Hörspiel, vom 06.03.2021, 20:05 Uhr

Hörspiel des MonatsZauderwut

Von einer jungen Frau und ihrer Leidenschaft zu zaudern

Das Kind in Lissy scheint alle zu lenken, sie selbst ist jedoch meistens unfähig zu handeln. Nichts gelingt ihr. Lissy zaudert. Unentwegt. Auch in ihrer Umgebung spiegelt sich die Sinnlosigkeit. Bagger reißen Häuser ab. Ihr Vater lebt in einer Anstalt und malt nur noch Labyrinthe.

Lissy und Mann auf einem unscharfen Foto (Deutschlandradio / Bettie I. Alfred)
(Deutschlandradio / Bettie I. Alfred)

Begründung der Akademie der Darstellenden Künste:

"Ihr ganzes Leben lang zaudert Lissy. Schon früh lernt die ungewöhnlich kleine Frau, dass das Leben hart ist: Ihre Mutter verlässt die Familie, als Lissy noch ein Kind ist, der Vater landet daraufhin in der Psychiatrie, wo er sein Leben lang Labyrinthe malt und sich nicht mehr daran erinnert, dass er eine Tochter hat.
Die Auswirkungen ihrer traurigen Kindheit beschreibt die eigenwillige Protagonistin aus Bettie I. Alfreds Hörstück so: „Nun als Erwachsene hatte ich also eine Art die Realität so zu sehen, wie sie war. Gnadenlos. Dies führte dazu, dass ich zauderte. Immerzu zauderte.“
Die einzige Möglichkeit für Lissy, mit ihrer Handlungs- und Entscheidungsunfähigkeit umzugehen, ist die künstlerische Auseinandersetzung.
Mit minimalistischen Mitteln macht das Stück Lissys Zaudern hörbar und legt zugleich den künstlerischen Schaffensprozess einer Hörspielproduktion offen. Lissy rekapituliert, protokolliert und erinnert sich an Ereignisse aus ihrer Vergangenheit, die mit der Gegenwart verschwimmen. Durch stilistische Kniffe wie Loops und Sprachaufnahmen, in denen Lissy laut an Sätzen feilt, die sie anschließend aufschreibt, entfaltet „Zauderwut“ eine wehmütige Komik des Scheiterns.
Das Hörspiel verbindet charmant und gekonnt leise Melancholie und schrägen Humor, die durch die markanten Stimmen von Jens Harzer als Lissys Ehemann und Leopold von Verschuer als Vater getragen werden, aber auch durch den besonderen Charme der von der Autorin selbst gesprochenen Teile.

Mit „Zauderwut“ kürt die Jury eine im Heimstudio der Autorin entstandene Arbeit zum Hörspiel des Monats, die sich zum Teil auch augenzwinkernd mit den Standards und Ritualen des Mediums Radio bzw. Hörspiel auseinandersetzt. Stücke wie „Zauderwut“ repräsentieren einen wichtigen Aspekt der großen Vielfalt, die das Medium Hörspiel ausmacht - einen Aspekt, den der rbb mit der Sendung von Bettie I. Alfreds Stück auf hohem künstlerischem Niveau präsentiert."


Zauderwut
Von einer jungen Frau und ihrer Leidenschaft zu zaudern
Von Bettie I. Alfred
Regie: Bettie I. Alfred
Mit Bettie I. Alfred, Jens Harzer, Leopold von Verschuer, Daniel Höpfner, Paul Affeld
Produktion: rbbKultur

Die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste in Frankfurt am Main zeichnet jeden Monat ein Hörspiel aus den Produktionen der ARD-Anstalten aus. Die Entscheidung über das HÖRSPIEL DES MONATS trifft eine Jury, die jeweils für ein Jahr unter der Schirmherrschaft einer ARD-Anstalt arbeitet. Am Ende des Jahres wählt die Jury aus den 12 Hörspielen des Monats das HÖRSPIEL DES JAHRES.

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