Seit 10:05 Uhr Im Gespräch
Donnerstag, 13.05.2021
 
Seit 10:05 Uhr Im Gespräch

Tonart | Beitrag vom 21.04.2021

Zum Tod des Songwriters Jim SteinmanRock, Wagner und Biker-Kultur

Jens Balzer im Gespräch mit Martin Böttcher

Jim Steinman lehnt an einer Wand, trägt Lederjacke und eine lederne Krawatte (Schwarz-Weiß-Fotografie) (picture alliance / Avalon / Paul Cox)
Steinmans Stil sieht Jens Balzer als "überlebensgroß, grell, überwältigend, bombastisch, heute würde man sagen: rockistisch. Damals sagte man: wagnerianisch." (picture alliance / Avalon / Paul Cox)

Jim Steinman schuf mit Musikern wie Meat Loaf und Bonnie Tyler Welthits. Nun ist der Komponist und Produzent gestorben. Seine Musik wirkte aus der Zeit gefallen und war dennoch – oder gerade deshalb – sehr erfolgreich, sagt Popkritiker Jens Balzer.

Sein Name ist nicht allzu bekannt – doch die meisten dürften einen Song kennen, der von Jim Steinman stammt. Etwa "You Took the Words Right Out of My Mouth" von Meat Loaf, "Total Eclipse of the Heart" von Bonnie Tyler oder "This Corrosion" von den Sisters of Mercy.

Der Komponist und Produzent Jim Steinman ist am Montag, den 19.4., im Alter von 73 Jahren in den USA gestorben. Die Todesursache ist bislang nicht bekannt.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Steinman arbeitete für zahlreiche Künstler. Er habe, so Popkritiker Jens Balzer, "Céline Dion groß herausgebracht und die Erkennungsmelodie für Hulk Hogan geschrieben, den Wrestler". Auch mit Take That arbeitete er zusammen.

Meat Loaf als perfekte Projektionsfläche

"Er war als Komponist, Texter und Produzent eine der bedeutendsten und erfolgreichsten Figuren der letzten Jahrzehnte." Und das, obwohl – oder vielleicht auch gerade weil – sein musikalischer Stil, seine Ästhetik aus der Zeit gefallen wirkten, so Balzer. "Sein Stil war überlebensgroß, grell, überwältigend, bombastisch, heute würde man sagen: rockistisch. Damals sagte man: wagnerianisch."

Damit sei er erstmals in der Mitte der 70er erfolgreich geworden, als eigentlich alle Zeichen auf Düsternis, Rückzug, Minimalismus gestanden hätten, auf Primitivität, Do-it-yourself und auf die Dekonstruktion überkommener Geschlechterrollen. 1977, in dem Jahr, in dem Punk zur prägenden Jugendkultur wurde, war das erfolgreichste Album "Bat Out of Hell" von Meat Loaf, komponiert von Jim Steinman.

Steinman wurde 1947 in New York geboren. Er sei aus gutem Hause gekommen, habe Klavierunterricht gehabt und sei von früher Jugend an großer Wagner-Fan gewesen, erklärt Balzer. Er habe am Elite-College in Amherst studiert und dort Musik für Brecht-Inszenierungen geschrieben. Bei einer Produktion, bei der er mitarbeitete, lernte er Marvin Lee Aday kennen, wie Meat Loaf mit bürgerlichem Namen heißt. In ihm habe er die perfekte Projektionsfläche für seine musikalischen Ideen gesehen, habe Steinman einmal gesagt; für seinen Wunsch, Rock und Wagner zu verbinden.

Mit der Vergangenheit seiner Zeit voraus

In dem Album "Bat Out of Hell", auch in dessen Cover, verbänden sich Wagner und Shakespeare mit der Biker-Kultur und der Retro-Helden-Ästhetik, die in den 80ern dann zu den "Conan"-Filmen mit Arnold Schwarzenegger führten, so Jens Balzer. Die gewissermaßen epochale Bedeutung von Steinman sei: "Er greift entschlossen auf die Vergangenheit zurück – und ist damit seiner Zeit weit voraus, weil gerade diese Art von Retro-Ästhetik in den 80ern dann wieder zeitbestimmend sein wird."

Seine Kunst bewege sich "on the tightrope of being thrilling and silly", hat Steinman später einmal gesagt, also auf dem schmalen Grat zwischen Überwältigung und Albernheit.

(abr)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Tonart

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur