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Donnerstag, 14.12.2017

Studio 9 | Beitrag vom 04.10.2017

60 Jahre SputnikDas erste Piepsen aus dem Weltall

Von Markus Sambale

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Ein Bild von Sputnik 1, dass die Sowjetunion zu dessen Start am 4.10.1957 verbreitete. (Tass / AFP)
Am 4. Oktober 1957 startete der sowjetische Satellit Sputnik 1 ins All. (Tass / AFP)

80 Kilo schwer und doppelt so groß wie ein Medizinball: Mit dem Satelliten "Sputnik 1" schrieb die Sowjetunion am 4. Oktober 1957 Raumfahrtgeschichte – und löste im Westen einen Schock aus.

Es war dieses Piepsen, das die Welt in Aufregung versetzte  – heute vor 60 Jahren. Das Funksignal kam von einer Aluminiumkugel mit vier Antennen, die um die Erde kreiste: "Sputnik" – auf Deutsch "der Begleiter" – so hatte die Sowjetunion ihren Satelliten genannt. Gute 80 Kilo schwer. Der Durchmesser doppelt so groß wie der eines Medizinballs.

4. Oktober 1957 - An diesem Tag, so heißt es in einem sowjetischen Dokumentarfilm, begann mit dem Start von "Sputnik 1" die Raumfahrt-Ära. Ein technischer Durchbruch. Doch nicht nur das: Mitten im Kalten Krieg hatte die Sowjetunion triumphiert – und gegen die USA die erste Runde beim damaligen Wettlauf ins All gewonnen. 

"Es ging nicht einfach nur um die Technik und den Bau einer Rakete. Es ging noch dazu um Politik."

So erinnerte sich später Oleg Iwanowskij, einer der Sputnik-Ingenieure. Staatschef Chruschtschow hielt eine Lobesrede: 

"Die tatkräftigen sowjetischen Wissenschaftler und Techniker und die Arbeiter unseres Landes, die auf geniale Art den ersten künstlichen Satelliten gebaut haben, verdienen es, vom ganzen Volk geachtet zu werden."

Die USA stehen unter Schock

Im Westen löste der Satelliten-Start einen Schock aus: den "Sputnik"-Schock. Plötzlich wurde den USA klar: Die kommunistische Sowjetunion konnte technisch mithalten - und auch militärisch. Denn mit der Interkontinental-Rakete, die beim Satelliten-Start zum Einsatz kam, konnte die sowjetische Armee nun theoretisch jede amerikanische Stadt angreifen.

Ein Modell des ersten Satelliten in der Erdumlaufbahn, Sputnik I (dpa/ap/Ivan Sekretarev)Ein Modell des ersten Satelliten in der Erdumlaufbahn (dpa/ap/Ivan Sekretarev)

Was den Propaganda-Effekt verstärkte: Die Signale von Sputnik waren weltweit zu empfangen. Der deutsche Weltraumforscher Heinz Kaminski erinnerte sich später, wie er im Keller seines Bochumer Privathauses saß und – als einer der ersten im Westen - die Piepstöne hörte:

"Der Start des sowjetischen Satelliten kam ja für alle in der Welt überraschend, so dass wir weder auf die Frequenzen noch auf die Antennen eingestellt waren, bis wir dann in rasender Eile eine Antenne aus einem langen Draht zogen und dann wenige Stunden nach dem Start bereits diese sensationellen ersten Funkzeichen empfangen konnten."

"Sputnik 1" verglühte nach drei Monaten in der Atmosphäre – und hatte damit seinen Dienst getan.

Von der Konkurrenz zur Zusammenarbeit

Es folgte eine ganze Reihe sowjetischer Pionierleistungen: das erste Lebewesen im All – die Hündin Laika. Der erste Mann im All, die erste Frau im All, die erste unbemannte Mondlandung. Erst 1969, mit dem ersten Menschen auf dem Mond, holten die Amerikaner auf.

Heute setzen Russen und Amerikaner trotz aller Konflikte auf Zusammenarbeit im Weltall – etwa bei der Internationalen Raumstation ISS. Um das fortzusetzen, was heute vor 60 Jahren begann: das Zeitalter der Raumfahrt.

"Dieser Oktobertag wird den Menschen in Erinnerung bleiben – für immer."

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