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Freispiel / Archiv | Beitrag vom 04.12.2017

Hörspiel zu Mechanismen der Nazi-SpracheLTI – Notizbuch eines Philologen

Hörspiel nach dem Buch von Victor Klemperer

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Der Romanist und Philologe Victor Klemperer (1881 - 1960) auf einer zeitgenössischen Aufnahme. (picture alliance / dpa / Fotoreport Aufbau Verlag)
Der Romanist und Philologe Victor Klemperer (1881 - 1960) auf einer zeitgenössischen Aufnahme. (picture alliance / dpa / Fotoreport Aufbau Verlag)

LTI – Lingua Tertii Imperii, die Sprache des Dritten Reichs: So nennt Victor Klemperer seinen 1947 erschienenen Versuch, die Nazi-Sprache und ihre Mechanismen zu analysieren.

Mit lexikalischer Präzision und beklemmender Sachlichkeit strukturiert er in Essays die Wortungetüme, die wie "Arsendosen" auf ihre Zuhörerschaft einwirkten. Seine Analyse zeigt die sich wiederholende Beschwörung des Gefühls, des Instinkts und eines quasireligiösen Nationalkults.

Bearbeitung: Tilman Hecker, Dag Lohde
Mit: Betty Freudenberg, Christine Groß, Toni Jessen, Thomas Schmauser
Komposition: Arno Kraehahn
Ton: Kaspar Wollheim
Produktion: RBB 2016
Länge: 54'29

Victor Klemperer (1881–1960), deutscher Schriftsteller, Romanist, Politiker. Professur in Dresden von 1920 bis zu seiner Entlassung durch die Nazis 1935. Mit seinen Tagebuchaufzeichnungen legte er die Grundlage für die spätere Abhandlung zur Sprache des Dritten Reiches, der "LTI" (Lingua Tertii Imperii). Seine Notizen, die ab 1995 unter dem Titel "Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten (1933–1945)" herausgegeben wurden, dokumentieren ausführlich den Alltag eines verfolgten Intellektuellen jüdischer Herkunft. Er gilt als einer der wichtigsten Chronisten der Nazizeit. Klemperer blieb nach dem Krieg in Dresden und zog 1950 als Abgeordneter des Kulturbunds der DDR in die Volkskammer ein. Der Rundfunk der DDR produzierte 1979 das Hörspiel "Stille Post" von Lisa Pirskawetz unter Verwendung von "LTI – Notizbuch eines Philologen".

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