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Sonntagmorgen | Beitrag vom 27.01.2019

Zweisprachige SongsLost in Translation?

Von Olga Hochweis

Scarlett Johansson und Bill Murray sitzen sich in einer Szene aus "Lost in Translation" gegenüber und schauen sich in die Augen. (Imago/ Entertainment Pictures)
Scarlett Johansson und Bill Murray in "Lost in Translation" (Imago/ Entertainment Pictures)

Übersetzungen von einer Sprache in die andere sind immer auch eine Art Interpretation. Selten stimmt alles genau überein, das eine oder andere kann verloren gehen. Kommt Musik ins Spiel, sieht die Sache wieder anders aus.

Denn Lieder erzählen ihre Geschichten bekanntlich auf vielerlei Ebenen: durch Wort und Musik, durch Stimme, Instrumentierung, Arrangement und nicht zuletzt durch den Klang einer gewählten Sprache. Kommt im selben Titel ein weiteres Idiom ins Spiel, bleibt die Grundatmosphäre gewahrt. Aber der Sprachwechsel sorgt für eine neue Nuance. Er befördert manchmal sogar eine besondere Magie – etwa im Bossa Nova-Klassiker "Girl from Ipanema", in dem der portugiesischsprachige Gesang von Joao Gilberto übergeht in ein bezauberndes Englisch, gesungen von Astrud Gilberto.

Verständigung jenseits von Worten 

Songs, die sich durch verschiedene Sprachen bewegen, versammeln einen besonderen Reichtum und Charme. Nicht unbedingt nötig, auf Google Translate nachzuschlagen, wovon denn genau erzählt wird. Verständigung funktioniert manchmal auch jenseits von Worten. Wobei es natürlich nicht schaden kann, ein paar Brocken Französisch zusammenzukratzen, wenn man sich in eine Französin verliebt. Der Song "Michelle" von den Beatles ist dafür das schönste Beispiel. Und wenn Nat King Cole gleich in mehreren Sprachen, darunter auch in Deutsch, das Wort Liebe durchbuchstabiert, wird Völkerverständigung zu mehr als nur einer Floskel.

Rätsel

Heute jährt sich zum 75. Mal das Ende der Leningrader Blockade. Wir suchen einen russisch-amerikanischen Dichter, der viele seiner Gedichte und Essays seiner Heimatstadt Leningrad gewidmet hat. Er erhielt 1987 den Literaturnobelpreis und kehrte zwar nie zurück in seine Heimat, aus der er 1972 gegen seinen Willen ausgebürgert wurde. Aber er nahm weiter Anteil an ihrer Entwicklung, etwa, als die Stadt Anfang der 90er Jahre wieder in ihren ursprünglichen Namen St. Petersburg umbenannt wurde.

Wer hat da gerade in seinem ganz eigenen Vortragsstil den Anfang eines seiner Leningrad-Gedichte rezitiert? Heute heißt die Stadt, die auf dem Reißbrett entworfen wurde von Peter dem Großen, wieder St. Petersburg. Für unseren gesuchten Dichter war sein Geburtsort auch eine Schule des Maßes und der Komposition. In seiner zweiten Heimat USA, wo dieser Dichter und Literaturnobelpreisträger später übrigens auch auf Englisch schrieb, kehrte er in vielen Texten zurück in seine Stadt. Am 28. Januar jährt sich sein Todestag zum 23. Mal. Wer war's?

Auflösung: Joseph Brodsky

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Stichwort: Sonntagmorgen

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