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Kompressor | Beitrag vom 04.09.2019

Zum Tod des Fotografen Peter LindberghWider den Terror von Jugend und Schönheit

Jürgen Teller im Gespräch mit Max Oppel

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Der Fotograf Peter Lindbergh in einem schwarzen T-Shirt und mit einer hellen Schirmmütze auf dem Kopf, auf der "Peter" steht. (imago images / Independent Photo Agency)
Machte Models zu Superstars und setzte ein neues Frauenbild auf den Covern der Mode-Magazine durch: Peter Lindbergh. (imago images / Independent Photo Agency)

Seine Bilder machten Models zu Superstars: Wohl kaum jemand prägte die Mode-Fotografie der letzten Jahrzehnte wie Peter Lindbergh. Nun ist der Fotograf im Alter von 74 Jahren gestorben.

1978 zog Peter Lindbergh aus Deutschland nach Paris, wo er seine Karriere als Fotograf bei der französischen Vogue begann. Mit seinen Bildern, meist in schwarzweiß und außerhalb der Studios aufgenommen, veränderte Lindbergh die Modefotografie grundlegend. Der Künstlichkeit der 80er-Jahre setzte er einen Blick entgegen, der Oberflächen zu durchdringen schien.

Bilder des Fotografen Peter Lindbergh, darunter ein Foto des US-Models Cindy Crawford, aufgenommen 2017, bei der Pressekonferenz zur Ausstellung "Peter Lindbergh - From fashion to reality"  (dpa /  Felix Hörhager)Ausstellungsansicht "Peter Lindbergh - From fashion to reality" (dpa / Felix Hörhager)

Berühmt sind etwa Lindbergs Aufnahmen von Models in Männerhemden, die er mit wenig Make-Up fotografierte. Mit solchen und anderen Werken läutete der Fotograf in den 90er-Jahren die Ära der Supermodels ein. Stars wie Cindy Crawford oder Naomi Campbell wurden erst durch seine Bilder zu Ikonen.

"Extrem positiv und unheimlich großzügig"

Der deutsche Fotograf Jürgen Teller erinnert sich noch gut daran, wie er Mitte der 80er-Jahre zum ersten Mal Fotos von Lindbergh sah:

"Das was eine ganz andere Welt. Wie er Frauen fotografiert hat, so unglaublich anziehend und in tollen Locations. Damals war es mein Traum, nach Abschluss der Fotoschule in München sein Assistent zu werden."

Aus der Anstellung als Assisstent wurde nichts. Ein paar Jahre später begegneten sich die beiden Fotografen jedoch in Mailand bei einem Fotoshooting. "Ich habe ihn immer nur als extrem positiv und unheimlich großzügig erlebt", erzählt Teller.

In seinen Bildern zeigte Lindbergh Frauen immer als starke Persönlichkeiten. Auf diese Weise setzte er in den 90er-Jahren ein anderes Frauenbild auf den Titelseiten der Magazine durch.

Wie Fotografen ihre Modelle in Szene setzen, beschäftigte Lindbergh bis zum Schluss. Auf Twitter forderte er seine Kollegen  auf, "Frauen, und schlussendlich alle, vom Terror der Jugend und Schönheit zu befreien."

Wenn man wissen will, wie Lindbergh seine besondere Atmosphäre kreierte, müsse man sich nur dessen Bilder anschauen, meint Jürgen Teller: "Man sieht den Fotos an, dass sich die Frauen wohl gefühlt haben." Um gut mit Menschen zusammenzuarbeiten, müsse man ehrlich zu sich selber sein - das habe er von Lindbergh gelernt.

(rod)

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