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Kompressor | Beitrag vom 12.02.2020

Zum Tod von Joseph VilsmaierDer Erneuerer des Heimatfilms

Michael Watzke im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Porträt des Filmemachers Joseph Vilsmaier. (Picture Alliance / dpa / Tobias Hase)
Der Filmemacher Joseph Vilsmaier ist im Alter von 81 Jahren gestorben. (Picture Alliance / dpa / Tobias Hase)

Mit Filmen wie „Schlafes Bruder“ oder „Comedian Harmonists“ ist er berühmt geworden. Im November läuft sein letzter Film „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“. Jetzt ist der bayerische Filmemacher Joseph Vilsmaier im Alter von 81 Jahren gestorben.

Mit der Literaturverfilmung "Schlafes Bruder" (1995) und dem Film "Comedian Harmonists" (1997) über das weltberühmte Vokalensemble aus Berlin ist er weit über seine bayerische Heimat hinaus bekannt geworden. In Erinnerung bleiben wird der Filmemacher Joseph Vilsmaier vor allem als Heimatfilmer.

Unser Bayern-Korrespondent Michael Watzke hat Vilsmaier zuletzt vor zwei Jahren getroffen. Vilsmaier rauchte ein Zigarillo nach dem anderen und erzählte. Vor allem von seiner Frau, der tschechischen Sängerin und Schauspielerin Dana Vávrová. Sie hat eine Hauptrolle in seinem ersten Film "Herbstmilch" (1988) gespielt. 2009 ist sie mit 41 Jahren an Krebs gestorben. "Das hat ihn sehr geprägt, dass seine junge Frau vor ihm gestorben ist", erinnert sich Watzke.

"Spät zu großen Ehren gekommen"

Vilsmaier kam erst spät zum Filmemachen. Er studierte Musik und arbeitete als Materialassistent und Kameramann. Mit fast 50 Jahren hat er zum ersten Mal Regie geführt: "Herbstmilch" wurde ein eindrucksvoller Film über das harte Leben der niederbayerischen Bäuerin Anna Wimschneider. Für Watzke fast der schönste Film seiner Karriere, weil "alle Figuren so ganz natürlich zusammenpassen und auf wundersame romantische Weise miteinander umgehen, das hat er später nicht mehr erreicht."

Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte Vilsmaier mit dem Film "Schlafes Bruder" (1995) mit Ben Becker. Der Film war für einen Golden Globe nominiert. "Er ist wirklich spät zu großen Ehren gekommen", sagt Watzke. Vilsmaier habe den bayerischen Heimatfilmen eine neue Richtung gegeben. "Rama dama" (1991), "Herbstmilch" oder "Schlafes Bruder" seien erfolgreiche Filme gewesen, aber noch keine Schnulzen: "Schade, dass er diese Richtung nicht weitergegangen ist."

Später sei sein Werk etwas in den Kitsch abgedriftet und hätte an "mageren Dialogen" gelitten, und daran, "dass die Figuren manchmal von der Kulisse erschlagen wurden". Vilsmaier sei eben auch als Regisseur immer ein Kameramann geblieben, der die großen und monumentalen Bilder geliebt habe.

Die Bayern lieben ihn

Zuletzt drehte er Heimtatfilme mit Namen wie "Bavaria – Traumreise durch Bayern" oder "Bayern – sagenhaft". Die Bayern würden ihn für diese Filme über die Berge und die Heimat lieben, sagt Watzke: "Für seine Bildsprache wird man Joseph Vilsmaier auf ewig erinnern."

Kritik an einem vermeintlich verkitschten Bezug zur deutschen Geschichte, etwa in dem Film "Stalingrad" (1993), kann Watzke nicht nachvollziehen. Auch einen versöhnlichen Ton in der Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte könne man Vilsmaier wegen Filmen wie "Der letzte Zug" (2006) nicht vorwerfen.

Vilsmaiers letzter Film heißt "Der Boandlkramer und die ewige Liebe". Er kommt im November in die Kinos, mit dabei sind Michael Bully Herbig und Hape Kerkeling. "Boandlkramer" nennen die Bayern den Gevatter Tod: "Das passt irgendwie. Nicht, weil der ,Boandlkramer‘ so eine schreckliche Figur wäre, sondern weil er eine verschmitzte Figur ist in der bayerischen Sagenwelt, und das war Joseph Vilsmaier auch, und das wird er bleiben", sagt Watzke.

Am 11. Februar ist Joseph Vilsmaier im Alter von 81 Jahren in München gestorben.

(sed)


"Mein Leben war Fasching", sagt Joseph Vilsmaier im Nachruf von Markus Aicher. Den Nachruf, in dem es auch um Vilsmaiers biografische Erfahrungen zu seinen Filmen geht, können Sie hier nachhören:

Der Regisseur Jo Baier ("Schiefweg", "Die Heimkehr") kannte Joseph Vilsmaier seit über 30 Jahren und charakterisiert ihn als "herzlich, gradlinig und großzügig". Das Interview zum Nachhören:

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