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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 10.09.2015

Zum Tod von Liedermacher Christof StählinHaltung war ihm wichtiger als Popularität

Von Holger Beythien

Der Liedermacher, Dichter, Kabarettist und Schriftsteller Christof Stählin, aufgenommen 2010 in Hechingen. mit seiner Vihuela. (picture alliance / dpa / Uwe Anspach)
Der Liedermacher, Dichter, Kabarettist und Schriftsteller Christof Stählin, aufgenommen 2010 in Hechingen. mit seiner Vihuela. (picture alliance / dpa / Uwe Anspach)

Der Liedermacher, Kabarettist und Schriftsteller Christof Stählin ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Zeit seines Lebens wirkte er emsig als Bewahrer der deutschen Sprache. Die jüngere Generation riss sich um Plätze in seiner Schule für "Poesie und Musik".

Christof Stählin ist tot. Ein Liedermacher im besten Sinne des Wortes, ein Schriftsteller und Kabarettist. Ein Künstler, der Zeit seines Lebens als Bewahrer der deutschen Sprache emsig wirkte. Sein Poesie- und Lyrikverständnis, seine Begabung, dem Wort musikalische Dimensionen zu erschließen, ohne die von ihm immer wieder eingeforderte Sinnlichkeit eines Liedes zu zerstören – all das prägte jüngere Generationen von Liedermachern, Kabarettisten und Chansonniers.

Seine Schule für "Poesie und Musik", einfach SAGO genannt, in denen hochtalentierte, angehende wie gestandene Lieder machende Kolleginnen und Kollegen ihr Handwerk verfestigen sollten, erwies sich als nachhaltige Talentschmiede. Judith Holofernes und Dota Kehr, Bodo Wartke, Sebastian Krämer, Danny Dziuk und viele andere – sie rissen sich um diese mehrtägigen, bis weit in die Nacht gehenden Kurse. Und dankten es ihm 2013 mit einer CD, auf der sie die besten Lieder ihres Mentors auf ihre Weise präsentieren.

Stählin sorgte sich um seinen Berufsstand

Am liebsten stand dieser feingeistige "Grandseigneur der Liedermacher", dem Comedy und alles "alberne ohne Hintersinn" fremd war, allein mit seiner Vihuela auf der Bühne. Eine Freundin. Eine Gefährtin. Liebevoll hielt er sie in den Händen, wie ein zerbrechliches Gut. Sprach mit ihr. Die Moderationen zwischen den leisen Liedern gerieten oft zu lustvollen Ausflügen in philosophische Gefilde, in die ihm jeder nachfolgen konnte. Er liebte die Geschichte, zog aus ihr das Wissen um die Gegenwart.

Ein Intellektueller, der Weisheit vermitteln konnte. Der sich Sorgen machte um die Welt, und um den Berufsstand des Liedermachers – um dessen Passion, Ethik und Ruf. Haltung war ihm wichtiger als Popularität, musikalische Moden interessierten ihn nicht. Liedermacher war für ihn ein Beruf, zu dem er sich immer bekannte. Den er liebte. Wie das Leben und die Welt. Und das mit einem unerschütterlichen Optimismus und einem tiefen Glauben an das Gute im Menschen. Christof Stählins Tod reißt eine tiefe, klaffende Wunde in die deutsche Liedermacherszene. Seine Lieder werden weiteleben. Und das ist tröstlich.

Mehr zum Thema:

Der stille Meister Christof Stählin zum 70.
(Deutschlandfunk, Querköpfe, 20.06.2012)

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