Seit 15:05 Uhr Interpretationen

Sonntag, 08.12.2019
 
Seit 15:05 Uhr Interpretationen

Fazit | Beitrag vom 17.11.2019

Zum Tod des Fotografen Terry O'NeillDer Gentleman, dem die Stars vertrauten

Stephen Hoffman im Gespräch mit Marietta Schwarz

Beitrag hören Podcast abonnieren
Eine Schwarzweißaufnahme der Beatles mit ihren Instrumenten aus dem Jahr 1963. Zwei stehen vorne, zwei hinten.  (Courtesy Galerie Stephen Hoffman / Iconic Images)
Dieses Bild von den Beatles stammt aus dem Jahr 1963. (Courtesy Galerie Stephen Hoffman / Iconic Images)

Terry O'Neill fotografierte die Beatles, Audrey Hepburn und die Queen. Der Chronist der "Swinging Sixties" ist mit 81 Jahren gestorben. Sein Münchner Galerist sagt, O'Neill sei trotz des Umgangs mit den Stars immer auf dem Boden geblieben.

Der britische Fotograf Terry O'Neill ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Er galt als Chronist der "Swinging Sixties" in London. Berühmt wurde er mit Aufnahmen von den Beatles und den Rolling Stones. O'Neill porträtierte Michael Caine, Sean Connery, Audrey Hepburn, Elizabeth Taylor und Brigitte Bardot und machte berühmte Aufnahmen von Frank Sinatra.

Später arbeitete er mit Elton John, David Bowie oder Amy Winehouse zusammen. Auch die Queen hatte er vor der Kamera. Elton John twitterte am Sonntag: "Terry O'Neill hat im Laufe der Jahre die ikonischsten Fotos von mir gemacht und meine Stimmungen vollständig eingefangen. Er war brillant, lustig und ich liebte seine Gesellschaft. Ruhe in Frieden, du wunderbarer Mensch."

Der Sammler Stephen Hoffman vertritt ihn in seiner Münchner Galerie und kannte ihn persönlich:

"Terry O'Neill ist für mich ein einzigartiger Fotograf, ein englischer Gentleman, der nahezu jede britische Persönlichkeit vor der Kamera hatte, inklusive Königshaus. Für mich bleibt er jemand, der trotz seiner Zugänge zu solchen berühmten Personen vollkommen auf dem Boden geblieben ist. Er ist menschlich gesehen für mich ein Idol."

Die Prominenten, die sich von ihm ablichten ließen, vertrauten O’Neill, wie Hoffman berichtet, "weil er nie jemanden ungefragt oder in einer nicht so schönen Manier oder Position abgelichtet hat. Das hat dazu geführt, dass wer auch immer vor der Kamera war, entspannt war. Das Resultat liegt dann im Foto selbst."

Zwei Passanten stehen vor einem Schaukasten, in dem ein Porträt von Amy Winehouse gezeigt wird. (imago images / ITAR-TASS)Eines seiner letzten Werke war dieses Foto von Amy Winehouse, das sie selbstbewusst und in Würde zeigt. (imago images / ITAR-TASS)

Das sei auch ein Grund dafür gewesen, dass selbst Amy Winehouse sich von ihm fotografieren ließ, eine prominente Persönlichkeit, die sonst niemanden in ihre Nähe ließ - zu oft war sie von Paparazzi in unvorteilhaften Posen und Situationen abgelichtet worden. Und genau das war O’Neill nicht: ein Paparazzo.

Eben dieses Bild von Amy Winhouse sei auch O’Neills Lieblingsbild gewesen, berichtet Hoffman: "Er sagte mir einmal, das war sein letzter Auftrag. Danach hat er gesagt: ‚Ich habe die Kamera weggelegt', weil er keine Lust mehr hatte, an diesen Bodyguards vorbeizukommen. Und dadurch, dass es nicht viele Aufnahmen von Amy Winehouse gibt, die sie cool zeigen, ist das auch eine meiner Lieblingsaufnahmen."

Ein Schwarzweißfoto von Terry O'Neill vor seinen Werken. (picture alliance / dpa / Tass / Mudrats Alexandra )Terry O'Neill wurde 81 Jahre alt. (picture alliance / dpa / Tass / Mudrats Alexandra )

Die Fotos waren cool, weil O'Neill selbst cool war, wie Hoffman berichtet: "Er war Rockmusiker und gerade einmal paarundzwanzig und ist dann zur Fotografie gekommen, hatte Backstage-Zugang bei den Rolling Stones und Beatles. Er war einfach ein cooler Typ, und das war sein Umfeld, er hat das nicht inszeniert. Das waren seine Leute."

Mehr zum Thema

Star-Fotograf Jürgen Teller in Locarno - Der Anrobber
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 10.08.2018)

Starfotograf Kevin Cummins - "Mein Job ist der eines stillen Beobachters"
(Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 02.08.2016)

Fotobuch über Elton John - Der Style des Pop-Chamäleons
(Deutschlandfunk, Corso, 22.10.2019)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsRache mit Hund
Angela Merkel, Wladimir Putin und ein Labrador. (Epa/Sergei Chirikov/dpa)

Anlässlich einer Ausstellung über des Menschen besten Freund, den Hund, ruft die „FAZ“ ein unschönes Zusammentreffen von Angela Merkel und Wladimir Putin aus dem Jahr 2007 in Erinnerung und lobt den Präsidenten für seine meisterhafte Revanche.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur