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Fazit | Beitrag vom 02.03.2018

Zum Tod des Musik-Verlegers Achim Bergmann"Er ließ sich nie den Mund verbieten"

Musikjournalist Carsten Bayer im Gespräch mit Elena Gorgis

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Der verstorbene Chef des Musik-Labels Trikont, Achim Bergmann, steht vor einer Wand mit LP-Hüllen. (Sebastian Weidenbach)
Der verstorbene Chef des Musik-Labels Trikont, Achim Bergmann (Sebastian Weidenbach)

Eigenständig und eigenwillig: So lässt sich Musik-Verleger Achim Bergmann am besten beschreiben. Als Chef des Münchner Trikont-Labels veröffentlichte er Musik von Ton Steine Scherben oder La Brass Banda - und wandte sich offen gegen die AfD. Jetzt ist er im Alter von 74 Jahren gestorben.

Bergmann sei ein sehr unabhängiger Mensch gewesen, sehr knorrig. "Jemand, der sich von niemandem den Mund hat verbieten lassen. Dabei aber immer höflich und bescheiden", erzählte Musik-Kritiker Carsten Bayer. Wohl auch ein Grund, warum es auf der vergangenen Frankfurter Buchmesse zu folgendem Zwischenfall kam: Bergmann habe etwas in die Menschenmenge einer Veranstaltung der "Jungen Freiheit" mit dem Publizisten Karlheinz Weißmann* gerufen – "Halt's Maul, oder sowas" – und war daraufhin ins Gesicht geschlagen* worden.

Gewalttat auf Frankfurter Buchmesse

Die Gewalttat habe ihn "in seinem Handeln bestärkt", meinte Bayer. "Wenn überhaupt, dann zeigt das eben nur einmal mehr, dass Achim Bergmann auch in dieser Hinsicht nicht aus seiner Haut konnte."

Das Trikont-Label wurde ursprünglich 1967 als Buchverlag gegründet, von Herbert Röttgen und Gisela Erler. Veröffentlicht wurden unter anderem Che Guevara, Ho Chi Minh und Fidel Castro. In den 70er-Jahren dann Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit.

Musik aus dem linksalternativen Spektrum

Die Musik sei später dazugekommen. "Aber auch da kamen die ersten Veröffentlichungen aus dem linken und linksalternativen Spektrum, beispielsweise Ton Steine Scherben oder die Musik von Pete Seeger", so Bayer. Auch die erste explizit feministische Platte in Deutschland "Lieder von Frauen - Von heute an gibt's mein Programm" und das Album "Schwul" von der Gruppe "Warmer Südwind". "Trikont hat da einfach eine ganze Menge ganz wichtiger Akzente gesetzt", so Bayer.

La Brass Banda fing bei Trikont an

Nach der Trennung von Buchverlag und Label in den 80er-Jahren wurde Bergmann einziger Gesellschafter des Musikverlags Trikont. Er sorgte dafür, dass es weiterging, mit Künstlern wie Walter Mossmann oder Hans Söllner. Aber Bergmann habe auch musikalische Akzente gesetzt, so Bayer. "Er hat zum Beispiel als einer der ersten erkannt, welches Potenzial die Renaissance der bayrischen Volksmusik hat. Eine Band wie La Brass Banda, die später Hunderttausende Platten verkauft hat, die hat bei Trikont angefangen."

*Wir hatten ursprünglich versehentlich Herrn Björn Höcke, AfD, als Gast der Veranstaltung genannt und in Bezug auf Herrn Bergmann von "Zusammenschlagen" gesprochen.

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