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Kulturnachrichten

Donnerstag, 17. November 2016

Zwei Millionen illegal gepresste Tonträger sicher gestellt

60 Jahre alter Mann sitzt in Untersuchungshaft

Der baden-württembergischen Justiz ist nach eigenen Angaben der größte Schlag gegen Produktpiraterie in Europa seit Jahrzehnten geglückt. Bei Durchsuchungen im Raum Göppingen und Schwäbisch Hall sowie in Polen wurden zahlreiche illegal gepresste CDs, DVDs und Schallplatten namhafter Künstler und Bands sicher gestellt. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart bestätigte entsprechende Informationen der Deutschen Presse-Agentur. Mit den Raubkopien wurde nach Schätzungen von Experten ein Millionenschaden verursacht. Dem 60 Jahre alten Verdächtigen, der bereits seit Anfang September in Untersuchungshaft sitzt, drohen bis zu fünf Jahre Haft. Der Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI), Florian Drücke, spricht von "hochprofessionellen Strukturen" im Hintergrund. Diese richteten riesige Schäden an und zerstörten das Vertrauen der Verbraucher.

Kulturbehörde lobt "Barbara Kisseler Theaterpreis" aus

Reemtsma-Stiftung unterstützt mit 50 000 Euro dotierten Preis

Im Andenken an die kürzlich verstorbene Hamburger Kultursenatorin Barbara Kisseler schreibt die Kulturbehörde einen neuen Theaterpreis aus. Den mit 50 000 Euro dotierten "Barbara Kisseler Theaterpreis" unterstützt die Hermann Reemtsma Stiftung für zehn Jahre, teilte die Behörde in Hamburg mit. Mit ihm sollten jährlich herausragende Leistungen Hamburger Theater ausgezeichnet werden. Die erste Verleihung ist für 2017 vorgesehen. Kisseler war am 7. Oktober im Alter von 67 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Die parteilose Politikerin war seit 2011 Senatorin und Präses der Kulturbehörde in Hamburg. Zudem war sie seit Mai 2015 Präsidentin des Deutschen Bühnenvereins.

Justizminister für zügiges Löschen von Hasskommentaren

Justizministerkonferenz will soziale Netzwerke stärker in die Pflicht nehmen

Die Justizministerkonferenz hat sich bei ihrer Herbsttagung in Berlin mit breiter Mehrheit dafür ausgesprochen, die sozialen Netzwerke im Kampf gegen Hasskommentare verstärkt in die Pflicht zu nehmen. Das Gremium plädierte dafür, dass Netzwerkbetreiber rechtswidrige Kommentare zügig löschen und Ansprechpartner im Inland bereitstellen, wie die Hamburger Justizbehörde mitteilte. Andernfalls soll ihnen demnach ein empfindliches Bußgeld auferlegt werden können. Zudem sind Facebook und Co. demnach aufgefordert, ihre Löschaktivitäten transparent darzulegen. Trotz anderslautender Beteuerungen blieben rechtswidrige Hasskommentare oft lange Zeit unberührt und schadeten den Opfern täglich aufs Neue, begründete die Hamburger Justizbehörde ihren erfolgreichen Vorstoß bei der Justizministerkonferenz.

Wissenschaftspreis für "Mein Kampf"-Edition

Publikation entlarvt Hitlers Falschaussagen und Verdrehungen

Die "Mein Kampf"-Edition des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) in München wird mit einem hoch dotierten Wissenschaftspreis ausgezeichnet. "Der Historiker Christian Hartmann und sein Team schließen mit der historisch-kritischen Edition von 'Mein Kampf' eine große Lücke in der Forschung über den Nationalsozialismus in Deutschland", teilte die Leibniz-Gemeinschaft mit. "Die Publikation zeigt Hitlers Falschaussagen und Verdrehungen auf, korrigiert sachliche Fehler und erläutert den zeitgenössischen Kontext." Die kritische Ausgabe von Adolf Hitlers Hetzschrift, die Anfang 2016 auf den Markt kam, wurde bislang mehr als 80 000 Mal verkauft und schaffte es auf Platz eins der Bestsellerliste. Der mit 50 000 Euro dotierte Wissenschaftspreis des Stifterverbandes "Gesellschaft braucht Wissenschaft", der der Leibniz-Gemeinschaft gewidmet ist, wird für hervorragende Leistungen von Forschern vergeben, die sich durch besondere gesellschaftliche Relevanz auszeichnen.

Schriftstellerin Shafak: Demokratie in der Türkei gefährdet

"Frauen werden schlecht gemacht und stigmatisiert"

Die türkische Schriftstellerin Elif Shafak sieht die demokratische Meinungsäußerung in der Türkei in Gefahr. Angesichts der inzwischen über 130 inhaftierten Journalisten und Autoren würde niemand mehr schreiben, was er denkt. Im Deutschlandradio Kultur hob Shafak besonders die schwierige Situation der Frauen hervor: „Denn die Sprache der Angriffe, wie sie auch in den Medien und in den sozialen Medien verbreitet wird, ist oft sehr sexistisch, sehr frauenfeindlich. Wie die Frauen schlecht gemacht werden und wie man sie stigmatisiert, ist sehr traurig." Elif Shafak zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen türkischen Autorinnen. Sie lebt seit vielen Jahren in London. Vor zehn Jahren war sie wegen "Beleidigung des Türkentums" angeklagt aber nicht verurteilt worden.

Europäischer Filmpreis für Kamerafrau aus Dänemark

Ehrenpreis an früheren James-Bond-Darsteller Pierce Brosnan

Die dänische Kamerafrau Camilla Hjelm Knudsen wird mit dem Europäischen Filmpreis 2016 geehrt. Die Auszeichnung erhält sie für ihre Arbeit bei dem deutsch-dänischen Drama "Unter dem Sand - Das Versprechen der Freiheit". Das teilte die Europäische Filmakademie mit. Der Film von Regisseur Martin Zandvliet handelt von deutschen Kriegsgefangenen, die im Mai 1945 in Dänemark zur Minenräumung abkommandiert werden. Das Drama erhält mit Barbara Kreuzer auch den Preis für das beste Kostümbild. Der Preis für den besten Schnitt geht an Anne Osterud und Janus Billeskov Jansen für "Die Kommune" (Dänemark/Schweden/Niederlande), die Auszeichnung für das beste Szenenbild an Alice Normington für "Suffragette - Taten statt Worte" (Großbritannien). Die beste Filmmusik kommt von Ilya Demutsky für "The Student" (Russland), das beste Sounddesign von Radoslaw Ochnio für "11 Minuten" (Polen/Irland). Beim Europäischen Filmpreis werden am 10. Dezember in Europas Kulturhauptstadt Breslau (Wroclaw) auch die Preise in den Kategorien bester Spielfilm, Schauspieler und Regie vergeben. Den Ehrenpreis erhält der frühere James-Bond-Darsteller Pierce Brosnan.

Weitere Pyramide unter Maya-Bauwerk in Mexiko

Schichten wie bei einer "Matrjoschka-Puppe"

Wissenschaftler haben eine bislang unbekannte Pyramidenstruktur unter der berühmten Pyramide des Kukulcán im mexikanischen Chichén Itzá entdeckt. Das jetzt mit Hilfe von Tomographen gefundene Maya-Bauwerk ist etwa zehn Meter hoch und wurde vermutlich zwischen 550 und 800 nach Christus erbaut, berichteten Forscher der Universität Mexiko. In den 30er Jahren war bereits eine weitere, rund 20 Meter hohe Pyramide unter der Pyramide des Kukulcán entdeckt worden. Das Bauwerk wurde also in mindestens drei Etappen errichtet. "Es ist wie bei den russischen Puppen: Es gibt eine, darunter noch eine und noch eine", sagte der Geophysiker René Chávez Seguraeguro mit Blick auf die berühmten russischen Matrjoschka-Puppen. Die jetzt entdeckte Struktur ist die Älteste. Die in den 30er Jahren gefundene wurde zwischen 800 und 1000 nach Christus erbaut, die heute sichtbare fast 30 Meter hohe äußere Pyramide entstand gegen Ende der Maya-Zeit zwischen 1050 und 1300.

Schwankende Volksbühnenentscheidung

Designierter Berliner Kultursenator will Dercon-Berufung überprüfen

Die umstrittene Berufung des belgischen Museumsmanagers Chris Dercon zum neuen Intendanten der Berliner Volksbühne kommt unter dem neuen rot-rot-grünen Senat nochmals auf den Prüfstand. Der designierte Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sagte gegenüber RBB-Inforadio: "Die Volksbühne hat ja durchaus eine Tradition unter anderem mit Brecht und Piscator. Diese Tradition auch weiter beleben zu können - da ist die Frage, ob das mit der Personalentscheidung von damals auf einem guten Weg ist." Zugleich deutete Lederer an, Dercon möglicherweise mit anderen Aufgaben zu betrauen. Nach Entscheidungen des bisherigen Kulzursenators und Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) sollte Dercon 2017 den langjährigen Intendanten der Volksbühne, Frank Castorf, ablösen. Kritiker fürchten, dass das traditionsreiche Polittheater dadurch zu einer "Eventbude" wird. Es gab einen offenen Brief gegen Dercon.

Monet-Gemälde erzielt bei Auktion Rekordpreis

Werk "Meule" in New York für 75,6 Millionen Euro versteigert

Für einen Monet sei das ein neuer Rekord, teilte das Auktionshaus "Christie's" mit. Es hatte den Wert auf knapp 42 Millionen Euro geschätzt. Ersteigert wurde das Ölbild von einem anonymen Bieter am Telefon. Das Gemälde des französischen Impressionisten entstand in der Nähe seines Hauses im Dorf Giverny. Es ist eines von insgesamt 25 Werken der so genannten "Heuschober"-Serie.

National Book Award für Colson Whitehead

Die besten Bücher der USA beschäftigen sich mit Rassismus

Bei der Vergabe der National Book Awards in New York gestern Abend schwang das Thema Rassismus und Amerika unter dem neuen Präsidenten Trump mit. Die Preisträger gingen in ihren Reden auf die aktuelle Situation im Land ein. Der Gewinner in der Sparte Roman, Colson Whitehead, sagte: "Uns geht’s hier drinnen gut. Draußen aber ist das wüste, höllische Trumpland, das wir bewohnen werden. Wo werden wir in einem Jahr sein?" Whiteheads Roman "The Underground Railroad" behandelt die Geschichte eines entlaufenen Sklaven, der sich in einer unterirdischen Eisenbahnwelt versteckt. Das prämierte Sachbuch "Stamped from the Beginning" will die "definitive Geschichte der rassistischen Ideen in Amerika" erzählen. Der mit dem Lyrik-Preis ausgezeichnete Daniel Borzutzky fordert das Engagement jedes Einzelnen: „Helft alle mit, dass illegale Einwanderer sicher sind, dass Vielfalt bleibt und viele Sprachen hier gesprochen werden."

Goethe-Institut mit neuer Künstlerresidenz in Brasilien

Einrichtung soll Kulturaustausch fördern und Stipendiaten beherbergen

Das Goethe-Institut hat im brasilianischen Salvador da Bahia die neue Künstlerresidenz "Vila Sul" eröffnet. Bei der Eröffnung war auch Bundestagspräsident Norbert Lammert anwesend. Die Einrichtung soll Ort des Austausches für Kulturschaffende, Künstler sowie Wissenschaftler und Publizisten sein, die sich mit Fragen des "Süd-Süd-Dialogs" beschäftigen, wie das Institut in München mitteilte. Die Residenz biete mit einem Studiotheater, zwei Galerien, einem Innenhof und einer Bibliothek "ideale Bedingungen" für Begegnungen in unterschiedlichen Formaten. Der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, nannte als Ziel Kulturaustausch und Koproduktion. Die "Vila Sul" gehe aber noch einen Schritt weiter, denn sie biete deutschen und erstmals auch internationalen Residenten für je zwei Monate eine Plattform, um sich mit dem Themenfeld des globalen Südens auseinanderzusetzen.

"Postfaktisch" zum Wort des Jahres gewählt

Gebrauch des Wortes hat 2016 um ein Vielfaches zugenommen

Die Oxford Dictionaries haben das Wort "post-truth" (postfaktisch) zum internationalen Wort des Jahres 2016 gewählt. Das teilte der Verlag auf seiner Webseite mit. Das Adjektiv beschreibe Umstände, in denen die öffentliche Meinung weniger durch objektive Tatsachen als durch das Hervorrufen von Gefühlen und persönlichen Überzeugungen beeinflusst werde, heißt es in einem Auszug aus dem Wörterbuch. "Angetrieben von dem Aufstieg der Sozialen Medien als Nachrichtenquelle und einem wachsenden Misstrauen gegenüber Fakten, die vom Establishment angeboten werden", habe das Konzept des Postfaktischen seit einiger Zeit an Boden gewonnen, sagte Oxford-Dictionaries-Chef Casper Grathwohl zur Begründung. Untersuchungen hätten ergeben, dass sich der Gebrauch des Wortes "postfaktisch" im Jahr 2016 im Vergleich zum Jahr davor drastisch erhöht habe, hieß es weiter. Vor allem im Zusammenhang mit dem Referendum über einen Austritt Großbritanniens aus der EU und den Präsidentschaftswahlen in den USA habe der Begriff einen Höhepunkt erlebt.

Dylan sagt Teilnahme an Nobelpreisverleihung ab

In Stockholm wird erstmals ein Songwriter geehrt

Bob Dylan wird den Literaturnobelpreis nicht persönlich entgegennehmen. Der 75-Jährige werde der Zeremonie am 10. Dezember in Stockholm fernbleiben, teilte die Schwedische Akademie mit. Dylan habe erklärt, "er wünschte, er könnte den Preis persönlich empfangen, andere Verpflichtungen machten dies aber leider unmöglich". Die Schwedische Akademie hatte dem 75-jährigen Songwriter den Literaturnobelpreis am 13. Oktober für seine poetischen Neuschöpfungen in der US-Songtradition zuerkannt. Es ist das erste Mal, dass ein Songwriter die Ehrung erhält. Dylan ließ sich mehr als zwei Wochen Zeit, um die Auszeichnung überhaupt zu akzeptieren.

400 000 Euro für Wagner-Forschung in Eisenach

VW-Stiftung fördert bedeutende Sammlung bis 2019

Mit 400 000 Euro unterstützt die Volkswagen-Stiftung bis 2019 die wissenschaftliche Erschließung der Richard-Wagner-Sammlung in Eisenach. Die Erforschung der "Oesterlein-Sammlung" - die zweitgrößte Richard-Wagner-Sammlung weltweit - sei damit finanziell abgesichert, teilte die Hochschule für Musik in Weimar mit. Mehr als 20 000 Objekte sollen erschlossen werden. Zur Sammlung gehören mehr als 200 Handschriften und Briefe Wagners, Aufführungspartituren, Plakate, Fotos und Zeitungsausschnitte. Bereits 1895 erwarb die Stadt Eisenach das einzigartige Konvolut des Industriellen und Wagner-Fans Nicolaus J.Oesterlein (1841-1898). Auch mehr als 5500 Bücher an Sekundärliteratur gehören dazu und so gilt die Sammlung als Spiegelbild der Wagner-Rezeption im 19. Jahrhundert. Mit Hilfe der Volkswagen-Stiftung sollen jetzt die kunsthistorisch wertvollen Sammlungsstücke interdisziplinär analysiert und beschrieben werden. Es gibt Seminare und Workshops. Zudem ist eine Ausstellung geplant.

Architekt Kéré plant spektakulären Theaterbau in Berlin

Mobiles Theater soll für die Volksbühne am Flughafen Tempelhof genaut werden

Der Architekt Francis Kéré plant einen spektakulären Theaterneubau für die Volksbühne auf dem Gelände des Flughafens Tempelhof in Berlin. "Ich habe den Auftrag, ein mobiles, temporäres Theater zu entwickeln", sagte er in München bei der Präsentation seiner Werkschau "Francis Kéré. Radically Simple" in der Pinakothek der Moderne. Die runde, amphitheaterähnliche Bühne, die bis zu 1000 Menschen Platz bieten soll, werde sich künftig in einem der Hangars befinden, könne aber auch - genau wie die Flugzeuge - nach draußen fahren. Es ist das erste Projekt des künftigen Intendanten der Volksbühne, Chris Dercon, das bekannt wird. Dercon wird Frank Castorf wohl 2017 nach 25 Jahren im Amt ablösen. Der Architekt hat in seiner Heimat Burkina Faso Schulen und das Operndorf des 2010 gestorbenen Regisseurs Christoph Schlingensief gebaut.

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