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Fazit | Beitrag vom 25.07.2021

Zum Tod von Herbert KöferBeliebter Volksschauspieler ohne Allüren

Von Susanne Burkhardt

Herbert Köfer blickt in die Kamera. (picture / dpa / ZB / Kirsten Nijhof)
Vielseitig, bescheiden und mit Guiness-Buch-Einträgen: Herbert Köfer wurde 100 Jahre alt. (picture / dpa / ZB / Kirsten Nijhof)

Herbert Köfer war über Jahre der älteste aktive Schauspieler der Welt - doch bekannt war er vor allem im Osten Deutschlands. Er stand noch mit 100 Jahren auf der Bühne oder vor der Kamera. Ein Rückblick auf eine einzigartige Künstlerkarriere.

Gleich zweimal stand er im Guinness-Buch der Rekorde: als "ältester, prominenter, noch aktiver Trabrennfahrer" und als "ältester aktiver Schauspieler der Welt". Auf Wunsch der Eltern fing Herbert Köfer 1937 eine kaufmännische Lehre an, die er aber nach nur sechs Monaten verließ. Zu stark war der Wunsch zu spielen. Er wechselte von der Lokomotivfabrik an die Schauspielschule des Deutschen Theaters. Und fand den "Treibstoff" seines Lebens, wie er gern sagte: die Schauspielerei.

Mehr als 80 Jahre lang vor der Kamera

Mehr als 80 Jahre stand er vor der Kamera - für mehr als 300 Film- und Fernsehproduktionen, diverse Shows und Sketche auf den verschiedensten Bühnen. Und in all diesen Jahren betrat er auch immer wieder Neuland: zum Beispiel 1952 als erster Nachrichtensprecher der Aktuellen Kamera im DDR-Fernsehen.

Herbert Köfer hatte die Gabe, über sich selbst lachen zu können. Er trat nie als Star auf und konnte sich selbst auf die Schippe nehmen. Er war Dauergast von Unterhaltungsshows wie "Ein Kessel Buntes" und in beliebten DDR-Fernsehschwänken. Mit Spielpartnerin Helga Göring an seiner Seite wurde er zum DDR-Fernsehliebling - vor allem durch Vorabendserien wie "Renter haben niemals Zeit" oder "Geschichten übern Gartenzaun". 

Populär als Schauspieler, aktiv als SED-Funktionär

Man kann Herbert Köfer zur seltenen Spezies der echten Volksschauspieler zählen. So beliebt war er und gleichzeitig vielseitig und schwer zu reduzieren auf einen Typus. Denn er konnte auch das Ernste: Er spielte neben Annekathrin Bürger und Wolfgang Langhoff in "Kleiner Mann - was nun?" oder 1963 im DEFA-Film "Nackt unter Wölfen" den KZ-Kommandanten Hauptsturmführer Kluttig an der Seite von Armin Müller-Stahl.

Auch das Ende der DDR war ein Neuanfang für Herbert Köfer. Als Mitglied der SED und zwischenzeitlich sogar gewählter Berliner Stadtverordneter hatte er sich im Sozialismus eingerichtet. Rückblickend fand er, er hätte vielleicht hier und da kritischer sein müssen. Im neuen Deutschland ging es beruflich aber fast nahtlos weiter. In der Vorabendserie "In aller Freundschaft" spielte er mit hundert Jahren einen 90-jährigen - auch das Neuland im Fernsehen.

Herbert Köfer, das war ein freundlicher, bescheidener Mann, ohne Allüren, einer, der wusste, worauf es wirklich ankommt im Leben. Und weil ein Mann, der mit 99 Jahren sagt: "Das Leben ist so schnell vorbeigegangen" vermutlich ein sehr bewusstes und intensives Leben gelebt hat, muss man sich Herbert Köfer - zuletzt verheiratet mit seiner dritten Ehefrau Heike - als einen glücklichen Menschen vorstellen - privat und im Beruf. Seine letzte Rolle spielte Herbert Köfer in einer Komödie. Der Titel: "Gesegnetes Alter".

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