Das Feature, vom 16.02.2021, 19:15 Uhr

Deutschlands Einsatz in Afghanistan Der verlorene Frieden (1/6) - Nation Building

Schulen und Universitäten öffnen ihre Tore, Frauenrechte werden gestärkt. Die radikalislamischen Taliban scheinen auf Nimmerwiedersehen vertrieben und Afghanistans Zivilgesellschaft blüht. - Das ist die Vision der internationalen Schutztruppe, an der sich Ende 2001 auch Deutschland beteiligt. 20 Jahre danach ist davon wenig geblieben.

Deutsche Soldaten in gepanzerten Fahrzeugen am Flughafen beim Bundeswehrstandort Camp Marmal in Mazar-i-Sharif . Afghanistan . 22.08.2006 (imago/Thomas Koehler)
Deutsche Soldaten in gepanzerten Fahrzeugen in Mazar-i-Sharif (imago/Thomas Koehler)

2021, da die USA den größten Teil ihrer Truppen abgezogen haben, zeichnet sich auch das Ende des Bundeswehreinsatzes ab. Nach wie vor tobt ein blutiger Bürgerkrieg, Selbstmordattentate sind an der Tagesordnung, und die Taliban kehren an die Macht zurück. Was hat das jahrzehntelange internationale Engagement gebracht? Fällt Afghanistan wieder zurück ins Chaos?

Nirgendwo hat sich Deutschland seit dem zweiten Weltkrieg militärisch stärker engagiert. Mit einer – so die Selbsteinschätzung - wegweisend neuen "zivilmilitärischen" Strategie: Bundeswehrsoldaten treten nicht als Besatzer auf, sondern als Freunde der Einheimischen.

Nach jahrzehntelangem Krieg und den Terroranschlägen des 11. September soll Afghanistan von den Taliban befreit, und wieder aufgebaut werden. Nie wieder soll das Land zur Basis des internationalen Terrorismus werden. Doch viel schneller als man wahrhaben will, wird die vermeintliche Entwicklungshilfemission zum Kriegseinsatz.

Marc Thörner war seit 2006 immer wieder in Afghanistan. Anlässlich des geplanten Abzugs der internationalen Truppen blickt er in einer sechsteiligen Serie nach vorne und zurück und hat dafür mit Afghanen und Deutschen, Entscheidungsträgern und Zeitzeugen gesprochen.

(1/6) Nation Building

Aufbrüche prägen Anfang der 2000er Jahre am Hindukusch das Bild. Die Bundeswehr übernimmt die Sicherheitsverantwortung für neun Provinzen, baut Brunnen, Brücken, Schulen als Teil der ISAF, der International Security Assistance Force, wie die internationale Afghanistan-Schutztruppe sich nennt.

Ahmed Hashemi gründet eine Zeitung, beschäftigt 50 Mitarbeiter, später arbeitet er im Bildungsministerium für die Regierung Karsai. Bundeswehroberst Reinhard Erös sammelt bei Unterstützern Geld und beginnt überall im Land, Schulen und Krankenstationen zu bauen.

Der Autor kommt 2006 zum ersten Mal ins Land und besucht das deutsch geführte Regionalkommando Nord, die größte Bundeswehrbasis außerhalb des Staatsgebiets. Da sind die ersten Kameraden bereits gefallen, der Anschlag wird da noch als Unfall bezeichnet. Und auch sonst gibt es erhebliche Verständigungsprobleme.

Der verlorene Frieden
Deutschlands Einsatz in Afghanistan
(1/6) Nation Building
Feature-Serie von Marc Thörner

Regie: Matthias Kapohl
Es sprach: Marc Thörner
Ton und Technik Wolfgang Rixius, Gunter Rose und Oliver Dannert
Redaktion: Wolfgang Schiller
Produktion: Deutschlandfunk 2021

Marc Thörner wurde 1964 in Hamburg geboren. Der Journalist und Sachbuchautor erhielt 2009 den Otto-Brenner-Preis für einen investigativen Beitrag über Afghanistan. Schwerpunkte seiner Arbeit sind außerdem die Maghreb-Länder, die Golfstaaten, der Irak und Pakistan.

Feature-Reihe "Der verlorene Frieden"

Der verlorene Frieden. Deutschlands Einsatz in Afghanistan. Nation Building (1/6) (PDF)

Der verlorene Frieden. Deutschlands Einsatz in Afghanistan. Nation Building (1/6) (Textversion)

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