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Fazit / Archiv | Beitrag vom 29.11.2016

30 Jahre Villa GrisebachIkone des Berliner Kunsthandels

Bernd Schultz im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Ansicht der Villa Grisebach in der Berliner Fasanenstraße, wo das gleichnamige Auktionshaus untergebracht ist. Es ist ein mehrstöckiges Gebäude mit einem Turm auf der Spitze. (Foto: Imago/Schöning)
Das Auktionshaus Villa Grisebach in Berlin (Foto: Imago/Schöning)

Keine "schnellen Dealer", aber viele jüngere Sammler, so sieht das Klientel des renommierten Auktionshauses Villa Grisebach in Berlin aus. Mit-Gründer Bernd Schultz erzählt von einer 30-jährigen Erfolgsgeschichte, zu der heute rund 30.000 Kunden gehören.

Bernd Schultz, Geschäftsführer und Mit-Gründer der Villa Grisebach, sprach im Deutschlandradio Kultur über die Erfolgsgeschichte des Auktionshauses. Die Kundenkartei enthalte heute fast 30.000 Namen, mit Interessenten aus 39 Ländern. Trotz seiner Insellage sei Berlin 1986, bei der Gründung des Auktionshauses, eine sehr interessante Stadt gewesen, berichtet Schultz über den damaligen Geist des Aufbruchs und die Kunstszene der Stadt:

"Wir hatten alle große Erfahrung im Bereich der klassischen Moderne. Und es gab in Belrlin die Galerie Nierendorf, die eine der ganz großen deutschen Traditionsgalerien war. In den achtziger Jahren zog dann auch die Galerie Brusberg von Hannover nach Berlin. Weil sie gesehen haben, dass man Kunsthandel sehr wohl auch in Berlin machen kann."  

Von Kunstsammlern und Käufertypen

Mit welchen Arten von Kunstsammlern und Käufertypen hat die Villa Grisebach heute zu tun? Überwiegen die traditionellen Sammler oder die "schnellen Dealer"?

"Mit den ganz schnellen Dealern, mit denen haben wir es nicht so sehr zu tun. Das findet mehr in angelsächsischen Ländern oder in New York statt. Aber wir haben natürlich jüngere Sammler, die ganz international orientiert und ganz international informiert sind. Und die kaufen weltweit und beobachten auch weltweit."

"Wie geht man mit Kunstfälschungen um?" 

Schultz ging auch auf die Frage von Kunstfälschungen ein. Auch in seinem Haus sei man schon einmal einer Fälschung "auf den Leim gegangen":

"Wenn Sie Hunderttausende von Bildern in ihrem Leben versteigert haben, dann wäre es geradezu grotesk, wenn nicht auch einmal eine Fälschung dabei ist. Die Frage ist dann nur, wie man mit dieser Fälschung umgeht. Also bisher haben wir alles, was falsch war, auch wieder zurückgenommen."  

Die Villa Grisebach beschäftige inzwischen 74 Mitarbeiter, so Schultz. Eine eigene Abteilung kümmere sich ausschließlich um die Bereiche Echtheit, Erhaltungszustand eines Werkes und um Restitutionsprobleme.

Kunsthandel für Provenienzforschung sensibilisiert 

Dazu gehöre auch die Provenienzforschung Im Hinblick auf während der Nazi-Zeit enteignete Kunstwerke. In seinem Haus arbeiteten seien zwei Provenienzforscher. Der Kunsthandel sei für dieses Problem sensibilisiert, sagt Schultz:

"Die deutschen Museen haben sehr viel mehr Schulaufgaben als wir das machen müssen. Und zwar in Zusammenhang mit ihre Beständen. Wir machen tagtäglich unsere Schularbeiten. Jedes Bild, was zu uns kommt, geht eben durch diese sehr strenge Prüfung."

Bernd Schultz legt zum Jahresende sein Amt als Geschäftsfüher der Villa Grisebach nieder, ihm folgt der Kunstwissenschaftler und Schriftsteller Florian Illies.

Die Villa Grisebach in Berlin gilt als eines der wichtigsten deutschen Auktionshäuser für die Klassische Moderne. Das 30-jährige Bestehen wird auch mit einer Jubiläumsauktion begangen: Zur Versteigerung kommen rund 1500 Kunstwerke mit einem mittleren Schätzwert von 28 Millionen Euro.

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