Freistil, vom 20.03.2011, 20:05 Uhr

"Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch"

Vom Wert des Schimpfens
Von Peter Leusch und Ingeborg Breuer

Schimpfen gehört in jeder Gesellschaft und Kultur zum Alltag. Überall wird nach Kräften geflucht und gepoltert, wird Dampf abgelassen: Mistwetter, Scheißjob, verdammte Blechkiste. Und die anderen, über deren Verhalten wir uns ärgern, kriegen Vulgäres zurück: Idiot, Schwachkopf, blöde Kuh.

Der grüne Bundestagsabgeordnete Joschka Fischer am 8. Februar 1984 im Bonner Bundestag (AP Archiv)
Der grüne Bundestagsabgeordnete Joschka Fischer am 8. Februar 1984 im Bonner Bundestag (AP Archiv)

"Schlag ihn tot den Hund! Er ist ein Rezensent", schrieb einst Goethe. Und Joschka Fischer ließ sich 1984 im Bundestag gegenüber Richard Stücklen zu dem Kraftausdruck hinreißen: "Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch."

Die Völker bevorzugen beim Schimpfen unterschiedliche Codes. So wird das allgegenwärtige "Fucking" amerikanischer Filme im Deutschen regelmäßig mit "Scheiß" synchronisiert.

Schimpfwörter haben nicht in allen Kulturen dieselbe Wertigkeit. Ein Araber etwa, der von einem Deutschen als "Kamel" bezeichnet wird, würde die Beschimpfung gar nicht verstehen, ist doch in seinen Augen das Kamel ein kluges Tier.

DLF 2008

Downloads:

Vom Wert des Schimpfens

 

Abonnieren Sie unseren Newsletter!