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Kompressor | Beitrag vom 25.01.2021

Zum Tod des Universalkünstlers Arik BrauerGalionsfigur der psychedelischen Moderne

Robert Rotifer im Gespräch mit Gesa Ufer

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Der Künstler Arik Brauer lacht in die Kamera. (picture alliance / APA / Robert Jaeger)
Der Künstler Arik Brauer gehörte zu den Hauptvertretern der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. (picture alliance / APA / Robert Jaeger)

Der Universalkünstler Arik Brauer ist tot. Als Maler zählte er zur Wiener Schule des Phantastischen Realismus, als Musiker geißelte er die Konsumgesellschaft. Noch über 90-jährig sorgte Brauer für Kontroversen, sagt der Journalist Robert Rotifer.

Österreich trauert um Arik Brauer. Der Universalkünstler starb im Alter von 92 Jahren in Wien. Brauer betätigte sich als Sänger, Architekt und Maler.

Als er in den 1970er-Jahren ein Album veröffentlichte, war er schon ein anerkannter Künstler. "Er war schon 41 Jahre alt, für damalige Verhältnisse viel zu alt für einen Popstar", sagt London-Korrespondent Robert Rotifer, der in Wien geboren wurde und dort aufwuchs.

Protestsongs auf Wienerisch

Brauers Lieder waren Protestsongs, in Mundart gesungen, gegen Wohlstandsbürger oder die Konsumgesellschaft und für Umweltschutz. Dies passte auch gut zu seiner Malerei, sagt Rotifer:

"Diese verschlungenen Pflanzen, die von so mystischen Fabelwesen bevölkerten, märchenhaften Traumlandschaften seiner Bilder, die hatten unzweifelhaft etwas Psychedelisches. Arik Brauer war an der Akademie der Bildenden Künste in Wien ein Schüler von Albert Paris Gütersloh gewesen, dem sogenannten Vater der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Und Brauer war dann eben von Mitte der 60er-Jahre an neben Ernst Fuchs, Anton Lehmden, Rudolf Hausner, Wolfgang Hutter oder Maître Leherb ein Aushängeschild dieser auch nicht ganz unumstrittenen Kunstrichtung."

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Brauer stand in den 70er-Jahren für die Idee eines progressiven Österreichs, erklärt Rotifer. Er galt als eine "Galionsfigur der Musik und Kunst" in einer Gesellschaft, die sich von der NS-Zeit absetzten wollte.

Der Vater wurde 1944 im KZ ermordet

Brauer habe "alle Auszeichnungen, die so gibt umgehängt bekommen", sagt Rotifer und sei bis heute in Österreich sehr populär. "Es gab auch zu seinem 90. Geburtstag eine Ausstellung im Jüdischen Museum, wo auch viel von seiner persönlichen Geschichte kommuniziert wurde, zum Beispiel darüber, dass sein Vater 1944 im KZ ermordet wurde. Er selbst musste sich ja verstecken in der Kriegszeit."

Allerdings gab es auch einige Kontroversen um den gefeierten Künstler. Als im Jahr 2018 die rechtspopulistische FPÖ zusammen mit der konservativen ÖVP an der Regierung war und das Gedenkkomitee des Konzentrationslagers Mauthausen die FPÖ-Vertreter auslud, habe Arik Brauer dies als "schweren Fehler" bezeichnet, so Rotifer.

Kontroverse um hausgemachten Antisemitismus

Auch in der sogenannte "Liederbuch-Affäre", einer Auseinandersetzung "über antisemitische Lieder, die in den Liederbüchern studentischer Verbindungen, die wieder mit der FPÖ in Verbindung sind, vorkommen", habe der Künstler in fragwürdiger Weise Stellung bezogen.

"Brauer hat in diesem Zusammenhang und auch später in Interviews wiederholt erklärt, dass er sich nicht vor den Burschenschaftern mit den Säbeln fürchte, sondern das Problem in der Einwanderung antisemitischer Flüchtlinge aus dem arabischen Raum sehe", erinnert sich Rotifer. Das habe "nicht nur vielen fremdenfeindlichen Leuten in Österreich leider Bestätigung gegeben", sondern auch zu dem Selbstbild beigetragen, "dass der hausgemachte Antisemitismus nicht so schlimm wäre."

Diese Aussagen hätten bei ihm einen "unangenehmen Nachgeschmack hinterlassen", sagt Rotifer, und fügt hinzu: "Es wäre schön, wenn die Relativierung des österreichischen Antisemitismus nicht das ist, was von Arik Brauers farbenfrohem Schaffen als letztes Wort bleibt, sondern seine Bilder und die Lieder."

(nho)

Der Direktor der Albertina in Wien, Klaus Albrecht Schröder, kannte Arik Brauer seit Langem persönlich. Auch wer dem Phantastischen Realismus reserviert gegenüber stand, sei dem Witz, der Bildung und der Art des Erzählens von Brauer verfallen, sagt er:

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