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Lesart / Archiv | Beitrag vom 01.02.2018

Zur Zukunft der BibliothekenEine Datei ersetzt kein Buch

Michael Knoche im Gespräch mit Frank Meyer

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Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften in Görlitz. (imago/imagebroker)
Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften in Görlitz. Auch ohne Bücher denkbar? (imago/imagebroker)

Eine Bibliothek ohne Bücher? Für Michael Knoche ist das undenkbar. Die Digitalisierung von Beständen sei wichtig, sie dürfe aber nicht dazu führen, dass Originale leichtfertig "entsorgt" würden.

Millionen von Menschen gehen in die deutschen Bibliotheken. Die Besucherzahlen sind in den letzten Jahren stets gestiegen. Zugleich wird darüber diskutiert, wie die Bibliothek der Zukunft sein soll.

Michael Knoche hat 25 Jahre lang die Anna Amalia Bibliothek in Weimar in Weimar geleitet. In seinem Buch "Die Idee der Bibliothek und ihre Zukunft" wirbt er für einen ausgewogenen Medienmix. Im Deutschlandfunk Kultur sagte Knoche:

"Kann man sich Bibliotheken auch ohne Bücher vorstellen? Ist der Kern der Bibliothek das Buch? Das glaube ich nicht. Ich glaube, dass es Bibliotheken auch gibt in dem Sinne, dass sie für Publikationen generell zuständig ist, egal in welchem Aggregatzustand sie vorliegt."

Wir dürfen den Medienmix nicht vergessen

Der Bibliothekar warnte jedoch eindrücklich vor einer Bibliothek ohne Bücher und kritisierte den Trend zur Digitalisierung:

"Die Mehrheit der bibliothekarischen Gemeinschaft ist im Moment ganz auf der Digitalschiene. Mein Anliegen ist, nochmal zum Nachdenken anzuregen und zu sagen: Natürlich ist die Zukunft der Bibliotheken auch digital, aber wir dürfen den Medienmix, den wir vorhalten, nicht vergessen."

Michael Knoche (imago/Karina Hessland)Michael Knoche (imago/Karina Hessland)

Knoche betonte, solange manche Veröffentlichungen nur als Buch erscheinen würden, brauche man das "Buch als Objekt". Das gelte für die gesamte Kulturgeschichte. An den Originalobjekten könne man viel mehr Erkenntnisse sammeln, als wenn man die Originale in eine Datei umwandle. In manchen Fällen müsse man "das Buch sehen, man muss den Umschlag erkennen, man muss das Papier fühlen können". Erst dadurch verstehe man die Absicht des Autors.

Kritik an den "Digital-Fundamentalisten"

Manche Kollegen seien beim Aussortieren von Originalen "zu leichtfertig", kritisierte Knoche. Die "Digital-Fundamentalisten" seien dazu bereit, die gedruckte Literatur "zu entsorgen". Insgesamt müsse man dazu kommen, eine nationale Sammlungsstrategie zu definieren. "Erst dann können wir auch einigermaßen sicher sein, dass die kulturelle Überlieferung in gedruckter Form künftigen Generationen zur Verfügung steht."

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