Das Feature, vom 02.09.2016, 20:10 Uhr

AnatolAls Don Quichotte nach Marienburg kam

Von Ulrike Janssen

Seit 30 Jahren gehört er zur Museumsinsel Hombroich. Anatol, geboren als Karl-Heinz Herzfeld in Insterburg, Ostpreußen. In der Nähe von Neuss hat er ein Stück seiner verlorenen Heimat nachgebaut.

Der Bildhauer und Maler Anatol Herzfeld. (picture-alliance / dpa / Horst Ossinger)
Der Bildhauer und Maler Anatol Herzfeld. (picture-alliance / dpa / Horst Ossinger)

Er ließ ein Birkenwäldchen anpflanzen, arbeitet in einer ostpreußischen Bauernhäusern nachempfundenen Hütte, umgeben von seinen eisernen "Wächtern", deren Aufgabe es sei, "Verdunkelung" zu verhindern. Anatol, gelernter Schmied und Stahlbauer, war Polizeibeamter, Puppenspieler, Meisterschüler von Joseph Beuys. Er wuchs als Findelkind auf. Als er 14 war, brach der Krieg über ihn herein. Die Erfahrungen mit dem Schrecken, dem Schlachtfeld, den russischen Soldaten prägen seine Arbeit bis heute.

Zu seiner Kunst gehört auch das Erzählen: vom Panzerrollen und von Leichenbergen, von der Stille des Todes. Und von der Begegnung mit Don Quichotte. Der 16-Jährige fand in einem verlassenen Gutshof zu Cervantes und versank zwischen zertrümmerten Möbeln in der Welt des "Ritters von der traurigen Gestalt". Gegen die passive Existenz in jeglicher Fremdbestimmung setzt Anatol die Gestaltung des eigenen Daseins. Kunst ist für ihn, "einen Menschen darzustellen: mich selber".

Produktion: DLF 2014

Anatol oder Als Don Quijote nach Marienburg kam (PDF)

Anatol oder Als Don Quijote nach Marienburg kam (Text)

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