen, dass meine Begeisterung, als ich nach Berlin kam, doch auch mit einem persönlichen Problem zu tun gehabt hatte. Damit, dass man nie in den Osten durfte. Dass man den Kontakt, den man von der Familie her eigentlich gehabt hätte, nie ausleben konnte."

Über ihre Zeit in Berlin zu Beginn der 1990er-Jahre sagte Viebrock:

"Das war für mich unglaublich aufregend, weil ich eigentlich nie in Ost-Berlin war bis dahin und überhaupt im ganzen Osten. Ich hätte nie gedacht, dass ich das je zu sehen bekomme. Und da habe ich das alles total gierig aufgesogen."

Professorin in Wien

Zwischen ihren Theaterproduktionen ist sie Professorin für Bühnengestaltung an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Diese zusätzlich Aufgabe habe sie angenommen, weil ihre Mutter und ein Teil ihrer Familie aus Wien komme und es in Wien auch "noch wunderbare Bedingungen" gebe:

"Wir haben irrsinnig schöne Räume im Semper-Depot."

Es sei ihr Ziel, den Studenten einerseits das Handwerk beizubringen und andererseits mit ihren Studenten Experimente rund ums Theater zu machen:

"Wenn man junge Leute fördern kann und merkt, dass man es richtig gemacht hat, dass man sie aufgenommen hat, dann macht das schon großen Spaß."

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