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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 03.04.2020

Zum Tod von Rüdiger NehbergKämpfer gegen Genitalverstümmelung

Moderation: Ulrike Timm

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Porträt von Rüdiger Nehberg, Überlebenskünstler und Abenteurer, 2010 in Leipzig. (picture alliance / dpa /Tom Schulze)
Der Survival-Experte und Menschenrechtsaktivist Rüdiger Nehberg war ursprünglich Bäcker und Konditor. (picture alliance / dpa /Tom Schulze)

Der Menschenrechtler und Abenteurer Rüdiger Nehberg ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Nehberg hatte mit seinen Aktionen immer wieder für Aufsehen gesorgt und sich später für bedrohte Völker und gegen Genitalverstümmelungen engagiert.

Nehberg hatte sich unter anderem seit Anfang der 80er-Jahre dem Kampf für die bedrohten Yanomami-Indianer im brasilianischen Urwald verschrieben, die er kennenlernte, als er sich wochenlang ohne Ausrüstung durch den Dschungel schlug. Seine spektakulären Aktionen waren immer auch Lobbyarbeit für die bedrohten Indigenen, die seinen Angaben zufolge 2000 endlich einen "akzeptablen Frieden" erhielten.

Später wandte er sich dem Kampf gegen Genitalverstümmelung von Frauen und Mädchen zu. Der gelernte Bäcker und Konditor arbeitete parallel noch lange in seinem angestammten Beruf und führte bis 1990 in Hamburg einen eigenen Betrieb. Seine Bücher wurden Bestseller, sein Image als wunderlicher "Würmerfresser" störte ihn nicht.

In einem Gespräch vom 6. Mai 2015 sprach Rüdiger Nehberg über seine Abenteuer und sein politisches Engagement. An dieser Stelle können Sie das Interview noch einmal nachhören.

Für die Menschen in der Stadt war Rüdiger Nehberg der Spezialist für den Umgang mit der unwirtlichen Natur. Er erklärte, wie man überlebt, indem man Würmer isst und aus der Baumrinde das letzte bisschen Nährstoff herausholt. Im Jahr 2000 gründete er die Organisation Target, die sich gegen Genitalverstümmelungen bei Frauen engagiert.

Die Ent-Menschlichung von Frauen

Frauen, die eine Genitalverstümmelung erlitten, werde die Würde geraubt, sagte Nehberg: "Man ent-menscht sie eigentlich, man macht sie zu Gebrauchsgegenständen – und das im Namen der Religion."

Das gesellschaftliche Milieu spiele dabei keine Rolle: "Ob jemand gebildet ist oder ungebildet, reich oder arm – alle praktizieren es, ohne Ausnahme."

Sein Ziel war es daher, die Schlüsselrolle von Saudi-Arabien zu nutzen, um den Brauch zur Sünde erklären zu lassen. Er wollte die Muftis von Mekka dazu bewegen, die Verstümmelung von Frauen mit einer Fatwa, einem religiösen Bann, zu belegen. Eine Religion müsse sich schämen, wenn sie sich so etwas in die Schuhe schieben lasse: "Da muss ein klares Wort her."

Dass ihm angesichts seines hohen Lebensalters nicht mehr viel Zeit blieb, war für Rüdiger Nehberg kein Grund, sein Eintreten gegen die Genitalverstümmelung zu beenden:

"So lange ich noch dampfe, werde ich mich da weiter engagieren."

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Studio 9

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