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Fazit | Beitrag vom 26.12.2018

Zum Tod von Waltraut Pathenheimer"Man könnte die Geschichte der DEFA anhand ihrer Fotos erzählen"

Anna Luise Kiss im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Cover - Dieter Chill, Anna Luise Kiss (Hg.): "Pathenheimer: Filmfotografin"  (Ch. Links Verlag)
Das Buch "Pathenheimer: Filmfotografin" von Dieter Chill und Anna Luise Kiss (Hg.) gewährt Einblicke in das Schaffen von Waltraut Pathenheimer. (Ch. Links Verlag)

Waltraut Pathenheimer war die erste Filmfotografin der DEFA - und die wichtigste: Ihre Bilder sind kleine Kunstwerke. Am 21.12. starb sie 86-jährig in Berlin. Die Medienwissenschaftlerin Anna Luise Kiss hat 2016 ein Buch über Pathenheimer veröffentlicht.

Sie sei als Medienwissenschaftlerin an der Film-Universität sehr früh mit der DEFA-Geschichte in Berührung gekommen, sagt Kiss. "Das ist eines meiner Forschungsgebiete. Und da bin ich auf diese Standfotos gestoßen, und ich fand diese Fotos einfach unglaublich toll und ausdrucksstark. Durch Dieter Chill, den Mitherausgeber des Buches "Pathenheimer: Filmfotografin", erfuhr ich, dass diese Fotos von Waltraut Pathenheimer, der ersten weiblichen Standfotografin der DEFA stammen."

Ausdrucksstarke Fotografien

Diese Fotos hätten die beiden so sehr fasziniert, dass sie beschlossen hätten, diese prominenter zu machen. So sei die Idee für ihr Buch entstanden. Pathenheimer sei eine sehr konzentrierte Person gewesen,  so Kiss. "Sie hat kein Small Talk gemacht, sondern sie hat die Drehbücher gelesen, die Proben beobachtet. Sie hat immer aus einer Ecke der Szenografie alles beoabachtet. Das hat ihr ermöglicht so ausdrucksstarke Fotografien zu erschaffen. Und diese hohe Professionalität und Qualität der Bilder hat sich dann rumgesprochen, so dass alle mit ihr arbeiten wollten."

Pathenheimer habe sich immer bemüht über den Inhalt zu gehen, und sie habe es vermieden eine formale, starre Handschrift zu entwickeln, so Kiss. "Sie hat sehr stark darauf geschaut was die Schauspieler anbieten, was die Regie, was die Kamera macht. Sie hat sich als eine Art Übersetzerin verstanden." Die subversive Erzählweise guter Regisseure und Schauspieler habe sie sofort verstanden und dadurch habe sie es geschafft, die Ideologie aus den Aufnahmen fernzuhalten. "Die zeitgenössischen Zuschauer haben, glaube ich, sehr gut verstanden was da drin steckte, in den Fotos wie auch in den Filmen."

Abwechslungsreiches Œuvre

Ihr Anspruch sei gewesen dynamisch zu erzählen, eine Bewegung zu erzählen, aber trotzdem immer fotografisch zu bleiben. "Also nicht einfach ein Abklatsch von Filmbildern, sondern eine eigene Art der Fotografie zu schaffen und sich mit diesem Medium sehr ernsthaft und auch theoretisch auseinanderzusetzen."

Pathenheimer habe bis zum Zusammenbruch der DDR gearbeitet, bis zur Schließung der DEFA 1991. Sie habe insgesamt an über 80 Produktionen mitgewirkt. "Ihr Œuvre ist sehr abwechslungsreich. Da gibt es starke Filmbilder und dokumentarische Fotografien und dann auch eine ganze Reihe von Indianerfilmen, die vielleicht etwas genre-fremd anmuten. Aber sie hat es geschafft, in diese Szenen hineinzukriechen und den surrenden Bogen und den Pfeil mitzunehmen. Man könnte die Geschichte der DEFA allein anhand ihrer Fotos erzählen.", urteilt Kiss.

Dieter Chill, Anna Luise Kiss (Hg.):
Pathenheimer: Filmfotografin. DEFA Movie Stills
Ch. Links Verlag, Berlin 2016

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