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Im Gespräch | Beitrag vom 22.02.2017

Architekt und Publizist Bruno Flierl "Den Traum einer besseren Gesellschaft gebe ich nicht auf"

Bruno Flierl im Gespräch mit Klaus Pokatzky

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Der Architekt und Publizist Bruno Flierl (Deutschlandradio / Klaus Pokatzky)
Der Architekt und Publizist Bruno Flierl (Deutschlandradio / Klaus Pokatzky)

Aufgewachsen in Nazi-Deutschland, ging der Architekt und Publizist Bruno Flierl als junger Mann 1950 aus Überzeugung in die DDR. Er machte sich einen Namen als Experte für den dortigen Städtebau. Mit Kritik am System hielt er sich nicht zurück.

"Den Traum einer besseren Gesellschaft gebe ich nicht auf"

In drei Gesellschaften hat der Architekt und Publizist Bruno Flierl gelebt. In keiner wurde sein Traum von einer besseren Gesellschaft verwirklicht. Geboren 1927 im Schlesischen Bunzlau, aufgewachsen in Breslau, kam er später mit seinen Eltern nach Berlin.

"Ich bin konstruktiv positiv eingestellt zum Leben, ich habe keine Vorwürfe gegen einzelne, ich habe Vorwürfe gegen Systeme und gegen Krieg."

Während des Krieges musste der Oberschüler Bruno Flierl als Flakhelfer an die Front und hat sich in einem günstigem Moment freiwillig gestellt: "Ich wollte nicht für Hitler sterben!" Drei Jahre verbrachte er als Kriegsgefangener in einem französischen Priesterseminar in der Nähe von Nancy, wo er sich mit Malerei und Tonarbeiten beschäftigen konnte.

"Ich habe unwahrscheinliches Glück gehabt. Ich war Hausfaktotum im Kloster, und es ist mir gelungen, nicht der Vermassung anheimzufallen und selbständig zu leben."

Als junger Mann ging Bruno Flierl nach Berlin und studierte dort trotz seiner künstlerischen Neigungen Architektur. Was ist menschenwürdige Moderne in der Architektur – diese Frage trieb ihn um.

"Ich wollte nicht für Privatpersonen bauen"

"Mein Vater hat mir da 'nen Schubs gegeben und gesagt: Sieh mal, wir müssen aufbauen – die Ruinen auf den Straßen und die Ruinen in den Köpfen der Menschen. Wir wollten alles neu machen. Und das ging im Westen nicht. Ich wollte nicht für Privatpersonen bauen, hatte die Illusion, im Sozialismus baut dann das selbstorganisierte Volk."

Immer auf der Suche nach einer besseren Gesellschaft zog Bruno Flierl 1950 aus Überzeugung in die DDR. Er machte sich einen Namen als Experte für den dortigen Städtebau, der sich auch mit Kritik am System nie zurückhielt.

"Ich bin Marxist, aber nicht mit der Verteidigung des traurigen Ergebnisses der DDR, sondern mit der Hoffnung, dass die Menschen den Marxismus und Sozialismus wirklich begreifen und wollen sollten und nicht verordnet bekommen."

Auch im wiedervereinigten Deutschland fand er nicht die bessere Gesellschaft, nach der er bis heute sucht. Seinen kritischen Geist hat sich Bruno Flierl, der gerade seinen 90. Geburtstag gefeiert hat, auch im Alter behalten – wie er auch mit seinem leidenschaftlichen Plädoyer zum Erhalt des Palasts der Republik gezeigt hat.

"Ich war von Anfang an nicht so begeistert, dass die Deutschen sich das Bild der Geschichte als Schloss wieder wünschen ohne zu wissen, was denn da rein kommt und wofür es denn in Deutschland steht."

Warum er sich meist "alleinsam" fühlte in seinem Leben, wie er das Ende der DDR erlebt hat und wie sein Traum einer besseren Gesellschaft aussieht – darüber unterhielt sich Klaus Pokatzky mit Bruno Flierl in der Sendung "Im Gespräch".

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