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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 23.02.2015

Aus den FeuilletonsHaruki Murakami über Liebe, Sex und Katzen

Von Hans von Trotha

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Neue Website mit Fragemöglichkeit an den Schriftsteller Haruki Murakami  (afp / Kazuhiro Nogi )
Neue Website mit Fragemöglichkeit an den Schriftsteller Haruki Murakami (afp / Kazuhiro Nogi )

Seit Jahresanfang ist es möglich, den Schriftsteller Haruki Murakami auf einer Webseite zu fragen, was sie ihn immer schon mal so fragen wollten. Dabei geht es um Sexpraktiken - und auch um Tiere. In Japan fragen ihn derzeit offenbar ganz viele, weiß die "Berliner Zeitung".

"Oscar-Galas können sich hinziehen", schreibt Anke Westphal in der BERLINER ZEITUNG. Das gilt auch für die Berichterstattung von dieser "Nichtigkeitsveranstaltung, bei der gewissermaßen eine Handvoll Millionäre Goldstatuetten unter sich verteilt" - so nennt es Barbara Schweizerhof in der TAZ. "Wenn Männer weinen, muss Oscar-Nacht sein", stellt sie fest, und kommt dann rasch zum Punkt: Hier geht´s gar nicht um Film, hier geht´s um Politik:

Bekenntnisse der Dankesreden

"Nur Cinephile können alle acht Filme aufzählen, die in der Hauptkategorie 'Best Picture' nominiert waren. Dass im Ganzen 'zu wenig Schwarze' nominiert wurden, ist dagegen Allgemeinwissen",

schreibt Schweizerhof, und:

"Die große amerikanische Unterhaltungskunst versagte darin, das zu tun, was sie so groß macht, nämlich seriöse Anliegen entweder durch Pathos zu verwässern oder durch gefälligen Humor ihres Gewichts zu berauben: Und plötzlich bekamen die politischen Bekenntnisse der Dankesreden jene Resonanz, die von diesem, dem 87. Oscar-Abend, am meisten im Gedächtnis bleibt."

Anke Westphal meint dagegen:

"Jetzt heißt es wieder, diese 87. Oscar-Verleihung sei immens politisch gewesen. Und doch ergibt sich ein seltsamer Eindruck, wenn so viele Stars, die sich gerade erst bei Ernährungsberatern, Hautärzten, plastischen Chirurgen, Fitnesstrainern und Stylisten die Klinken in die Hand gaben, plötzlich auch eine Art politische Versammlung abhalten, während sie gleichzeitig an ihrem Marktwert arbeiten."

Wie nah sich Film und Politik kommen können, zeigt die TAZ, indem sie Reaktionen des offiziellen Iran auf den Erfolg von Jafar Panahis "Taxi" auf der Berlinale dokumentiert. Ein fürs Kino zuständiger Mitarbeiter des Ministeriums für Kultur und Islamische Führung wird unter anderem mit den an Dieter Kosslick gerichteten Satz zitiert:

"Es ist höchst bedauerlich, dass Sie einen Filmemacher, der aufgrund bestehender Gesetze in seinem Land zurzeit keine Filme produzieren darf (obwohl er es doch tut), instrumentalisieren, um alle in ein Taxi mitzunehmen, das mit neuen Missdeutungen über Iran vollgepackt ist."

Forum des Politischen

Die WELT nimmt gar nicht erst den Umweg über den Film und macht ihr Feuilleton gleich zum Forum des Politischen, indem sie Wolfgang Büscher den Historiker Karl Schlögel zu Europa und Russland interviewen lässt. Schlögel sagt da über Putin:

"Wir glauben ja, dass alle Dinge abgewickelt werden im Modus der Sprache, des herrschafts-freien Diskurses, der Argumente. Er aber hat einfach den Tisch umgeworfen. Und dieses Den-Tisch-Umwerfen, an dem man saß, auch die alte Ost-West-Diplomatie, bedeutet eine so tiefe Herausforderung unserer Welt, unserer mentalen und lebensweltlichen Verfasstheit - das ist wirklich das Ende der Nachkriegszeit. Sich das einzugestehen, ist die Selbstvergewisserung, vor der Europa jetzt steht."

Viel mehr beschäftigt Europa seit Tagen aber eine ganz andere Frage, die Johan Schloemann in der SÜDDEUTSCHEN endlich mal ausdrücklich stellt, nämlich:

"Wie kommt es eigentlich, dass mitten im digitalen Dauerfeuer die ganze Welt auf Briefe aus Griechenland wartet?"

So richtig beantwortet bekommt Schloemann die Frage übrigens nicht. Aber manchmal reicht es ja schon aus, eine Frage mal formuliert zu haben.

Frag Murakami 

In Japan machen das derzeit offenbar ganz viele, wie die BERLINER ZEITUNG weiß. Man kann nämlich seit Jahresanfang auf einer Website den Schriftsteller Haruki Murakami fragen, was man ihn immer schon mal so fragen wollte.

Da geht es natürlich um Sexpraktiken und so, aber wir erfahren auch,

"dass eine 22-Jährige dem 66 Jahre alten Murakami schrieb, sie habe sich noch nie in ihrem Leben verliebt. Der Autor antwortete ihr, dieses Gefühl ähnele dem einer Katze, die in eine laufende Waschmaschine gefallen sei. 'Wenn Sie denken, dass Sie das nicht möchten oder, dass das eine Plage sein könnte, dann nähern Sie sich bitte keiner Waschmaschine.'"

Für den Fall dass es sich hier nicht um die Panne eines Online-Übersetzungs-Programms handelt, also sollte Murakami wirklich so abgefahrene Antworten geben, muss sich unbedingt jemand die Mühe machen, die Frage nach den Briefen aus Griechenland ins Japanische zu bringen. Murakami wird schon was einfallen. Er ist auch schon gefragt worden, "ob er je eine Katze hat sein wollen". Nein, hat er geantwortet, "aber der Wind."

Der japanische Schriftsteller Haruki Murakami in Barcelona, anlässlich der Verleihung des 23. Catalunya International Awards, aufgenommen am 8.6.2011. (picture alliance / dpa )Der japanische Schriftsteller Haruki Murakami (picture alliance / dpa )

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