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Freitag, 24.11.2017

Tonart | Beitrag vom 06.07.2016

Buch über Blues in Deutschland "Ich hatte mich in die Musik verliebt"

Michael Rauhut im Gespräch mit Mathias Mauersberger

Der Musikwissenschaftler Michael Rauhut im Studio von Deutschlandradio Kultur. (Deutschlandradio - Andreas Buron)
Der Musikwissenschaftler Michael Rauhut im Studio von Deutschlandradio Kultur. (Deutschlandradio - Andreas Buron)

Der Autor Michael Rauhut sieht im Blues ein Gegenstück zur Moderne. Aus Liebe zu der Musik hat er das Buch "Ein Klang - zwei Welten" über die Geschichte des Blues im geteilten Deutschland geschrieben.

Der Blues traf in Deutschland auf zwei völlig unterschiedliche Systeme: Die Bundesrepublik, ein kapitalistischer Staat mit Plattenindustrie, Rundfunkwesen, mehr Freiräumen. Auf der anderen Seite die DDR, ein zentralistischer Staat, der Popularmusik stark reglementierte. Das Buch "Ein Klang zwei Welten" zeigt, wie sich diese unterschiedlichen Systeme auf die Entwicklung des Blues und auf die Szene ausgewirkt haben.

Unterschiedliche Bedeutung des Blues  

"Das hat sich natürlich praktisch ausgewirkt, aber auch inhaltlich", sagte der Buchautor und Musikwissenschaftler Michael Rauhut im Deutschlandradio Kultur. "Der Blues wurde durch die unterschiedlichen Systeme und unterschiedlichen Rahmenbedingungen unterschiedlich mit Bedeutung aufgeladen." In der DDR habe sich rund um den Blues eine massive Jugendkultur und die Szene sei sehr politisch gewesen. In der Bundesrepublik habe es eher die Sammler und Jäger gegeben, die sich mit der Auslegung der Musik befassten.

Über das Westradio in die DDR

In die DDR sei der Blues vor allem über die Westmedien gekommen. Es sei zwar schwer gewesen, eine Blues-Platte im Laden zu ergattern, aber im Radio lief der Blues. Es habe auch eine ausgeprägte Mund-zu-Mund-Propaganda gegeben. "Der Blues war auf jeden Fall im Alltag der DDR verankert."  Im Osten sei außerdem der Blues-Rock stärker angesagt gewesen.

Die Faszination der Events

In der DDR seien viele Fans weniger von der Musik als von dem Event-Charakter fasziniert gewesen, sagte Rauhut. "Das man mal für ein paar Stunden aus dem Alltag der DDR aussteigt." Wenn die gleichen Leute im Westen gelebt hätten, wären sie vielleicht nicht zu den Blues-Konzerten gegangen. "Ich schon", sagte der in der DDR geborene Musikwissenschaftler. "Wenn ich im Westen groß geworden wäre, ich wäre auch im Westen Blues-Fan gewesen, denn ich hatte mich in die Musik verliebt."       

Michael Rauhut, Ein Klang – zwei Welten. Blues im geteilten Deutschland, 1945 bis 1990, transcript-Verlag, 26,99 Euro  

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