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Kulturpresseschau | Beitrag vom 29.05.2018

Aus den FeuilletonsEine saudi-arabische Dichterin klagt an

Von Adelheid Wedel

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Hissa Hilal 2010 im Finale von der TV-Show "Million's Poet" (picture alliance / dpa / EPA / Ali Haider)
Die saudi-arabische Dichterin Hissa Hilal, aufgenommen 2010 im Finale von der TV-Show "Million's Poet" (picture alliance / dpa / EPA / Ali Haider)

Einblicke in die saudi-arabische Gesellschaft gibt das Filmporträt "The Poetess" über Hissa Hilal, schreibt die "FAZ". Mit einem Gedicht über Fatwas hatte die Lyrikerin bei einem Poesiewettbewerb in Abu Dhabi 2010 für weltweites Aufsehen gesorgt. Henryk M. Broder wurde ausgezeichnet – die "Welt" freut sich für ihren Autor.

"Ich bin 77, machen wir uns nichts vor", sagt die amerikanische Folkikone Joan Baez im Interview mit der TAZ. Vor kurzem hat sie ein neues Album veröffentlicht und ist nun zum letzten Mal auf großer Tour. Die führt Ende Mai nach Hamburg, im Juli nach Halle und Berlin, im August unter anderem nach Köln.

Joan Baez erfreut über Waffenproteste in den USA

Im Gespräch mit Jens Uthoff geht es auch um die politische Situation in Amerika heute, die sie traurig macht, aber auch hoffen lässt. Baez sagt: "Ich bin eigentlich überhaupt nicht hoffnungsvoll. Seit ich denken kann, war der Zustand der Welt nie so schlecht wie gegenwärtig. Aber es ist wichtig, Erfolge zu benennen, wenn sie da sind."

Dass, wie kürzlich, Schülerinnen und Schüler in den USA gegen die Waffenlobby auf die Straße gingen, nennt sie einen Erfolg. Baez: "Die Bewegung wirkt frisch, eigenständig, kraftvoll, diese demografische Gruppe gibt uns so viel Hoffnung, wie es lange keine Generation in den USA mehr getan hat."

Joan Baez, die sich den Protesten gegen den Vietnamkrieg anschloss, die die Civil-Rights-Bewegung unterstützte und 1963 beim Marsch auf Washington auftrat, freut sich über den Widerstand von heute. Dabei habe sie immer gedacht, diese Generation ist nicht politisch. "Das war ein Irrtum", bekennt sie froh und ergänzt: "Was man aber nicht vergessen darf, die Kräfte, etwas zu absorbieren, sind gewaltig. Und auch die Bereitschaft der Menschen, sich verführen zu lassen."

Weltweites Aufsehen mit Gedicht über Fatwas

In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG schreibt Bert Rebhandl über das Filmporträt einer außergewöhnlichen Frau. In "The Poetess" gelingt es den Filmemachern Stefanie Brockhaus und Andreas Wolf mithilfe der Dichterin Hissa Hilal einen Blick in die saudi-arabische Gesellschaft zu werfen.

"Im Jahr 2010 sorgte sie weltweit für Aufsehen, als sie in Abu Dhabi an einem Poesie-Wettbewerb teilnahm. Als einzige Frau erhob sie im Rahmen einer glamourösen Fernsehshow ihre Stimme. Schon das erschien vielen Traditionalisten anstößig. Und dann nahm sie keinerlei Blatt vor den Mund, sondern trug ein Gedicht über Fatwas vor, das nur als eine Anklage der saudi-arabischen Religionspolitik verstanden werden konnte", informiert Rebhandl.

Ursprünglich sollte die Dichterin zur Premierentour des Films nach Deutschland kommen, doch aufgrund der aktuellen Ereignisse in Saudi-Arabien beschloss Hissa Hilal, nicht zu reisen. Wir erfahren: "In der vergangenen Woche wurden fünf Frauenrechtlerinnen und zwei Anwälte unter dem Vorwurf der Spionage verhaftet, in einer überraschenden Abwendung von der scheinbaren Liberalisierungspolitik, die man dem jungen Thronfolger Mohammed bin Salman zuschreibt."

Hebräische Universität zeichnt Henryk M. Broder aus

WELT-Autor Henryk M. Broder wurde mit dem Scopus Award der Hebräischen Universität Jerusalem ausgezeichnet. DIE WELT berichtet darüber: "Der Preis ehrt Menschen für herausragendes Engagement zum Wohle der Hebräischen Universität, des Staates Israel, des jüdischen Volkes und der Menschheit."

Unter der Überschrift "Beißender Sarkasmus, reines Vergnügen" druckt die Zeitung die Laudatio des Schriftstellers Leon de Winter sowie die Dankesrede von Henryk M. Broder. De Winter lobt Broder als einen, "in dem sie alle vereint sind, all diese Generationen von europäischen Juden, die versuchten, Gnade, Würde und Kraft zu erlangen und dann spurlos verschwanden… doch Henryk hat es geschafft", so de Winter, "er hat ein fantastisches Werk geschaffen, Tausende von Artikeln, Dutzende von Büchern – und in allem, was er angepackt hat, fühlt man die Leidenschaft für das Leben im Allgemeinen und für das jüdische Leben im Besonderen."

Nach der Preisübergabe bedankte sich Broder für den renommierten Preis. Er sagte: "Es ist ein schönes Gefühl, das mir das  Einschlafen erleichtert und das Aufwachen beschleunigt." Und natürlich geht es bei diesem Autor nicht ohne Sarkasmus: "Mein Rohstoff ist die Sprache, meine Werkzeuge sind Worte. Ich setze sie zu Sätzen zusammen und die Sätze forme ich zu Texten, mit einem Ziel. Ich mag Menschen, die mich nicht mögen. Und arbeite unermüdlich daran, dass es immer mehr werden."

Fazit

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