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Lesart | Beitrag vom 14.12.2020

Zum Tod von John le CarréDer Spion, der Spionageromane schrieb

Thomas Wörtche im Gespräch mit Andrea Gerk

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Der britische Bestsellerautor John le Carré. (dpa / Christian Charisius)
Der britische Bestsellerautor John le Carré ist im Alter von 89 Jahren gestorben. (dpa / Christian Charisius)

Der Autor John le Carré ist tot. Seine Romane seien stilprägend für das Genre des Politthrillers, sagt Literaturkritiker Thomas Wörtche. Der Brite habe die Figur des "Anti-Bond" entwickelt und Geheimdienstarbeit als dreckiges Geschäft geschildert.

Am Samstag ist der britische Autor John le Carré im Alter von 89 Jahren an einer Lungenentzündung gestorben. Vor seinem Leben als Autor war er Diplomat und nannte sich noch David Cornwell. Außerdem arbeitete er für die britischen Geheimdienste MI5 und MI6.

Seit den 1960er-Jahren schrieb er Spionageromane – er avancierte zum Bestsellerautor mit Millionenauflage. Der internationale Durchbruch gelang ihm 1963 mit "Der Spion, der aus der Kälte kam". Mehrere seiner Bücher wurden erfolgreich verfilmt.

Aktenstudium statt Abenteuer

Die Geheimdienstarbeit sei in seinen Romanen kein schickes Abenteuer gewesen, erklärt Krimi-Experte und Kritiker Thomas Wörtche. Carré erfand den "Anti-Bond", die Geheimdienstarbeit als Aktenstudium. "Eigentlich hat er uns gezeigt, dass Geheimdienstarbeit immer schmutzig ist, egal von welcher Seite sie betrieben wird", sagt Wörtche.

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Mit Ende des Kalten Krieges hätten sich auch die Themen des Spionageromans erschöpft, hieß es nach der Wende 1989. Le Carré bewies das Gegenteil. Seine Themen waren vielfältig, ob Pharmaindustrie, russische Mafia oder Waffenhandel, "was auch immer auf diesem Planeten gestunken hat, da hat er mit zunehmender Altersradikalität darauf eingeprügelt", sagt Wörtche. "Also sehr engagiert, sehr moralisch, aber immer auch auf einem hohen literarischen Niveau."

Ein Moralist bis zum Ende

Er sei ein Moralist gewesen, sagt Wörtche. Sein letzter Roman "Federball" rege sich sehr polemisch über den Brexit auf. "Das war noch mal ein Statement", so Wörtche. "Und er hat lustigerweise letztes Jahr noch die irische Staatsbürgerschaft beantragt, um EU-Bürger bleiben zu können."

Kein ernsthafter Autor von Politthrillern komme an le Carré vorbei. Bis heute sei er "stilbildend", sagt Wörtche und habe "eine unendliche Relevanz".

Der Historiker und Krimiautor Christian von Ditfurth lobte im "Fazit"-Interview Le Carrés "sehr fein ziselierte Darstellung des Alltags der Geheimdienstarbeit" und nannte ihn einen "Mann des Kalten Krieges":

(nho)

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