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Fazit / Archiv | Beitrag vom 12.11.2018

Zum Tod des Comic-Autors Stan LeeTrauer um den Botschafter der Comics

Cord-Christian Casper im Gespräch mit Moderator Vladimir Balzer

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Stan Lee, Comicautor aus den USA, lässt sich in seinem Büro mit einer Spider-Man-Figur fotografieren.  (AP)
Stan Lee hatte in fast allen Marvel-Filmen kurze Gastauftritte. (AP)

Er schuf Figuren wie "Spider-Man", "Iron Man" und "Hulk" und prägte damit ganze Generationen - nun ist der Autor und Verleger Stan Lee gestorben. Die Comic-Legende wurde 95 Jahre alt.

Trauer in der Comic-Gemeinde: Stan Lee ist tot. Der Schöpfer von "Spiderman", "Iron Man" und anderen Superhelden starb am Montag im Alter von 95 Jahren in einem Krankenhaus in Los Angeles. Lee hatte in den 60er-Jahren mit dem Marvel-Verlag das Superhelden-Genre revolutioniert. Viele seiner Figuren wie X-Men, Hulk oder Black Panther dominieren bis heute die Kino-Leinwände. Cord-Christian Casper vom Kieler e-Journal für Comicforschung "Closure" beschreibt die Arbeit Stan Lees: "Die Marvel-Methode sah vor, dass Stan Lee die Zusammenfassung der Plots geschrieben hat, die Zeichner dann drauflos gezeichnet haben, ihren eigenen Stil geprägt haben und Stan Lee dann nur noch als Editor eingegriffen hat."

Als Verleger prägte er viele Comic-Charactere

Diese Rolle habe natürlich zur Folge gehabt, dass Lee einen großen Einfluss auf viele Comic-Charactere gehabt habe, die bis heute von größter populärer Bedeutung sind. Allerdings habe Lee sich in dieser Rolle auch "selber zur Marke gemacht", erklärt Casper. "Es war die ironische Marke eines Zirkusdirektors, vielleicht ein modernerer P. T. Barnum, der in einer Kolumne, die in allen Comics erschienen ist in den Sechzigern und Siebzigern, Stellung nahm zu dem aktuellen Comic, zudem auch zum gesellschaftlichen Geschehen, auch mal zu Rassismus und Kaltem Krieg, aber das alles in einem ironischen, überzeichneten Stil, der prägend war für die Zeit."

"Man muss immer beide Aspekte von Stan Lee sehen: Diese Etablierung dieser Larger-than-Life-Persona, die er durchgeführt hat, aber der gleichzeitig dann auch revolutioniert hat, wie wir über Comics denken, aber auch wie wir über Populär-Kultur denken", beschreibt Casper die Bedeutung Lees. 

75 Jahre lang schuf er Comics

Stan Lee wurde am 28. Dezember 1922 als Stanley Martin Lieber in New York geboren und geriet ins Comic-Geschäft eher zufällig: Ein Onkel hatte im ihm im Alter von 17 Jahren einen Assistenten-Job bei Timely Comics verschafft, und von da an machte er rund 75 Jahre Comics und prägte das Genre. 1941 veröffentlichte er zunächst als Aushilfsredakteur seine ersten Arbeiten, wurde 1961 Chefredakteur bei Timely Comics, das bald darauf in Marvel umbenannt wurde und gemeinsam mit den legendären Comiczeichnern Jack Kirby oder Stephen Ditko schuf er dann das Marvel-Universum. Seien Superhelden wie Hulk, Thor, Iron Man, X-Men, Doctor Strange oder Spiderman, kommen eher zufällig zu ihren übernatürlichen Kräften und müssen sich mit durchaus menschlichen Schwächen herumschlagen.

Seine Bösewichte waren zu Gefühlen fähig

Im Gegensatz zu den unfehlbaren Superhelden früherer Zeiten haben Lees Charaktere Zweifel und schlagen sich mit finanziellen Problemen oder Liebeskummer herum. Und auch seine Bösewichte sind zu Gefühlen fähig. Auf diese Weise konnten sich die Leser mit ihnen identifizieren.

Um das Tempo bei seinen Schöpfungen halten zu können, systematisierte Stan Lee die "Methode Marvel": Statt einer vollständigen Geschichte gab er seinen Zeichnern einen kurzen Aufriss. Sie schufen dann die Zeichnungen, in die er die Texte und Sprechblasen einfügte. Auf diese Weise wurden die Zeichner auch zu Co-Autoren seiner Geschichten. Einige warfen ihm später vor, er habe das System benutzt, um als alleiniger Schöpfer dazustehen.

Über die Jahre wurde Lee dann zum Botschafter der Comics. In fast allen Marvel-Filmen hatte er kurze Gastauftritte - unter anderem als Busfahrer in "Avengers: Infinity War". Und häufig war er auch auf Fan-Treffen anzutreffen, wo manche ihn wie einen Halb-Gott feierten. 

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