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Mittwoch, 13.12.2017

Fazit | Beitrag vom 02.11.2017

Aus den FeuilletonsRoboter als Bürger und ein Kniefall vor China

Von Klaus Pokatzky

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Ein weibliches Androidengesicht, mit Kabeln, die aus dem Hinterkopf kommen. (imago / Science Photo Library)
Ein weibliches Androidengesicht, mit Kabeln, die aus dem Hinterkopf kommen. (imago / Science Photo Library)

In Saudi-Arabien bekommt ein Roboter Bürgerrechte, während ein deutscher Verlag vor der chinesischen Regierung einknickt. Derweil fordert ein Feuilletonist, Tierrechte in der Jamaika-Agenda ganz nach oben zu stellen.

"Sophia ist kein Mensch, sondern ein Roboter." Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG macht uns mit einer Berühmtheit in digitalen Tagen bekannt, die ein amerikanischer Robotik-Experte geschaffen hat. "Sophia", schreibt Adrian Lobe, "erzählte in einer britischen Talkshow von ihren vermeintlichen romantischen Vorlieben". Das blieb nicht ohne Folgen. "Das Königreich Saudi-Arabien hat der Roboterfrau die Staatsbürgerschaft verliehen und sie als erste Maschine weltweit mit Rechten und Pflichten ausgestattet." Davon können die normalen nichtroboterhaften Frauen in Saudi-Arabien nur träumen. Reisen, Heiraten, Arbeiten dürfen sie nur mit männlicher Genehmigung. Vielleicht übernehmen diese Kontrolle ja demnächst männliche Roboter.

China schottet sich immer weiter ab

"Der deutsche Wissenschaftsverlag Springer Nature zensiert auf Verlangen der chinesischen Regierung sein Internetangebot für China", teilt uns die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG mit. "Verschwunden sind unter anderem Veröffentlichungen zu den für Peking heiklen Themen Tibet, Taiwan, Kulturrevolution oder das Tiananmen-Massaker", zählt Kai Strittmatter auf – und zitiert den amerikanischen Wirtschaftsprofessor Christopher Balding, der seit neun Jahren in China lebt: "In den letzten fünf Jahren unter Xi Jinping hat sich China Stück für Stück weiter abgeschottet."

Gleichzeitig aber hat der chinesische Staatspräsident und Generalsekretär der Kommunistischen Partei Xi Jinping, große Pläne, was Chinas Wirkung in der Welt angeht. "Schließlich muss und darf der Wohlstand, dessen Vermehrung und Sicherung die wichtigste Legitimitätsressource der Partei ist, durch Expansion über die eigenen Grenzen hinaus zum Leitwert nationaler Politik gemacht werden", stellt der Historiker Jürgen Osterhammel in der SÜDDEUTSCHEN fest. "Dazu gehören die Rohstoffsicherung in Energieversorgung, Bergbau und Landwirtschaft, die Investition riesiger Mittel in Infrastrukturprojekte auf dem Staatsgebiet unabhängiger Länder – vor allem das Projekt einer ‚Neuen Seidenstraße‘ samt maritimer Erweiterung bis hin zum Hafen von Piräus – sowie das Vordringen in Industrie und Finanzwelt kapitalistischer Gesellschaften."

Macron treibt die Menschen in die Arme des FN

Was hat da unsere europäische Politik zu bieten? "In Frankreich und Deutschland ist zurzeit ein paradoxes Phänomen zu beobachten", findet die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG. "In Frankreich steht Madame Merkel nach wie vor hoch im Kurs: Rechts lobt man ihren wirtschaftlichen Erfolg, links ihre Flüchtlingspolitik. Und in Deutschland wird Emmanuel Macron als grosser Hoffnungsträger gefeiert", meint Christophe Büchi. Doch wo die Verehrung ist, ist auch die Kritik nicht weit – etwa bei den französischen Intellektuellen. "Während sich einige Meinungsmacher wie Alain Minc und Daniel Cohn-Bendit schon früh zum Newcomer der französischen Politik bekehrten, hört man sonst viel Böses." Etwa vom Schriftsteller Edouard Louis, der in der NEUEN ZÜRCHER so zitiert wird: "Macron verkörpert genau die technokratische Bourgeoisie, extrem verächtlich, elitär. Leute wie er bringen die Menschen dazu, sich dem Front national, den Rechtsextremen anzuschliessen."

Stehvermögen für Tierrechte gefordert

Und was macht Jamaika? "Die Massentierhaltung gehört verboten", verlangt die FRANKFURTER ALLGEMEINE. "Der Tierschutz ist seit 15 Jahren auch verfassungsrechtlich eine Verpflichtung für alle, die in Bund, Ländern und Kommunen politisch Verantwortung tragen. Und dennoch gibt es bis heute keine Verordnung, die verbindlich regelt, wie Milchkühe und Puten zu halten sind", schreibt Christian Geyer – und verlangt lutherisch-grünes Stehvermögen bei den Regierungsverhandlungen: "Es braucht ein grünes ‚Hier stehe ich und kann nicht anders‘, wenn es im Gespräch mit der lobbyistisch hochgerüsteten CSU um Masse, Macht und Tier geht."

Mehr zum Thema

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