Seit 17:00 Uhr Nachrichten

Sonntag, 22.09.2019
 
Seit 17:00 Uhr Nachrichten

Fazit / Archiv | Beitrag vom 07.03.2019

Zum Tod von Carolee SchneemannPionierin der feministischen Body-Art

Sabine Breitwieser im Gespräch mit Britta Bürger

Beitrag hören Podcast abonnieren
Die Künstlerin Carolee Schneemann (dpa)
Die Künstlerin Carolee Schneemann ist im Alter von 79 Jahren gestorben. (dpa)

Die amerikanische Künstlerin Carolee Schneemann ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Die Kuratorin Sabine Breitwieser erzählt von einer Künstlerin mit einem früh ausgeprägten "Willen, eine emanzipierte Rolle zu spielen und als Frau selbst zu bestimmen".

Diese Frau war wirklich radikal: die amerikanische Malerin, Performance- und Videokünstlerin Carolee Schneemann. Nun ist die Pionierin der feministischen Körperkunst im Alter von 79 Jahren gestorben. Ihr war die Arbeit mit ihrem eigenen Körper, mit ihrer eigenen Sexualität wichtig. Das waren lustvolle Choreographien, die sie in Performances und Videos als Body-Art gelebt hat – noch bevor Künstlerinnen wie Valie Export oder Marina Abramovic mit ähnlichen Arbeiten bekannt geworden sind.

Erst 2015 hatte man ihr im Salzburger Museum der Moderne die erste große Einzelretrospektive gewidmet, eine Ausstellung, die dann auch in New York und in Frankfurt zu sehen war - damals kuratiert von Sabine Breitwieser. Vor zwei Jahren erhielt Carolee Schneemann auf der Biennale in Venedig den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk.

Kinetische Malerei

Sabine Breitwieser erklärt im Deutschlandfunk Kultur, dass Schneemann als Malerin ausgebildet wurde und dort wahrscheinlich eine ähnliche Erfahrung machte, wie viele Frauen sie damals machten. Schneemann habe sich beispielsweise als Akt selbst gemalt, wofür sie von der Schule verwiesen wurde. Wenn man männlichen Künstlern Modell stehe, passiere so etwas nicht, erklärt Breitwieser.

"Schneemann will beides sein: Hinter der Kamera, wie sie das genannt hat, sie hat fotografische und filmische Medien genutzt, und vor der Kamera - in ihrer wirklich bahnbrechenden Arbeit 'Eye Body', wo sie sich in einem Environment in ihrem Studio in einer Umgebung von zahlreichen Werken, die sie 'Kinetische Malerei' nannte, also vor Gemäldekonstruktionen, selbst bemalt und vor der Kamera vor ihrem Assistenten posiert hat." Ganz früh sei hier ein klarer Wille zu erkennen gewesen, "eine andere Rolle, eine emanzipierte Rolle zu spielen, als Frau selbst zu bestimmen".

Sah sich als Malerin

Sie habe sich bis zum Ende ihres Schaffens als Malerin gesehen und auch betont, dass Ihre Arbeiten als Malerei zu betrachten seien. Schneemann habe dabei ganz unterschiedliche Formate ausprobiert. So stamme zum Beispiel "der erste Film, der den Geschlechtsakt jenseits von Pornografie und aus der Sicht einer Frau und aus der gemeinschaftlichen Sicht eines Paares zeigt, wo die Frau nicht die Ausgebeutete ist, das erotische, unbestimmte, benutzte Objekt ist", von ihr. - "Ein Meilenstein im Experimentalfilm, aber auch im Feminismus. Man kann ihn aber auch von der Malerei her betrachten und von der Collage- und Assemblage-Kunst."

In diesem Film wird der Geschlechtsakt zwischen ihr und ihrem damaligen Freund James Tenney - aufgenommen über einen Zeitraum von mehreren Jahren - aus verschiedenen Perspektiven, auch der ihrer Katze, gezeigt. Zum Teil sei der Film verbrannt und collagiert worden, woraus eine Poesie eines Paares entstanden sei, das sich sehr liebe - auch geschlechtlich.

Immer kritisch Stellung bezogen

Schneemann sei aber auch eine politische Künstlerin jenseits des Feminismus gewesen. Sie habe immer kritisch zu Grausamkeiten der Zeit Stellung bezogen, so zum Beispiel zur Zeit des Vietnamkriegs in ihrem Theaterstück "Snows". Zuletzt sei sie sehr besorgt über die Entwicklungen unter Trump und deren Auswirkungen auf die USA und die Welt gewesen, berichtet Breitwieser.

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 17Wirtschaftswunder, Winnetou und Wurst?
Olaf Hoerbe als Intschu-tschuna spielt während der Hauptprobe von "Winnetou " auf der Felsenbühne in Rathen, Sachsen. (dpa /  Matthias Rietschel)

Wie reagieren Theater auf veränderte gesellschaftliche Bedingungen in Zeiten des erstarkenden Rechtspopulismus? In einer Umfrage haben 32 Theaterleiter in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen darauf geantwortet.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur