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Kompressor | Beitrag vom 23.06.2020

Zum Tod von Joel SchumacherDesigner der seltsamen Filme

Patrick Wellinski im Gespräch mit Timo Grampes

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Regisseur Joel Schumacher in einem New Yorker Theater. (Laif / NYT / Redux / Benjamin Norman)
Der Regisseur Joel Schumacher (1939-2020) (Laif / NYT / Redux / Benjamin Norman)

Mit "Batman"- und John Grisham-Verfilmungen war er in den 80er- und 90er-Jahren in Hollywood präsent. Von dem Regisseur Joel Schumacher bleibt aber vor allem ein durchdrehender Kleinbürger in Erinnerung, sagt unser Filmkritiker Patrick Wellinski.

Mit blutsaugenden Vampiren im kalifornischen Santa Clara ging die Karriere von Joel Schumacher so richtig los: Der Film "The Lost Boys" aus dem Jahr 1987 wurde sein erster Hit. Er habe mit dem Film den Nerv einer wilden, jungen Schauspielergeneration getroffen, zu denen auch Emilo Estevez, Demi Moore oder John Cusack gehörten, sagt unser Filmkritiker Patrick Wellinski.

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Schumacher sei als "Selfmade-Regisseur" bei diesen Darstellern auf Vertrauen gestoßen. Heute könne man sich diese Filme jenseits eines Nostalgie-Faktors jedoch leider nicht mehr wirklich ansehen.

Schumacher war gelernter Modedesigner, hatte als Schaufensterdekorateur in New York gearbeitet und kam dann als Kostümdesigner nach Hollywood. Den Spaß an der Kleidung und die Möglichkeit, durch sie Charaktere zu schaffen, erkenne man zum Beispiel in Filmen wie "Batman Forever", sagt Wellinski.

Kein eigenes Genres gefunden

Mit dem Film habe Schumacher ein knallbuntes, expressionistisches Gotham-City kreiert, das sich klar von der düsteren Batmanwelt seines Vorgängers Tim Burton abgesetzt habe. Schon mit dem zweiten "Batman"-Teil habe dieser Stil dem Publikum jedoch nicht mehr gefallen.

Nach dem Flop von "Batman & Robin" habe sich Schumacher in vielen Genres versucht, ohne jedoch sein eigenes zu finden, sagt Wellinski. Auch habe Schumacher keine bestimmten Themen oder Motive weiterverfolgt. So seien "sehr seltsame Filme" entstanden wie "Nicht auflegen!" oder Flops wie "Acht Millimeter" mit John Cage, "die immer etwas Verrücktes haben – aber über dieses Verrückte nicht hinausreichen können", sagt Wellinski.

Am ehesten bleibe von Schumachers Werk der durchdrehende Kleinbürger Michael Douglas in dem Film "Falling Down" hängen: "Das hätte ein berührendes, subversives Porträt von Los Angeles sein können, wenn die Wut von Michael Douglas nicht so ausbuchstabiert gewesen wäre". Bei diesem Film könne man jedoch noch heute das Potential von Schumacher erkennen.

Am Montag ist Joel Schumacher mit 80 Jahren an Krebs gestorben.

(sed)

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