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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 12.10.2016

Afghanische Fotografin Lela Ahmadzai "Es war wirklich Schutt und Asche"

Lela Ahmadzai im Gespräch mit Katrin Heise

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Die Fotografin Lela Ahmadzai (picture alliance/dpa/Foto: Thalia Engel)
Die Fotografin Lela Ahmadzai spricht während der Ausstellungseröffnung zu "Geliebtes Afghanistan" mit Arbeiten der 2014 in Afghanistan erschossenen Fotografin Anja Niedringhaus 2015 in Berlin. (picture alliance/dpa/Foto: Thalia Engel)

Die Fotografin und Filmemacherin Lela Ahmadzai dokumentiert seit 2003 die Veränderungen in ihrer Heimat Afghanistan und besonders die Situation der Frauen. Als Jugendliche floh sie mit ihrer Familie vor Krieg und Islamisierung.

Die Fotografin und Filmemacherin Lela Ahmadzai dokumentiert seit 2003 die Veränderungen in ihrer Heimat Afghanistan und besonders die Situation der Frauen. Als Jugendliche floh sie mit ihrer Familie vor Krieg und Islamisierung.

Nach einer zweijährigen Odyssee kam die Fotografin und Filmemacherin Lela Ahmadzai von ihrer Heimat Afghanistan aus schließlich nach Deutschland. Die Flucht verlief eher wie eine lange Studienreise durch unzählige Länder als wie ein hektisches Suchen nach Sicherheit:

"Da bin ich meinen Eltern sehr dankbar, die haben das für uns so gestaltet, dass wir sehr viel gelernt haben. Sie haben uns einbezogen, ich durfte Visa beantragen, Währungen tauschen (...), ich hatte sehr erwachsene Aufgaben. (...) Ich habe Politik, Rechnungswesen, Geographie und Sprachen tatsächlich wie Unterricht gehabt."

Als klar wird, dass die Situation in Afghanistan immer schlimmer wird, beantragt die Familie Asyl in Deutschland. Dort holt sie die verpasste Schulzeit ohne Probleme nach, macht Abitur, studiert Produktdesign und hängt noch einen Masterabschluss in Foto-Journalismus ran.

Inzwischen ist sie zu einer gefragten und mehrfach ausgezeichneten Multimedia-Journalistin und Künstlerin geworden. Vor allem aber sieht sie sich als leidenschaftliche Geschichtenerzählerin.

Die Menschen, deren Geschichten sie erzählt, trifft sie auch auf ihren vielen Reisen nach Afghanistan. Das erste Mal in ihre Heimat zurückzukehren, war für Lela Ahmadzai befremdlich:

"Ich hatte ein sozusagen gesundes Kabul verlassen, das hatte noch funktioniert, da gab es Krankenhäuser, Schulen, Straßen und Gärten, ( ... ) und als ich ankam, waren da zerschossene Häuser, kaputte Straßen und nur wenige Menschen. ( ... ) Es war wirklich Schutt und Asche."

"Die Unbeugsamen" – Frauen-Porträts in Afghanistan

In dieser gebeutelten Stadt trifft sie auf vier Frauen, deren Leben sie in ihrer Langzeitdokumentation "Die Unbeugsamen" begleitet, eine Polizistin, eine Politikerin, eine Sängerin und eine Bäckerin. Zu diesen vier sehr unterschiedlichen Frauen hat Lela Ahmadzai immer noch Kontakt. Am Schicksal dieser Frauen zeichne sich deutlich ab, dass es jetzt mit Afghanistan wieder bergab geht:

"Alle diese Frauen müssen wieder was einstecken. Die Sängerin trägt schwarz und hat bewaffnete Begleitung. Die Polizistin hat ihren Job gekündigt oder auf Eis gelegt. ( ... ) Die Bäckerin sogar merkt dass, die Gespräche, die in der Bäckerei stattfinden, entwickeln sich anders, da spricht man dann plötzlich darüber, dass eine Frau mitten in der Stadt gesteinigt wird."

Für ihr Projekt "Stille Nacht", das die Hinterbliebenen der Opfer des Amoklaufs eines amerikanischen Soldaten porträtiert, erhielt Lela Ahmadzai den World Press Photo Award.

Wie sie Menschen dazu bringt, sie über lange Zeit an ihrem Leben teilhaben zu lassen, warum sie immer wieder nach Afghanistan fährt und wie einmal aus Haute-Couture-Stoffen Burkas wurden, darüber spricht Katrin Heise mit Lela Ahmadzai in dieser Sendung.

 

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