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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 14.04.2017

Aus den FeuilletonsTrumps Wahl - eine Tragödie für die USA?

Von Adelheid Wedel

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US-Schriftsteller Tom Wolfe am 10. Dezember 2013 in Barcelona (picture alliance / dpa / Marta Perez)
US-Schriftsteller Tom Wolfe am 10. Dezember 2013 in Barcelona (picture alliance / dpa / Marta Perez)

Gelassenheit und Alarmismus - zwischen diesen beiden Polen schwankt laut "Spiegel" die Haltung des kulturellen Establishments der USA zu Donald Trump. Tom Wolfe etwa bleibt unpolitisch: Politisch werde er erst, wenn die Hunnen zwei Blocks entfernt stünden.

"Das kulturelle Establishment der USA schwankt zwischen Gelassenheit und Alarmismus", schreibt Lothar Gorris in einem exzellent recherchierten Artikel im SPIEGEL. An der Haltung dreier namhafter Schriftsteller – Tom Wolfe, John Grisham und Timothy Snyder – lotet er differenziert Meinungen an der amerikanischen Ostküste aus, denn "es gibt Stimmen unter Amerikas Intellektuellen, die ernsthaft vor einer Autokratie oder dem beginnenden Faschismus warnen."

Was ist zu tun, so die aktuelle Frage: Widerstand üben oder Gelassenheit pflegen? Der 86-jährige Tom Wolfe sei "ein Meister der Gelassenheit und des Spotts", meint Gorris. "Ich bin", sagt Wolfe, "nicht politisch. War ich nie. Politisch werde ich erst, wenn die Hunnen zwei Blocks entfernt stehen."

John Grisham bestätigt, wie erstaunt weite Teile der Bevölkerung über den Ausgang der Präsidentenwahl in den USA waren: "Niemand von uns hat das vorausgesehen. Wir dachten, wir leben hier, wir dachten, wir wissen, was hier los ist." Er sagt, "dass eine Demokratie korrupt sei, in der die Hälfte der Bevölkerung nicht wählt und die andere Hälfte sich nur für Politiker entscheiden kann, deren Wahlkämpfe von Interessengruppen und Konzernen in unbeschränkter Höhe unterstützt werden und die deswegen nicht denen verpflichtet sind, die sie gewählt haben, sondern jenen, die sie finanzieren." 

"Der Sturm wird Schaden anrichten"

"Beängstigende Zeiten", nennt Grisham die Gegenwart und sagt: "Die Wahl Trumps ist eine Tragödie. Der Sturm wird Schaden anrichten, aber er wird dieses Land nicht verwüsten."

Kritischer sieht das Timothy Snyder. Der Professor für Osteuropäische Geschichte in Yale hat kürzlich sein neues Buch vorgestellt, das – so meint Gorris – "wagt, was ein Professor normalerweise nicht tut. Es ist das Pamphlet eines politischen Aktivisten". Sein Titel: "Über Tyrannei. Zwanzig Lektionen für den Widerstand" beginnt mit dem Satz: "Geschichte wiederholt sich nicht, aber wir können aus ihr lernen." Die letzte Lektion lautet: "Sei so mutig wie möglich. Wenn niemand von uns bereit ist, für die Freiheit zu sterben, dann werden wir alle unter der Tyrannei umkommen. Ich bin linker und radikaler als die meisten Amerikaner", gibt Snyder zu Protokoll und: "Für mich ist dieses Land eine Demokratie mit oligarchischen Zügen auf dem Weg in eine Oligarchie mit demokratischen Zügen."

Nein-Sager werden wie Terroristen behandelt 

"Alle Kräfte werden in der Türkei mobilisiert, damit das Referendum am Sonntag mit Ja ausgeht", berichtet Bülent Mumay in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG. "Die Atmosphäre ist geprägt von Repressionen." Mumay gibt in seinem Artikel dafür zahlreiche Beispiele. So "behandelt die Polizei Verteiler von "Nein"-Flyern geradezu wie Terroristen und folgt damit der Haltung Erdogans. Bekanntermaßen beschuldigt der Staatspräsident alle, die beim Volksentscheid mit "Nein" stimmen wollen, gemeinsame Sache mit Terroristen zu machen." Laut Mumays Einschätzung "bleibt die Türkei, egal ob es am Ende nun Ja oder Nein heißen wird, noch lange ein Land zweier Geschwister, die einander nicht lieben."

Am Osterwochenende kommen natürlich die Feuilletons nicht ohne Anmerkungen zu diesem Fest aus. Die FAZ druckt einen Essay von Asfa-Wossen Asserate unter dem Titel "Auferstehung". Er erinnert "sich an ein ganz besonderes Osterfest in der Heiligen Stadt Lalibela – und welche Rolle Mozart dabei gespielt hat" und berichtet: "Nirgends gelten so strenge Fastenregeln wie in der äthiopischen Kirche".

Im TAGESSPIEGEL erfahren wir, wie dem Schriftsteller Peter Wawerzinek zwischen "Kinderheim, Kuckucksglaube und anderen Katastrophen" der Osterglaube verloren ging. Elke Schmitter schreibt in ihrer SPIEGEL-Kolumne über das Osterfest: "Welch Übersicht und Freude! Sicher, auch eine Vermählung christlicher und heidnischer Traditionen, genealogisch also ein Hybrid, und in der figürlichen Besetzung (Jesus, Osterhase, Lamm, Hahn) verwirrend. Im Ablauf aber ein Familienfest, das eher an ein Picknick im Freundeskreis erinnert." Und nicht zu vergessen: "Unter freiem Himmel ist das Leben schöner und der Mensch in aller Regel friedlicher."

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