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Tonart | Beitrag vom 08.04.2020

Zum Tod des Countrysängers John PrineDer Mark Twain des Songwriting

Harald Mönkedieck im Gespräch mit Britta Bürger

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Aufnahme von Musiker John Prine auf der Bühne mit Gitarre. (Imago / ZUMA Press)
Meister des Lakonischen: der Singer-Songwriter John Prine (1946-2020) (Imago / ZUMA Press)

In seinen Songs mischte sich skurriler Witz mit Menschlichkeit. Der Countrysänger John Prine zählte Bob Dylan und Johnny Cash zu seinen Fans. Nun ist der US-amerikanische Musiker mit 73 Jahren an einer Coronainfektion gestorben.

Seine Stimme gefiel nicht allen. "Rau, nasal, schroff und ungeschliffen", so klang John Prine, sagt der Musikkritiker Harald Mönkedieck. Aber seine Kunst, in schlichten, geradlinigen Country- und Folksongs vom Leben und den Sehnsüchten der "kleinen Leute" zu erzählen, sei unverwechselbar gewesen: "empathisch aber nie pathetisch, durchtränkt von skurrilem Humor und viel Sprachwitz."

Grammy für sein Lebenswerk

Für seine leise, bescheidene aber höchst intelligenten Art, Geschichten zu erzählen, habe John Prine in den USA viel Anerkennung erfahren, so Mönkedieck: "Er war ein Meister des Lakonischen, manche haben gesagt: Er war der Mark Twain des amerikanischen Songwriting."

Zu seinen Fans gehörten Bob Dylan, Johnny Cash und Bruce Springsteen. Im Februar erhielt Prine bei der Grammy-Verleihung den Ehrenpreis für sein Lebenswerk.

Musikalisch knüpfte John Prine bewusst an klassische Traditionen von Folk, R'n'B, und Country an. Als dezidiert politischer Sänger habe er sich nicht verstanden, sagt Harald Mönkedieck - den "Summer Of Love" verbachte Prine fernab vom eigentlichen Geschehen als GI in Deutschland -, im Zentrum seiner Songs stand vielmehr "Empathie für menschliche Schicksale".

"Angel From Montgomery", einer seiner berühmtesten Songs, bringe Prines mit feinem Humor gewürzte Menschlichkeit besonders klar zum Ausdruck: "Da singt er aus der Perspektive einer älteren Frau, die in einer unglücklichen Ehe gefangen ist und sich einen Engel herbeiwünscht, der sie fortträgt aus ihrem Unglück in der Stadt Montgomery, Alabama."

Spirit des amerikanischen Humanismus

In den Songs von John Prine finde sich "einiges vom Besten, was der amerikanische Humanismus, der amerikanische Spirit zu bieten hat", unterstreicht Harald Mönkedieck: "Lachen und Weinen standen bei ihm dicht beieinander, und die Emotionalität in diesen Texten vermittelte sich nicht immer sofort, sondern vielleicht erst beim dritten Hören."

Als bekannt wurde, dass Prine an Covid-19 erkrankt war, nahm die Sängerin Joan Baez seinen Song "Hello In There", ein Plädoyer für Anteilnahme am Schicksal älterer Mitmenschen, in einer Wohnzimmer-Version auf und veröffentlichte ihn als moralische Unterstützung für den Erkrankten und seine Frau bei YouTube. Am gestrigen Dienstag, den 7. April, ist John Prine an den Folgen der Virusinfektion gestorben.

Prines subtile Erzählkunst, für die er "mit einer Handvoll Akkorde ausgekommen" sei, werde noch lange fortwirken, so Harald Mönkedieck in seiner Würdigung des Sängers: "Sie wird sicherlich auch eine Inspiration für nachfolgende Generationen sein."

(fka)

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