Feature, vom 29.09.2012

Von Maximilian Schönherr

23. September 1955. Ein Gerichtssaal in Ostberlin, nur wenige Kilometer von der Sektorengrenze entfernt. Die langjährige Sekretärin des DDR-Ministerpräsidenten Otto Grotewohl und ihr Geliebter sind der Spionage für den Westen angeklagt. Die Öffentlichkeit ist ausgeschlossen.

DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl (rechts) und sein Stellvertreter Walter Ulbricht (Mitte) verlassen den Flughafen Schönefeld.  (AP Archiv)
DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl (rechts) und sein Stellvertreter Walter Ulbricht (Mitte) verlassen den Flughafen Schönefeld. (AP Archiv)

Doch die Staatssicherheit schneidet die Verhandlung mit. Jetzt, ein halbes Jahrhundert später, sind die Bänder zugänglich: Ein Originalton-Dokument, das von Liebe und Angst erzählt, die Furcht der SED-Führung vor den Aktivitäten der 'Organisation Gehlen' (Vorläufer des BND) offenlegt.

Zwei Menschenschicksale im Getriebe des Kalten Krieges, ehemals überzeugte Genossen vor einem unbarmherzigen Gericht.


Regie: Nikolai von Koslowski
Mit: Gerd Wameling
Ton: Jonas Bergler
Produktion: WDR 2011
Länge: 52‘59


Maximilian Schönherr, geboren 1954 in Unterfranken, studierte Physik, gründete für die ARD das Archivradio, erhielt 2009 für 'Die Stammheim-Bänder' den Deutschen Hörbuchpreis.