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Sonntag, 17.12.2017

Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 13.06.2017

Baustelle LandschaftsverbrauchDeutschland wird das 30-Hektar-Ziel verfehlen

Von Manuel Waltz

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Blick aus einem Heissluftballon auf Getreidefelder bei Limburg, zwischen denen ein Traktor fährt, aufgenommen am 22.07.2008. (picture-alliance / dpa / Thomas Muncke)
Bis 2020 will Deutschland den Flächenverbrauch auf maximal 30 Hektar pro Tag verringern (picture-alliance / dpa / Thomas Muncke)

Bis 2020 will Deutschland den Flächenverbrauch auf maximal 30 Hektar pro Tag verringern, so das Ziel der Bundesregierung. Derzeit liegt er bei 69 Hektar, also weit entfernt davon. Jetzt will das Bundesumweltministerium gegensteuern.

Jeden Tag werden in Deutschland 69 Hektar Fläche verbaut. Das entspricht etwa 104 Fußballfeldern - und liegt weit über den 30 Hektar, die sich die Bundesregierung als maximalen täglichen Flächenverbrauch bis 2020 als Ziel gesetzt hat.

Doch mit dem Flächen-Einsparen tut sich Deutschland schwer. Zu stark ist der Druck durch Energiegewinnung, Mobilität, Wohnraum, Nahrungsmittel, Gewerbe und Industrie. Und zu viele Fehlanreize werden gesetzt, kritisiert beispielsweise Thomas Preuss vom Deutschen Institut für Urbanistik: etwa wenn die Pendlerpauschale diejenigen belohnt, die aufs Land oder an den Stadtrand ziehen, wo das Bauland günstiger ist.

Symbolbild: Mittelschicht (image)Nach wie vor begünstigt das Steuersystem das Eigenheim am Stadtrand, kritisiert Peter Fritsch (DIFU). (image)

Bauland handeln wie Emissionen

Längst ist klar, dass das 30-Hektar-Ziel verfehlt werden wird. Um Länder und Kommunen immerhin zu einem sparsameren Flächenverbrauch zu zwingen, erwägt das Bundesumweltministerium jetzt die Einführung von handelbaren Flächenzertifikaten. Dabei bekäme jede Stadt und Gemeinde eine bestimmte Menge Zertifikate für Bauland zugeteilt. Nicht genutzte Zertifikate könnte die Kommune an Städte oder Gemeinden mit größerem Baulandbedarf verkaufen.

"Wir haben verstanden, dass beim Flächenverbrauch der Gesellschaft ein bundesweiter Ansatz mit solchen Vorgaben gut tut", sagt Peter Fritsch vom Bundesumweltministerium.

Seitens der Länder und Kommunen ist man allerdings skeptisch, ob ein solcher Flächenhandel wirkungsvoll oder auch nur mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Schließlich garantiert die Verfassung kommunale Selbstverwaltung und damit Planungshoheit der Gemeinden.

Kritik: Flächenhandel führt nicht zu weniger Flächenverbrauch

Auch Jutta Kill von der Nichtregierungsorganisation "Fern" hält wenig vom Flächenhandel. Solche Marktinstrumente führten eher zu neuen Anlagemöglichkeiten für Investoren als zu weniger Flächenverbrauch, kritisiert sie. "Selbst wenn ich als Gemeinde nicht vorhatte, die mir zugeschriebene maximale Fläche zu verbauen oder zu verbrauchen, werde ich sie jetzt nicht der Natur überlassen, wie sie war, sondern ich werde mein Recht zu Geld machen."

Das Manuskript zur Sendung "Baustelle Landschaftsverbrauch. Deutschland wird das 30-Hektar-Ziel verfehlen" von Manuel Waltz zum Nachlesen als pdf oder im barrierefreien txt-Format.

(uko)

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