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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 13.10.2017

Bildungsstudie "Wir brauchen eine Schuloffensive in Deutschland"

Moderation: Anke Schaefer

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Unterricht in einer 4. Klasse der Potsdamer Grundschule "Am Pappelhain". (dpa / Patrick Pleul)
Vielen Grundschülern fehlen grundlegende Kenntnisse in Mathe und Deutsch (dpa / Patrick Pleul)

Angesichts der ernüchternden Ergebnisse einer neuen Bildungsstudie hat der Publizist Sergey Lagodinsky mehr Investitionen in die Schulen gefordert. Wenn Schüler und Schülerinnen nicht mehr Rechnen und Lesen könnten, gebe es ein Problem.

Deutschlands Viertklässler haben sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre im Schnitt in Mathematik, beim Zuhören und in Rechtschreibung verschlechtert. Die Lesekompetenz ist dagegen auf ähnlichem Niveau geblieben wie 2011. Das geht aus der Studie IQB-Bildungstrends hervor, die die Kultusministerkonferenz (KMK)  in Berlin vorstellte. Für die Studie wurden 30.000 Viertklässler aus allen 16 Bundesländern getestet. Dabei zeigte sich, dass es beispielsweise bei der Rechtschreibung bundesweit große Probleme gibt. 22 Prozent der Schüler und Schülerinnen lagen laut Studie unter den Mindeststandards und nur knapp die Hälfte erreichten überhaupt den Regelstandard. Auch bei Mathe liegen 15 Prozent der Kinder unter dem Mindeststandard. Nach diesen Ergebnissen haben sich vor allem Baden-Württemberg und Bremen verschlechtert.

Der Rechtsanwalt und Publizist Sergey Lagodinsky (Deutschlandradio / Mirjam Wlodawer)Der Rechtsanwalt und Publizist Sergey Lagodinsky hat selbst in verschiedenen Schulsystemen Erfahrungen gesammelt und plädiert für mehr Investitionen in die Bildung. (Deutschlandradio / Mirjam Wlodawer)

Frage des Schulsystems

"Das ist unsere Zukunft", sagte unser Studiogast, der Publizist Sergey Lagodinsky, zu den Ergebnissen der Untersuchen. "Wenn die Zukunft nicht schreiben und nicht rechnen kann, dann haben wir alle ein Problem." Er selbst sei in der Sowjetunion in einem ganz anderen Schulsystem groß geworden und musste nach seiner Übersiedlung nach Deutschland nur noch sein Abitur machen. "Ich kenne halt ein eher autoritär ausgerichtetes, sowjetisches System, wo es um Exzellenz ging in erster Linie und nicht so sehr um persönliche Entfaltung im Sinne der Kreativität zum Beispiel." Diese Schulform sei zum Teil eine Belastung gewesen, aber er könne nicht sagen, dass er nicht für einiges auch dankbar gewesen sei, denn die Schule habe ihn diszipliniert. Allerdings sei er sich nicht sicher, ob das eine Alternative wäre.

Mehr Investitionen in Schulen nötig

Wichtiger sei es vermutlich, mehr Ressourcen zur Verfügung zu stellen. "Wir müssen einfach da mehr investieren", sagte Lagodinsky. "Wir brauchen eine Schuloffensive offensichtlich in Deutschland, um das nicht mit mehr autoritären Mitteln, sondern mit mehr Angeboten auch für Schüler und für ihre Eltern zu kontern."  

Wissen ist nicht alles

Lagodinsky berichtete auch von Erfahrungen nach seinem deutschen Abitur und einem Jahr in den USA. "Mein Kopf wurde geöffnet durch ein darauffolgendes Jahr in den USA auf einer guten Schule muss man dazu sagen, auf einer reichen Schule in den USA, wo  ich gelernt habe, dass Wissen noch nicht alles ist." Es sei auch wichtig, Zusammenhänge zu schaffen und seine Kreativität zu entfalten.   

Sergey Lagodinsky ist Rechtswissenschaftler und Publizist. Er leitet das Referat Europäische Union / Nordamerika der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung.  

die ganze Sendung hören Sie hier:

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